Ein Hoch auf den Humus

Fragen & Antworten: Humusreiche Böden fangen Sonnenstrahlen besser ein, speichern Wasser sowie Kohlenstoff

OTTERSWEIER
3 Min.

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Damit Landwirte Humus auf ihren Feldern erhalten und im Idealfall vermehren, hat der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord das »Humusprojekt« ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: Unternehmen, Kommunen, Institutionen können ihre nicht vermeidbaren Treibhausgas-Emissionen ausgleichen, indem sie Humusprämien erwerben. Foto: Uli Deck/dpa
Foto: Uli Deck
Um mehr Hu­mus auf die Äcker zu be­kom­men, hat der Na­tur­park Schwar­z­wald Mit­te/Nord ein Kli­ma­schutz­pro­jekt ins Le­ben ge­ru­fen. Das hat auch Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk (CDU) in­ter­es­siert, der des­we­gen am Don­ners­tag dem Aspich­hof in Ot­terswei­er (Land­kreis Ra­statt) ei­nen Be­such ab­ge­stat­tet hat.

Worum es dabei geht und welche Rolle Humus beim Klimaschutz spielt:

Was ist Humus überhaupt?

Als Humus wird laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe alle abgestorbene organische Substanz bezeichnet. Also: Baum- und Pflanzenreste, tote Tiere, Pilze und Co. Neue Definitionen beziehen auch etwa das Wurzelwerk der lebenden Pflanzen mit ein, wie Projektmanager Paul Hofmann sagte, der das »Humusprojekt« des Naturparks mitbetreut. Auf diese Weise würden Mikroorganismen im Boden zum Beispiel mit Zucker versorgt.

Fachleute unterscheiden zwischen Nähr- und Dauerhumus. Nährhumus sind organische Stoffe, die im Boden rasch abgebaut werden wie Reste der Ernte, Zwischenfrüchte, Mist, Kompost. Er dient als Nahrungsquelle von Bodenorganismen. Beim Abbau von Pflanzenresten bildet sich ein verästeltes Röhrensystem, das die Durchlüftung des Bodens fördert.

Daraus kann sich Dauerhumus entwickeln, der den Angaben zufolge für die dunkle Farbe des Bodens verantwortlich ist. Wegen dieser erwärme sich der Boden im Frühjahr schnell. Dauerhumus bindet Nährstoffe und Wasser und sorgt für eine Krümelstruktur als stabiles Bodengefüge.

Warum ist Humus gut fürs Klima?

Humus ist aber nicht nur gut für den Boden an sich. Er speichert laut Umweltbundesamt Kohlenstoff im Boden, der somit nicht als klimawirksames Kohlendioxid (CO2) die Atmosphäre belastet. »Und das Beste daran: diese Ökosystemleistung des Bodens ist völlig kostenfrei«, heißt es bei der Behörde. »Darum gilt es, Böden mit sehr hohem Vorrat an organischem Kohlenstoff besonders zu schützen.«

Die Bundesregierung informiert allerdings im Internet, dass Humus nur dann eine Gewähr für dauerhafte Kohlenstoffspeicherung sei, wenn der Humusgehalt durch ständige Zufuhr von neuem organischen Material konstant gehalten oder erhöht werde. »Andernfalls wird der Kohlenstoff aus dem Humus nämlich wieder als CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.« Nach Angaben des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord werden durch eine Erhöhung des Humusgehalts im Boden um nur ein Prozent pro Hektar etwa 50 Tonnen CO2 gespeichert.

Wie ist die Humussituation in Baden-Württemberg?

Wie viel Kohlenstoff gespeichert wird, hängt von der Bodenart ab. Während Ackerböden nach Angaben der Bundesregierung im Schnitt etwa 95 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern, sind es 181 Tonnen unter Dauergrünflächen. Humusreiche Böden gibt es der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zufolge auch in Wäldern.

Der Humusgehalt liegt laut Umweltbundesamt unter Ackernutzung überwiegend bei 1 bis 4 Prozent, bei forstlicher Nutzung bei 2 bis 8 und unter Grünland bei 4 bis 15 Prozent. So variiert der Gehalt an organischer Substanz in oberen Bodenschichten in Baden-Württemberg nach Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe von 2 bis 8 Prozent. Das ist laut einer Karte mehr als in weiten Teilen des Ostens Deutschlands, aber weniger als in der Alpenregion und an der Nordseeküste, wo die Werte teils deutlich zweistellig sind.

Die LUBW hat vor einigen Jahren die Vulnerabilität (Verwundbarkeit) von Böden im Südwesten durch den Klimawandel abgeschätzt. Die höchste Stufe - und somit auch die höchste Dringlichkeit für Anpassungsmaßnahmen - ergaben sich dabei für organische Bodensubstanz und Moorböden. Regionen in Oberschwaben sind der Analyse zufolge stärker gefährdet als der Schwarzwald und die Rheingegend.

Welche Gefahren gibt es?

Die LUBW verweist zum Beispiel auf Starkregen, der das Risiko für Bodenerosion und Humusverlust ansteigen lasse. Infolge des Klimawandels erwarten Experten mehr Starkregenereignisse. Häufige intensive Bodenbearbeitung und steigende Temperaturen führen der Behörde zufolge außerdem dazu, dass Humus schneller abgebaut wird.

Was kann man dagegen tun?

Eine wirksame Maßnahme zur Bodenpflege ist laut LUBW, sogenannte Zwischenfrüchte anzubauen. Diese werden nach oder vor den eigentlichen Feldfrüchten auf Äckern angebaut und dienen zum Beispiel als natürlicher Dünger und der Humusbildung. »Sie schützen und festigen die Bodenoberfläche, reduzieren den oberflächennahen Wasserabfluss und verringern den Abtrag von Bodenpartikeln.«

Was wird getan, um die Lage zu verbessern?

Die Bundesregierung will mit dem Klimaschutzprogramm 2030 das Speicherpotenzial der landwirtschaftlich genutzten Böden für Kohlenstoff stärker nutzen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wird an verschiedenen Maßnahmen gearbeitet, um Wissen über eine »humusmehrende« und »humuserhaltende« Landwirtschaft zu generieren und zu verbreiten. Unter anderem sollen bis zu 150 landwirtschaftliche Betriebe in einem Förderprojekt in den Jahren bis 2027 versuchen, Humus zu erhalten oder gar aufzubauen.

Das LTZ verweist auf Initiativen und Unternehmen, die sogenannte Humuszertifikate vergeben. Diese würden ausgestellt, wenn Landwirte aufgrund veränderter Bewirtschaftung mehr organischen Kohlenstoff binden. Firmen oder Privatleute können die Zertifikate kaufen, um ihre Treibhausgasemissionen ganz oder teilweise zu kompensieren.

Einen ähnlichen Weg will der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gehen: Nicht in Form von Zertifikaten sondern als freiwilligen Ausgleich für ihre Emissionen sollen etwa Firmen in der Region »Humusprämien« zahlen und Bauern so unterstützen, ihre Betriebe auf eine humusschonende Bewirtschaftung umzustellen.

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