Der schwierige Weg weg von der Zigarette - Hilfe im Main-Tauber-Kreis

Suchtberatung im Landkreis hilft bei der Entwöhnung

Wertheim
3 Min.

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Gi­se­la Auth­mann-Bopp hilft Rau­chern da­bei, von ih­rer Sucht nach den Glimm­stän­geln weg­zu­kom­men. Die Sucht­be­ra­te­rin aus Tau­ber­bi­schofs­heim rät da­zu, im­mer ganz mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren.

Trotz abschreckender Bilder auf Zigaretten und Tabakbeuteln ist die Zahl der Raucher in Baden-Württemberg mit 15 Prozent regelmäßigen Rauchern und sieben Prozent Gelegenheitsrauchern im Vergleich zu anderen Bundesländern noch immer hoch, geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage hervor, die die AOK-Baden-Württemberg im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat. Und noch etwas gilt als Alarmzeichen: Das Einstiegsalter der Tabakkonsumenten in Baden-Württemberg liegt bei 90 Prozent der Befragten vor dem 21. Lebensjahr. Positiv sind allerdings zwei andere Entwicklungen, die auch die Tauberbischofsheimer Suchtberaterin Gisela Authmann-Bopp in ihren Rauchfrei-Kursen beobachtet hat: Die Zahl der Raucher insgesamt ist rückläufig und gerade bei jungen Menschen gilt Rauchen als zunehmend "uncool".

Seit zwölf Jahren bietet Gisela Authmann-Bopp in der Suchtberatungsstelle der AGJ in Tauberbischofsheim regelmäßig ein Gruppenangebot für Raucher im Landkreis an, die mit dem Rauchen aufhören wollen. 26 solcher Seminare in der Suchtberatungsstelle oder in Betrieben sind es inzwischen geworden, in denen die Sozialpädagogin mit durchschnittlich acht bis neun Teilnehmer den Versuch unternommen hat, dass möglichst viele Teilnehmer von der Zigarette wegkommen. Authmann-Bopp schätzt, dass etwa 65 bis 70 Prozent der Teilnehmer am Ende der Kurse rauchfrei sind. Wichtig, so die Expertin, sei es aber auf Dauer rauchfrei zu bleiben. Ihren Erfahrungen zufolge, sind es sechs Monate nach dem Rauchfrei-Kurs "knapp unter 50 Prozent" der Teilnehmer, die dann immer noch ohne Zigarette auskommen.

Garantien, von der Zigarette wegzukommen, kann Gisela Authmann-Bopp allerdings keine geben. "Ich kann den Teilnehmern der Kurse lediglich Wege aus der Abhängigkeit aufzeigen", schildert sie ihr Vorgehen. Die Verantwortung, nicht mehr zu rauchen, liege dann aber bei jedem Teilnehmer des Kurses selbst. Wichtig sei immer die persönliche Motivation für einen Rauchstopp. Raucher müssten sich darüber klar werden, warum sie mit dem Tabakkonsum aufhören wollen. "Das Aufhören als erster Schritt ist nicht das Problem bei Suchtlern", entscheidend sei vielmehr, eine "positive Vision" von einem Leben ohne Suchtmittel zu entwickeln, sind Authmann-Bopps Erfahrungen aus langjähriger Suchtberatung. Nur dann sei das Ziel, rauchfrei zu leben, auch erstrebenswert.

Auszeit vom Stress

Ein Grund, warum Menschen rauchen, ist aus ihrer Sicht häufig der Stress. "Für viele Raucher ist die Zigarette die Auszeit von diesem Stress", sind Gisela Authmann-Bopps Erfahrungen. Dass am Arbeitsplatz nicht mehr geraucht werden darf, sei dabei für viele Raucher kein notwendiges Übel, sondern vielmehr eine Chance, dem Stress für einige Minuten zu entgehen. Null-Acht-fünfzehn-Lösungen für die Entwöhnung von der Zigarette gebe es aber keine. Zumal das Suchtverhalten sehr unterschiedlich sein könne. Trotzdem plädiert Gisela Authmann-Bopp in ihren Kursen grundsätzlich für "einen sofortigen Rauchstopp". Auch Ersatzstoffe sind aus ihrer Sicht nicht selten der falsche Weg hin zu einem Leben ohne Glimmstängel. "Auch E-Zigaretten können zu einem Abhängigkeitsverhalten führen", zumal in vielen Substanzen der elektrischen Geräte nikotinhaltige Stoffe enthalten seien.

