»Die Stadt hat uns in jeder Hinsicht unterstützt«

Johannes Mnich: Intendant freut sich über ein nur geringes Defizit an Einnahmen während der zurückliegenden Lockdowns

MAIN-TAUBER-KREIS
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In einem kleinen Team muss selbst der Intendant Johannes Mnich mit anpacken wenn es darum geht das Programmheft versandbereit einzupacken.
Foto: Peter Riffenach
Blick in die Zuschauerreihen bei einem der Open-Air-Konzerte im Sommer 2020
Foto: Elisa Heilgers
Acht Mo­na­te nach der Er­öff­nung wur­de die Tau­ber­phil­har­mo­nie in Wei­kers­heim vom ers­ten Co­ro­na-Lock­down aus­ge­b­remst. In­ten­dant Jo­han­nes Mnich er­klärt im Ge­spräch mit un­se­rem Me­di­en­haus, wie das Le­ben in der Kul­tur­ein­rich­tung in den zu­rück­lie­gen­den 16 Mo­na­ten ver­lief und gibt ei­nen Ein­blick in das neue Pro­gramm­heft 2021/22.

 

 

Angetroffen haben wir Mnich beim Verpacken der Programmbücher. »Wir sind ein relativ kleines Team, und da muss jeder mit anpacken«, begründet er diese für einen Chef ungewöhnliche Tätigkeit.

 

Wie sind sie über die letzten knapp 18 Pandemie-Monate gekommen?

Wie alle anderen Kultureinrichtungen war Mitte März letzten Jahres Schluss. Auch wenn ich es wegen unserer hervorragenden Lüftung, mit der wir alle 16 Minuten die komplette Luft im Saal austauschen können, noch verantwortet hätte, haben wir bereits am 11. März einen Termin abgesagt. Danach hat uns der Lockdown voll erwischt, und wir mussten alle Veranstaltungen stornieren, die zu diesem Zeitpunkt komplett ausverkauft waren.

Mehr als 3500 Besucher

Nach vielen kreativen Ideen, wie beispielsweise Online-Kochen mit örtlichen Gastronomen oder Basteltipps aus den Kindergärten im Lockdown, folgte ein 'rauschafter Sommer' mit zunächst 100 und dann 200 zugelassenen Zuschauern bei zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen, die überrannt wurden. Am Ende hatten wir insgesamt über 3500 Besucher, ohne einen einzigen Infektionsfall, und ein so geringes Defizit, dass wir sogar einen Teil der Sommer-Coronahilfen zurückzahlen konnten.

 

Und wie verlief der zweite Lockdown?

Deutlich mühsamer, weil zunächst das Verständnis für den sogenannten Lockdown-light fehlte und es absehbar war, dass schon wieder die Kultur als erstes geschlossen und als letztes wieder geöffnet wird. Vollkommen unverständlich war schließlich, dass die EM vor 16 000 Zuschauern stattfinden sollte und die Konzerthäuser immer noch dicht waren. Das war schon sehr frustrierend.

 

Konnten Sie während der Lockdowns alle Mitarbeiter halten?

Ja, auch wenn mein gesamtes Team fünf Monate in Kurzarbeit war. Alle hatten dafür Verständnis, und die Stadt hat uns in jeder Hinsicht unterstützt. Es gibt keinen Mitarbeiter, der sich anderweitig orientiert hat.

Programmmanager geht

Lediglich unser Programmmanager Sebastian Golser verlässt uns, aber das hat nichts mit Corona zu tun, sondern er hat in seiner Heimatstadt Wien eine leitende Stelle angeboten bekommen. Die Stelle wurde inzwischen ausgeschrieben, und ich gehe davon aus, dass wir eine gute Nachfolgebesetzung finden werden, denn es ist schon etwas Besonderes, in diesem Umfeld arbeiten zu dürfen.

Wann haben sie den Betrieb wieder aufgenommen?

Wir haben sehr früh wieder angefangen und machen seit 5. Juni wieder Veranstaltungen. Wir hören immer wieder, dass das Publikum sich auch wegen der Rahmenbedingungen sehr wohl fühlt. Wir hatten beispielsweise das Bundesjugendorchester zu Gast, das mit 82 Akteuren im großen Saal gespielt hat. Es war schon sehr beeindruckend, wieder einmal ein voll besetztes Symphonieorchester erleben zu dürfen, das ohne Abstand miteinander auf der Bühne spielen konnte.

 

Wie würden Sie das aktuelle Programm charakterisieren?

Wir haben uns viel Mühe gegeben, ein besonderes, vielfältiges Programm von Klassik bis Pop zusammenzustellen, das nicht nur für Weikersheim, sondern für die gesamte Region interessant ist. Es gibt Künstler wie Gerhard Polt oder Sokolov sowie mehrere große Orchester, für die im Moment die Tauberphilharmonie im weiten Umkreis der präferierte Ort ist. Wo sonst kann man eine Bruckner-Symphonie oder sämtliche Beethoven-Klavierkonzerte hören. Und unsere Gäste bestätigen uns immer wieder, dass man auch aus größerer Entfernung schneller hier ist als vorher gedacht. Als angenehm empfinden die Besucher auch die kostenlosen Parkplätze direkt am Haus und die hervorragende Lüftung in unseren Sälen.

