Drei besondere Häuser in der Rathausgasse

Wertheim entdecken: Von außergewöhnlicher Farbe und einem speziellen Treppenaufgang - Heilige an einem nicht kirchlichen Gebäude (8)

Wertheim
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Blaues Haus, Fachwerkhaus.
Foto: Birger-Daniel Grein
Haus der vier Gekrönten, Fachwerkhaus.
Foto: Birger-Daniel Grein
Wertheim. Altes Rathaus, heute Grafschaftsmuseum.
Foto: Birger-Daniel Grein
In der Rat­haus­gas­se gibt es gleich drei in­ter­es­san­te Ge­bäu­de. Die­se wer­den wir in die­sem ach­ten Teil der Rei­he »Wert­heim ent­de­cken« vor­s­tel­len.

Sofort ins Auge sticht das sogenannte Blaue Haus, das seinen Namen dem besonderen Anstrich verdankt. Gebaut wurde es 1593. 1999 entschied man, die Farbe nach den originalen Farbfunden wieder herzustellen.

Bei der Farbe handelt es sich um das sehr teure »Smalte.« Die Farbe wird aus gemahlenem Kobaltglas produziert. Das Glas wird dazu im Schmelzofen hergestellt und noch heiß mit kaltem Wasser abgeschreckt. Dabei zerfällt es in blaue Körner. Diese werden ganz fein zermahlen. So entstehen die Farbpigmente. Die werden wiederum mit einem Bindemittel vermischt und sind so als Farbe einsetzbar. Da die Farbe sehr teuer war, geht man davon aus, dass der Bauherr ein reicher Mann gewesen sein muss. Dafür spricht auch die aufwendige Decke im Inneren des Hauses. Häuser mit einem Anstrich aus Smalte sind sehr selten. Das macht das Blaue Haus in Wertheim zu etwas Besonderem.

Gegenüber steht das alte Rathaus. In diesem befindet sich heute das Grafschaftsmuseum. Die Stadtverwaltung war bis 1988 dort untergebracht. Heute befindet sie sich in der Hofhaltung in der Mühlenstraße.

Steht man vor dem alten Rathaus, erkennt man zwei Gebäude, den Vierherrenhof und den Klinkhartshof. Etwas Besonderes ist der Treppenturm zwischen den beiden Häusern. Er trägt das gräfliche Wappen von 1540. Man erkennt an ihm zwei Eingänge. Im Inneren befindet sich eine doppelläufige Wendeltreppe. Diese ist ganz außergewöhnlich gebaut. Betreten zwei Besucher den Turm durch die verschiedenen Eingänge, begegnen sie sich nicht im Treppenhaus. Es handelt sich also um zwei voneinander getrennte Wendeltreppen, die eng nebeneinander in einem Turm eingebaut sind. Ein Original-Modell des Treppenturms mit seinen speziellen Treppen ist im Grafschaftsmuseum ausgestellt.

Über eine gläserne Brücke sind die Gebäude des alten Rathauses mit dem Haus der vier Gekrönten auf der anderen Straßenseite verbunden. Es wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut. Seinen Namen hat das Gebäude durch die vier Figuren auf seinen Kragsteinen. Kragsteine sind Vorsprünge, die aus der Wand herausragen und helfen, das Geschoss eines Hauses zu stützen.

Bei den vier Gekrönten handelt es sich um die Schutzheiligen der Baumeister, Handwerker und Steinmetze. Das Haus der vier Gekrönten ist das einzige nicht kirchliche Bauwerk, an dem die Heiligen abgebildet sind. Im Inneren des Gebäudes sind weitere Teile der Ausstellung des Museums zu sehen. Außerdem sieht man in ihm die aufwendig gestaltete Decke und die Raumaufteilung aus dem 18. Jahrhundert.

IInfo: In der nächsten Folge der Serie  »Wertheim entdecken«: Kilianskapelle und Erbgrafenhaus

Hintergrund: Eine zauberhafte Geschichte

Es gab eine Zeit, in der viele Frauen und Männer als Hexen und Hexer beschuldigt, verfolgt und oft auch getötet wurden. Auch in Wertheim herrschte zeitweise dieser Hexenwahn. Im 17. Jahrhundert war der Höhepunkt dieser Verfolgungswellen. Heute wissen wir, dass dieser Hexenglaube nur Aberglaube war. Damals war die Angst der Menschen von Hexen und Zauberei jedoch groß.

Der Hexenglaube ist auch in vielen Geschichten zu erkennen, zum Beispiel in der Geschichte "Die Hexe als Gans".

Früher waren in Wertheim Nachtwächter unterwegs. Sie passten auf, dass in der Dunkelheit nichts Verbotenes passierte. Einer dieser Nachtwächter soll nachts um zwei Uhr neben sich auf der Gasse eine Gans gesehen haben. Er fing sie ein und sperrte sie in seiner Stube unter die Bank. Am Morgen lag dort statt der Gans eine Wertheimer Frau. In der Geschichte heißt es, so sah man, dass die Frau nicht umsonst als Hexe galt. (bdg)

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