Das Wissen um die gesundheitlichen Gefahren schütze auch nicht davor, zur Zigarette zu greifen und abhängig zu werden. Oft genug - gerade auch bei jungen Menschen, die viel über die Gefahren des Rauchens wüssten - so die Suchtexpertin, verleite Werbung dazu, zum Glimmstängel zu greifen. Deshalb brauche es ein komplettes Werbeverbot für Tabakwaren in Deutschland, auch als Außenwerbung auf Plakatwänden. Kritisch bewertet sie zudem einen Trend, dass die Zahl der Raucher in Fernsehfilmen in der jüngsten Zeit deutlich zugenommen habe.

Viele ältere Teilnehmer

Viele Teilnehmer der AGJ Rauchfrei-Kurse haben schon eine lange Raucherkarriere hinter sich. "Etwa zwei Drittel der Kursteilnehmer sind älter als 45 Jahre, viele schon über 50 Jahre ", umschreibt sie den Teilnehmerkreis. Gesundheitliche Beschwerden durch das Rauchen sind deshalb der Hauptgrund, warum Menschen in die Rauchfrei-Kurse kommen. Oft werde von Teilnehmern ihr eigenes Rauchen auch als "lästig" empfunden, hat die Sozialpädagogin beobachtet. "Rauchen hat in unserer Gesellschaft mit den Nichtraucherschutzgesetzen eine andere Wertigkeit", seien es vor allem junge Menschen, für die Rauchen als "uncool" gelte. Auch die seit Jahren steigenden Preis für Tabakwaren können ein Auslöser sein, warum sich Menschen im Rauchfrei-Kurs anmelden.

Info: Die Suchtberatungsstelle der AGJ Freiburg, Fachverband für Prävention und Rehabilitation, bietet im März wieder einen Rauchfrei-Kurs an. Eine Informationsveranstaltung zu dem Kurs findet am Montag, 25. Februar, um 17 Uhr in der Suchtberatungsstelle der AGJ in der Schmiederstraße 25 in Tauberbischofsheim statt. Anmeldung zu Infoveranstaltung unter Tel. 0941/897370.

Hintergrund: Hohes Risiko an Krebs zu erkranken

Das Risiko von Rauchern an Krebs zu erkranken, ist besonders hoch, wie es im Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums der Helmholtz-Gemeinschaft heißt. Der Tabakrauch enthalte, so die Suchtexpertin der AOK-Baden-Württemberg, Manuela Pfinder, "mindestens 3500 toxische chemische Substanzen, von denen bereits 55 als krebserzeugend befunden wurden." Aktives und passives Rauchen habe deshalb immense gesundheitliche Risiken, wie etwa an Lungenkrebs zu erkranken. Allein im Main-Tauber-Kreis, so die Zahlen der AOK Heilbronn-Franken, mussten im Jahr 2017 107 AOK-Versicherte behandelt werden, die an Lungenkrebs erkrankt waren. Seit 2013 ist ihre Zahl - mit leichten Schwankungen - um knapp 30 Patienten gestiegen. Nimmt man noch Krebserkrankungen dazu, die im Verdacht stehen, zumindest durch Rauchen begünstigt zu sein, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Krebs der Mundhöhle und des Rachens oder Harnblasenkrebs, dann ergeben sich folgende Fallzahlen: 250 Patienten im Jahr 2017 gegenüber 226 im Jahr 2013. gufi

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