»Das ist jetzt wichtiger denn je«

Wertheim
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Hauptact am Samstagabend bei »Rock gegen Rechts«: Bambix aus Nijmegen spielen hauptsächlich Punk. Foto: Bambix
Foto: Matthias Schätte
David Otte, Organisator von "Rock gegen Rechts"
Foto: Matthias Schätte
Es ist die fünf­te Aufla­ge von »Rock ge­gen Rechts« in Wert­heim - und Da­vid Ot­te ist von Be­ginn an da­bei. »Für mich war im­mer klar, mich an­ti­fa­schis­tisch zu po­si­tio­nie­ren«, sagt der 41 Jah­re al­te Haup­t­or­ga­ni­sa­tor.
Diesen Samstag, 6. Mai, sollen in der Halle 115 sieben Bands mit verschiedenen Musikstilen dem Publikum einheizen. »Es geht nicht darum, ein Konzert für hauptsächlich linkes Publikum zu veranstalten«, sagt Otte. »Wir wollen Jugendliche und junge Leute erreichen, die sich noch kein klares politisches Weltbild angeeignet haben. Wir wollen da nicht irgendeine linksradikale Propaganda betreiben.«
Von Beginn an dabei
Unter den Bands sind bekannte Namen wie die Punkband Bambix aus Nijmegen oder Rapper Chaoze One aus Mannheim. »Bambix waren schon 2001 auf dem Reinhardshof dabei und haben für eine volle Halle gesorgt«, sagt Otte. Der Organisator der ersten Stunde gehörte schon im Jahr 2000 zum Arbeitskreis Halle 115, der das erste »Rock gegen Rechts« veranstaltete. Im Oktober 2001 folgte die zweite Auflage, bei der dritten im Jahr 2008 war die damalige Antifa Main-Tauber Ausrichterin. Auch hier war Otte mit im Boot.
Seine Motivation: »Ich habe persönliche Erfahrungen gemacht als Jugendlicher und junger Erwachsener.« Auch rund um Wertheim habe es eine teils militante Neonaziszene gegeben. »Ich habe mehrfach Erfahrungen mit körperlicher Gewalt gemacht, bin angegriffen worden.« Im nahen persönlichen Umfeld gab es einen Rechtsextremen. »So hatte ich zwangsläufig auch den einen oder anderen Einblick in die Strukturen vor Ort«, sagt Otte.
Ab 2008 war es in Wertheim ruhig um »Rock gegen Rechts« geworden, dann trat im März 2016 der AfD-Politiker Alexander Gauland im Rahmen des Landtagswahlkampfs in Wertheim auf. Zusammen mit dem Verein »Willkomme in Wertheim« veranstaltete Otte unter dem Motto »Herz statt Hetze« das vierte Konzert gegen rechte Politik. 120 Besucher kamen, für Flüchtlinge gab es freien Eintritt.
Verein und Konzertkollektiv
Auch 2017 ist »Willkommen in Wertheim« als Veranstalter dabei, dazu ein Konzertkollektiv mit etwa 20 Mitgliedern. »Völlig unabhängig von Parteien und Organisationen«, betont Organisator Otte: »Wir wollen versuchen, das auch künftig so fortzuführen.« Grundsätzlich von Extremismus will er sich nicht abgrenzen: »Es geht bei uns explizit gegen rechte Gewalt.«
Für den gebürtigen Wertheimer, der heute in Gamburg lebt, ist Musik eine Form von Protest. »Es ist ein wichtiges Mittel, junge Leute politisch zu interessieren und zu informieren.« Der Konzertabend soll nicht nur unterhalten, sondern auch informieren. »Wir werden diverses Infomaterial auslegen, wie die Broschüre ›Recht gegen Rechts‹, die Zahlencodes und Szenekleidung der rechten Szene zeigt.«
»Rock gegen Rechts« sei noch lange kein Auslaufmodell: »Das ist jetzt wichtiger denn je«, ist Otte überzeugt. »Wenn man die gesamtpolitische Situation betrachtet, ist das beängstigend: Ob nun die Türkei, Russland, die USA, Frankreich, die Niederlande oder die AfD in Deutschland.«
Neben Bambix und Chaoze One spielen die Nürnberger Ska-Band »Eskalation«, »Tut das Not« aus Stuttgart bringt Post-Punk auf die Bühne, die Ulmer von »I Saw Daylight« spielen Melodic Hardcore. Lokalmatadore sind die »Crash Kidz« aus Würzburg mit Garage Rock und die Miltenberger »KBF Revolte» mit Trash Rave.
Start um 18.30 Uhr
Einlass ist um 18 Uhr, 18.30 Uhr ist Beginn. Gefeiert wird bis maximal 3 Uhr. »Die Bands spielen bis nach 2 Uhr«, sagt Otte. »Für elf Euro Eintritt gibt es sieben Bands. Wie viele Leute kommen, wissen wir noch nicht, von 80 bis ausverkauft ist alles drin.«
Auch einen Sicherheitsdienst haben die Veranstalter wieder im Einsatz - nicht nur für die Sicherheit innen: »Dass Rechte die Veranstaltung aufmischen wollen, ist nie ganz auszuschließen. In Lohr wurde beispielsweise 2005 ein Punkkonzert im Jugendzentrum von 15 bis 20 Vermummten angegriffen.«
Matthias Schätte
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