Welche speziellen Anreize setzen sie dabei für das Publikum?

Wir haben uns gefragt, welche Art von Veranstaltung möchte das Publikum wieder erleben und welche besonders kreativen Ideen aus der Corona-Zeit wollen wir übernehmen. So haben wir zum Beispiel eine eigene Reihe aufgelegt, die sich »Nah dran« nennt. Wir hatten in den ersten Konzerten 2020 den ganzen Saal leergeräumt und kleine Bistrotische in Zweier- und Dreiergruppen gestellt.

Das kam beim Publikum sehr gut an, auch weil die Besucher ihre Getränke und Snacks mit ins Konzert nehmen konnten und der Saal durch eine besondere Beleuchtung eine einzigartige Atmosphäre ausstrahlte. Das werden wir in dieser speziellen Reihe fortsetzen und unter anderem Singer-Songwriter oder Streichquartette in außergewöhnlichem Ambiente präsentieren.

Gute Idee: White Dinner

Eine Idee aus der Coronazeit war auch das White Dinner, gepaart mit einer Stadtführung durch Weikersheim, was wir Mitte August auf der Terrasse angeboten haben. Das wurde sehr gut aufgenommen.

Die Tauberphilharmonie möchte, dass sich jeder den Besuch einer Veranstaltung leisten kann. Deshalb bekommen Kulturinteressierte, denen es nicht möglich ist, den vollen Preis zu zahlen, eine Karte zu einem Fixpreis.

Nähere Informationen dazu gibt es unter info@tauberphilharmonie.de  oder unter Tel. 07934 9959999.

Hintergrund

Hintergrund: Das aktuelle Programm der Tauberphilharmonie

Nach der Sommerpause bietet die Tauberphilharmonie ein abwechslungsreiches Programm, das unter www.tauberphilhamonie.de/programm-tickets/ zu finden ist. Nachstehend nennen wir nur einige ausgewählte Höhepunkte, die, falls keine andere Anfangszeit genannt wird, jeweils um 19.30 Uhr beginnen:

Am 29. und 30. September bringen Fabian Müller und das Kölner Kammerorchester an zwei Tagen die Tauberphilharmonie mit allen vier Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven zum Klingen. Preisgekrönten Jazz bieten am Dienstag, 12. Oktober, Chris Hopkins & Friends. Auf eine Reise von der Frühklassik bis ins 20. Jahrhundert nimmt Marc-André Hamelin seine Zuhörer am Dienstag, 19. Oktober, mit.

Am Freitag, 22. Oktober, kommt Joseph Brustmann & Band in die Tauberphilharmonie, und mit einem kunterbunten Konzert für die ganze Familie wird am Dienstag, 26. Oktober, ab 16 Uhr Bombardon seine kleinen und großen Zuhörer begeistern. Qualitativ hochstehendes Songwriting bietet am Donnerstag, 4. November, das Duo Friend'n Fellow.

Unter der Überschrift "Zwei:Takt" präsentiert sich das Landesjugendorchester Baden-Württemberg am Freitag, 5. November, hoch romantisch und hoch dramatisch. Und am Sonntag, 14. November, feiert ab 17.30 Uhr der Chor Cappella Nova nachträglich die Geburtstage von Beethoven und Friedrich Witt nach.

Ein Musical-Erlebnis für die ganze Familie wird die Aufführung des Musicals Schneewittchen, die das Theater Liberi am Freitag, 19. November, ab 16 Uhr aufführt. Am Samstag, 20. November, präsentiert die Cellistin Raphaela Gromes begleitet von Julian Riem am Klavier ab 16 Uhr märchenhafte Musik für Groß und Klein.

Am Freitag, 26. November, gastieren Max Herre und das TKOVR-Ensemble im Konzertsaal der Tauberphilharmonie mit einem Crossover von Klassik und HipHop.

Am Mittwoch, 1. Dezember, präsentiert June Coco mit ihrem Konzert "Nah dran" bezaubernde Klänge in intimer Atmosphäre. Zum Abschluss steht am Freitag, 10. Dezember, ab 17 Uhr als Saisonhöhepunkt, das Weihnachtsoratorium mit dem Freiburger Barockorchester und dem Nederlands Kamerkoor, auf dem Programm. (riff)

Hintergrund

» Es war beeindruckend,   ein Symphonieorchester
erleben zu dürfen
. «

Johannes Mnich, Intendant

Hintergrund

» Wir haben eine eigene Reihe, Nah dran, mit Bistrotischen aufgelegt. «

 Johannes Mnich, Intendant

Hintergrund

» Wer nicht den vollen Preis zahlen kann, zahlt einen  Fixpreis. «

Johannes Mnich, Intendant

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