Die Kirchengemeinde vor Ort voranbringen

Glauben: Trotz Kritik an katholischer Weltkirche engagieren sich Menschen für Gemeindeteam und Pfarrgemeinderat - Wahl am 20. März

Kreuzwertheim
3 Min.

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Jana Reinke und Hubert Grönert kandidieren für das Gemeindeteam Kreuzwertheim. Sie wollen eine Kirchengemeinde vor Ort, die für die Menschen da ist. Foto: Birger-Daniel Grein
Foto: Birger-Daniel Grein
Die ak­tu­el­len Mit­g­lie­der des Pfarr­ge­mein­de­rats und die Kan­di­da­ten für das neue Ge­mein­de­team in Kreuz­wert­heim ha­ben das ge­mein­sa­me Ziel, die Kir­chen­ge­mein­de vor Ort mit­zu­ge­stal­ten. Sie möch­ten sie zu ei­nem Ort der Be­geg­nung und Un­ter­stüt­zung für die Men­schen ma­chen.

Erneut für die Wahl tritt Hubert Grönert an, der 77-jährige Senior gehörte dem Pfarrgemeinderat Kreuzwertheim bereits vier Jahre an. Er studiert aktuell Archäologie und Altorientalistik unter anderem mit dem Nebenfach katholische Theologie an der Universität Würzburg. Er verwies auf vielfältige Probleme der katholischen Weltkirche. Beispielhaft zählte er auf: »Zurückgehender Gottesdienstbesuch, Kirchenaustritte, Missbrauchsskandal, die Unbeweglichkeit der Kirche aus tausend Gründen, zum Beispiel beim Frauenpriestertum, und die fehlenden Pfarrer

Kopf nicht in den Sand stecken

Das Priesterseminar in Würzburg sei einst für 150 Priesterkandidaten ausgelegt gewesen. »Zuletzt waren es nur noch wenige, so dass es ganz geschlossen wurde.« Dies alles sei aber kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. »Es muss unheimlich viel getan werden, dafür müssen alle mitarbeiten«, erklärt er seine Motivation für eine erneute Kandidatur. Die Weltkirche könne man als Pfarrgemeinderat nicht reformieren, aber man könne vieles vor Ort tun. Dazu gehöre, auf die Menschen zuzugehen und Angebote wie Krankenbesuche wieder zu beleben, sobald es die pandemische Situation zulasse.

Weiterhin sollen Veranstaltungen organisiert, gemeinsame Erlebnisse wie Wallfahrten angeboten und das Kirchenkaffee nach Gottesdiensten wieder gestartet werden. Außerdem setzt er sich dafür ein, Vortragsangebote nicht nur zu religiösen, sondern auch zu anderen Themen wie Soziales anzubieten, die für die Gemeindemitglieder wichtig seien. Er wolle so einerseits wieder mehr Menschen in die Gottesdienste holen und andererseits weitere Angebote schaffen. So könne man Mitglieder interessieren und halten. Sein Zukunftsblick auf die katholische Kirche insgesamt sei realistisch gesehen sehr mau. »Dem möchte ich hier vor Ort entgegenwirken.«

Das erste Mal für das kirchliche Amt kandidiert die 40-jährige Jana Reinke. Die Lehrerin an der der Grundschule Wertheim unterrichtet auch katholische Religion. Sie sei von einem Pfarrgemeinderatsmitglied angesprochen worden, ob sie kandidieren möchte. »Wir sind als Familie schon immer kirchlich aktiv«, berichtet sie. Sie selbst sei im Kirchenzentrum Wartberg beispielsweise in der Bücherei und den Kindergottesdiensten engagiert gewesen. Ihr Mann war Mitglied im Pfarrgemeinderat Wertheim. In Kreuzwertheim hat Reinke die Kinderkirche mitgestaltet.

Kirche zu Menschen bringen

Sie sei Christin aus Überzeugung, betont sie. »Aktuell kann man es jedoch kaum vertreten, in der katholischen Kirche ein Amt zu übernehmen.« Dass sie dennoch kandidiert, erklärt sie so: »Ich mache das Amt nicht für die Weltkirche, sondern für den Ort Kreuzwertheim.« Sie wolle sich in ihrem Wohnort engagieren, und die Kirchengemeinde sei der richtige Ort dafür. Sie wolle diese mitgestalten und selbst erfahren, was möglich sei. Wichtige Schwerpunkte für sie seien die Ökumene, die Jugendarbeit sowie die Anerkennung queerer Menschen. »Mein Ziel ist es, die Kirche zu den Menschen zu bringen, und dem Nachwuchs eine Heimat zu geben.« Ihr Blick für die Zukunft der Kirche vor Ort sei hoffnungsvoll. »Ich möchte die Leute spüren lassen, dass es im Glauben gute Sachen gibt.« Dies sei unabhängig von der jeweiligen Religion.

Hintergrund: Wahl von Gemeindeteam und Pfarrgemeinderat

Die katholische Pfarreiengemeinschaft Haseltal-Himmelreich umfasst die katholischen Kirchengemeinden Kreuzwertheim, Hasloch, Röttbach, Schollbrunn, Unterwittbach und Wiebelbach. Ihr gehören insgesamt rund 2400 Kirchenmitglieder an. In der Kirchengemeinde Kreuzwertheim (ohne Ortsteile) gibt es etwa 900 Gemeindemitglieder.

Durch die Schaffung der pastoralen Räume gibt es eine Änderung bei den Gremien. Bisher hatte jede Gemeinde einen Pfarrgemeinderat. Nun werden für die Gemeinden Gemeindeteams gewählt. Diese entsenden Vertreter für den Pfarrgemeinderat, der nun auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft angesiedelt ist. Wie Pfarrer Dieter Hammer erklärte, ändert sich für die praktische Arbeitsweise in der Pfarreiengemeinschaft Haseltal-Himmelreich dadurch nichts. Die Räte der einzelnen Gemeinden in der Pfarreiengemeinschaft trafen sich auch früher schon, um gemeinsam zu arbeiten.

Das Gemeindeteam in Kreuzwertheim wird aus sieben Mitgliedern bestehen. Pfarrer Dieter Hammer freute sich, dass sich für alle Sitze Kandidaten gefunden haben. Es sind sechs Frauen und ein Mann. Die Altersspanne der Kandidaten reiche von etwa 30 bis über 70 Jahren. Gewählt wird das Gemeindeteam in allgemeiner Briefwahl bis zum 20. März. Jedes Gemeindeteam entsendet einen Vertreter in den Pfarrgemeinderat auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft.

Aufgaben des Gemeindeteams sind unter anderem die Organisation von Veranstaltungen sowie von Aktionen vor Ort, zum Beispiel der Sternsingeraktion, sowie die Organisation von Vortragsabenden. Im Pfarrgemeinderat erfolgt die Koordination der gemeindeübergreifenden Arbeit zum Beispiel die Terminabstimmung zwischen den Gemeinden und die Koordination gemeinsamer Aktionen. Er setzt sich so für die Kooperation der Gemeinden in der Pfarreiengemeinschaft ein. ()

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