Draußen Trillerpfeifen, drinnen Sekt

AfD: Feierlaune bei Eröffnung des Bürgerbüros am Marktplatz in Tauberbischofsheim - Rund 250 Demonstranten vor der Tür

Tauberbischofsheim
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Abgesperrt: Protestierer gegen die AfD am Samstag in Tauberbischofsheim.
Foto: Frank Hagenauer
Jörg Meuthen (rechts) und Christina Baum (links) im AfD-Büro.
Foto: Frank Hagenauer
Die Sze­ne­rie am Sams­tag­mit­tag wirkt sur­real, ge­ra­de­zu ent­rückt. Im neu­en Bür­ger­büro der AfD am Tau­ber­bi­schofs­hei­mer Markt­platz drän­gen sich lächeln­de Men­schen auf en­gem Raum mit Sekt­glä­s­ern und Häpp­chen in der Hand und prä­sen­tie­ren sich in Fei­er­lau­ne.
Vor der Tür stehen hinter einer umfangreichen Absperrung bis zu 250 pfeifende Bürger und demonstrieren unter dem Motto »Herz statt Hetze« gegen Rassismus und Nationalismus.
Man könnte meinen, dass die Ablehnung draußen den AfD-Politikern und ihren Anhängern drinnen auf den Magen schlägt, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Im Gegenteil: In Plaudereien untereinander belächeln AfD-Anhänger teilweise die Demonstranten.
»So was wie draußen - lachhaft«, winkt eine Frau mittleren Alters ab. »Das sind wenige«, beruhigt ein alter Mann und sagt, dass die AfD eigentlich genau »das gemeine Volk«, das da draußen protestiere, unterstützen wolle. Ein Hinterfragen der Beweggründe der Demonstranten ist nicht nur bei diesem AfD-Anhänger nicht erkennbar.
»Wir bleiben da«
Anlass der Proteste ist die offizielle Eröffnung des neuen Bürgerbüros der Landtagsabgeordneten Christina Baum, die sich überschwänglich darüber freut, diese Räumlichkeiten »im Herzen von Tauberbischofsheim« ergattert zu haben. »Wir wollen zeigen: Wir sind da und wir bleiben da«, verkündet Baum.
Man lasse sich nicht vertreiben von »Beleidigungen, Farbattacken, Eierattacken und körperlichen Angriffen«. Die Eingangstür habe man vor der Eröffnung putzen müssen, »aber das gehört heutzutage dazu«. Ebenso, dass die AfD »eine Versicherung gegen Vandalismus« habe abschließen müssen.
Attacke gegen Fassade
Die Polizei meldete eine Farb- und Eierattacke gegen die Fassade und den Eingangsbereich des AfD-Büros in der Nacht vor der Einweihung. Die Höhe des Sachschadens und die Täter seien unbekannt. Die angemeldete Demonstration am Samstagmittag, zu der die Initiative Mergentheim gegen rechts aufgerufen hatte und die nach Veranstalterangaben von DGB, IG Metall, Jusos, Grünen, Linkspartei und Piratenpartei unterstützt wurde, wurde von einer einer Streifenwagenbesatzung überwacht. Es gab laut Polizei-Pressestelle »keine besonderen Vorkommnisse«. Die Veranstaltung sei friedlich verlaufen und der Einsatz um 14.27 Uhr beendet gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt läuft im AfD-Büro der Höhepunkt des Tags der offenen Tür, der von 13 bis 17 Uhr dauerte, gerade an: Die Rede von Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher und Oppositionsführer im baden-württembergischen Landtag. »Es ist ein Novum für mich, auf einer Treppe zu sprechen«, kommentiert Meuthen scherzhaft die widrigen Umstände in dem engen Bürgerbüro. Er, Baum und einige Zuhörer stehen auf einer steilen Holztreppe, während sich unten Medienvertreter und weitere Zuhörer im schmalen Gang drängen.
Baum betont, dass entgegen anderslautender Gerüchte die Presse »von Anfang an eingeladen« gewesen sei und sich sicher sein könne, dass ihr von Seiten der AfD »Respekt und Achtung« entgegengebracht werde. Kurz darauf wirft sie der Deutschen Presse-Agentur »bewusst falsch gestreute Informationen« im Zusammenhang mit der sogenannten Dresdner Rede von Björn Höcke vor.
Von der Demonstration gegen die Büroeröffnung sei sie »überrascht« gewesen, sagt Baum. Sie respektiere jedoch das Grundgesetz und das Recht auf Versammlungsfreiheit.
Frank Hagenauer
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