Ein außergewöhnlich spannendes Leben

Geburtstag: Laura Edith Wittmann-Weidelt wird 80 - Der Künstlerin und früheren Wertheimer Gymnasiallehrerin liegt die ehrenamtliche Hospizarbeit am Herzen

Wertheim
3 Min.

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Ihren 80. Geburtstag feiert an diesem Montag die langjährige Lehrerin am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, freischaffende Künstlerin und ehrenamtliche Hospizhelferin Laura Edith Wittmann-Weidelt. Foto: Peter Riffenach
Foto: Peter Riffenach
Laura Edith Wittmann-Weidelt im Alter von 30 Jahren. Repro: Riffenach
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Ein Leben ist mehr als eine Aneinanderreihung von Daten. Ein beredtes Beispiel ist Laura Edith Wittmann-Weidelt, die auf ein außergewöhnlich spannendes Leben mit Höhen und Tiefen blicken kann. An diesem Montag feiert die engagierte Lehrerin, freischaffende Malerin und ehrenamtliche Trauer- und Sterbebegleiterin ihren 80. Geburtstag.

Das Leben von Laura Edith Wittmann-Weidelt beginnt im Krieg. Im Alter von vier Jahren hat sie bereits ihre ersten traumatischen Erlebnisse, als ihr Vater im Alter von 32 Jahren im Krieg fiel und kaum ein halbes Jahr später in Straubing das Haus ihrer Tante, wo sie mit ihrer Mutter untergekommen war, total zerstört wurde. »Wir saßen im Keller des Hauses, als nach einem Bombentreffer riesige Gesteinstrümmer auf mich zurollten. Wenn man als Kind Todesangst erlebt, begleitet einen das auf dem gesamten weiteren Lebensweg«, ist sie überzeugt.

In Bremen in der Schule

Als die Mutter Anfang der 1950er-Jahre ein zweites Mal heiratete und zwar einen Richter aus Bremen, war zunächst die Überlegung, ob sie bis zum Abitur bei ihrer Tante in Straubing bleiben sollte, aber letztlich entschied sich die Mutter, ihre Tochter mit nach Bremen zu nehmen, wo das Mädchen aus Bayern keinen leichten Stand in der Schule hatte. »Die Erlebnisse dort waren sicher ein Grund dafür, dass ich später 30 Jahre Vertrauenslehrerin war«, sagt die Jubilarin. Um das Studium in München und Stuttgart zu finanzieren, habe sie »gefühlt 24 Stunden gearbeitet«. Die Aushilfsjobs reichten von der Akkordarbeit in einer Druckerei über Putzen und den Verkauf von billigem Spielzeug in Kaufhäusern bis hin zur Arbeit im Theater. Letzteres sei »ein großes Glück« gewesen, weil sie nicht nur in der Bildhauerei und im Malsaal arbeiten, sondern auch hinter der Bühne etwa die Choreographien von John Cranko mitverfolgen durfte.

In Stuttgart, wo sie unter anderem ihre Referendariatszeit verbrachte, erlebte sie hautnah die Schülerproteste um 1968 sowie später die RAF-Zeit. Am Theater lernte sie ihren ersten Mann kennen und begann in dieser Zeit auch mit dem Sammeln von Puppen und altem Spielzeug. Ihre wertvolle Sammlung mit über 120 Puppen, etwa 20 Puppenstuben und vielen historischen Spielsachen gab die Künstlerin 2007 als Dauerleihgabe ans Wertheimer Grafschaftsmuseum.

Nachdem ihre erste Ehe zerbrochen war, lernte sie Rolf Weidelt kennen, der sie 1981 heiratete und mit ihr und ihren drei kleinen Kindern in den Main-Tauber-Kreis übersiedelte. Während sie in Wertheim am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium eine Stelle fand, unterrichtete ihr Mann zunächst in Tauberbischofsheim und wechselte nach neun Jahren ebenfalls nach Wertheim.

An fast allen Schulen, an denen Wittmann-Weidelt arbeitete, war sie Vertrauenslehrerin, Drogenbeauftragte und zuständig für schwangere Schülerinnen. »Auch Kindesmissbrauch in sogenannten Problemfamilien lernte ich kennen«, berichtet die ehemalige Lehrerin, die sich Mitte der 1990er-Jahre zu einer radikalen Lebensänderung entschloss. »Die Ärzte sagten mir damals, dass ich in Kürze mein Augenlicht auch auf dem linken Auge verlieren würde. Auf dem anderen kann ich bereits seit meinem 24. Lebensjahr nichts mehr sehen«, begründet sie die Aufgabe ihrer Lehrerstelle.

Seit Ende der 1990er-Jahre ist sie als freischaffende Künstlerin tätig und präsentierte ihre Bilder in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. »Meine Bilder sprechen zum Betrachter, wollen ihn begleiten in sein eigenes Inneres und eine Brücke zwischen Außen- und Innenwelt bauen, nicht nur auf der Ebene der einfachen Wahrnehmung, sondern auf der Ebene des Hintergründigen und Symbolischen.«

Zudem engagiert sie sich sehr intensiv in der Hospizarbeit. »Ich sagte mir, wenn ich blind bin, habe ich noch Ohren um zuzuhören«, sagt sie. 1995 gründete sie eine der ersten Hospizgruppen in der Region, hielt Vorträge über Sterbebegleitung in Christentum, Islam und Judentum und begleitete ungezählte Sterbende und deren trauernde Angehörige im Krankenhaus, in Seniorenheimen und in den Familien.

Darüber hinaus gründete sie die Gruppe »Stern hinterm Horizont« für verwaiste Eltern und arbeitete ab 1999 mit der Akademie der Polizei sowie den Polizeidienststellen Wertheim und Würzburg zu den Themen »Belastung im Umgang mit Todesfällen und Überbringen einer Todesbotschaft« zusammen. »Meine Arbeit als Hospizhelferin, die ich mit viel Herzblut gemacht habe, muss ich aufgrund von Corona aktuell leider ruhen lassen«, berichtet sie. Doch auch wenn sie 80 Jahre alt ist, will sie in der Zeit nach der Corona-Krise wieder aktiv werden.

Zur Person: Laura Edith Wittmann-Weidelt

Geboren am 14. September 1940 in Regensburg, wuchs Laura Edith Wittmann-Weidelt zunächst in Straubing und ab 1953 in Bremen auf.

Ab 1957 ging sie neben der Schule zum Gaststudium an der Kunsthochschule Bremen, bevor sie 1961 ihr Studium der Bildhauerei, Malerei, Kunstgeschichte, Philosophie und Geographie in München und Stuttgart absolvierte.

Während des Referendariats lernte sie an einem Theater, an dem sie einen Aushilfsjob hatte, ihren ersten Mann kennen, mit dem sie drei Kinder bekam. Die Ehe ging allerdings in die Brüche und seit 1981 ist sie mit Rolf Weidelt verheiratet. Die drei Kinder leben heute in Würzburg beziehungsweise Nürnberg und haben selbst zusammen sechs Kinder.

Von 1967 bis 1995 unterrichtete sie an Gymnasien in Ludwigsburg und Stuttgart sowie am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wertheim. Ab 1995 engagierte sie sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit.

Seit 1998 ist Laura Edith Wittmann-Weidelt als freischaffende Malerin tätig und ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK), in der Vereinigung Kunstschaffender Unterfrankens (VKU) und dem Rothenburger Künstlerbund. ()

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