Begeisterungsfähigkeit stets weitergegeben

Fest: Promovierter Historiker und pensionierter Studiendirektor Hugo Eckert aus Wertheim wird 90 Jahre alt

Wertheim
4 Min.

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Feiert an diesem Freitag 90. Geburtstag: der promovierte Historiker und pensionierte Studiendirektor Hugo Eckert, hier in seinem Garten am Wartberg mit einem Roadrunner, einem Mitbringsel aus den USA. Petra Folger-Schwab
Foto: Petra Folger-Schwab
Nach dem Krieg kam ein Fotograf nach Gamburg. Auch der ungefähr 15-jährige Hugo Eckert wurde abgelichtet. Repro: Petra Folger-Schwab
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Der pro­mo­vier­te His­to­ri­ker und pen­sio­nier­te Stu­di­en­di­rek­tor Hu­go Eckert wird an die­sem Frei­tag, 1. April, 90 Jah­re alt. Bis 1994 hat­te er 29 Jah­re am Wert­hei­mer Die­trich-Bon­ho­ef­fer-Gym­na­si­um un­ter­rich­tet. Un­ser Me­di­en­haus traf den Ju­bi­lar in sei­nem Haus am Wart­berg, nur zwei Ta­ge nach dem Kriegs­be­ginn in der Ukrai­ne.

»Putin wusste schon vorher, was er machen wollte. Es war zu erwarten, dass er sich die Ukraine einverleiben will«, sagt er spontan dazu.

»Pfundslehrer« als Vorbilder

Wie ein roter Faden zieht sich große Wertschätzung für bestimmte Lehrer durch seine Erinnerungen an die eigene Schulzeit. Viele »Pfundslehrer« waren letztlich Vorbilder für ihn. Die ersten sechs Jahre ging er in seinem Heimatort Gamburg zur Schule. Ab 1944 war er Schüler des Wertheimer Gymnasiums und erlebte dort Fliegeralarme. Am 16. März 1945 zeigte ihm sein Vater den glutroten Horizont mit den Worten: »Würzburg brennt.« Am 1. April 1945, seinem 13. Geburtstag, besetzten amerikanische Soldaten Gamburg. Freundlich seien die Soldaten gewesen, so seine Erinnerung. »Es ist überhaupt kein Schuss gefallen«, berichtet er.

Nach dem Abitur 1952 machte Hugo Eckert zuerst eine Ausbildung zum Postinspektor. Sein Gamburger Klassenkamerad Ernst Henn motivierte ihn zum Studium, das er 1957 begann. Geschichte beschäftigte ihn neben Germanistik und Geografie am meisten, und das sollte auch so bleiben.

Dieses Interesse an seine Schüler weiterzugeben, setzte sich Hugo Eckert zum Ziel. Seine Forschungsergebnisse zu dokumentieren und zu teilen, ist ihm bis heute ein Anliegen.

Pressearbeit für die Schule

Volker Peters und Hugo Eckert sind Freunde. Sie waren mehr als 20 Jahre Kollegen am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Eckert war Fachabteilungsleiter, Personalrat und Verbindungslehrer, hat Schüler- und Lehrerbibliothek auf- und ausgebaut. »Eine Herkulesarbeit«, so der 81-jährige Peters. Eckert sei als Schulfotograf bei allen Anlässen aktiv gewesen und habe die Pressearbeit für die Schule erledigt. Auch die Jahrbücher der Schule habe er mitverfasst.

»Ein in jeder Hinsicht toller, enorm sachkundiger Kollege«, der sich wirkungsvoll und unauffällig für Benachteiligte eingesetzt habe. Die beiden Familien freundeten sich über eine Hilfsaktion nach dem Erdbeben in Kroatien an. Auf Arbeitseinsätze beim Wiederaufbau einer Kirche und eines Klosters auf der Insel Lopud und Urlaubsaufenthalte dort blicken beide Familien gerne zurück.

Eine Art Mentor

Reinhard Lieb, seit 2011 Rektor des Gymnasiums, schätzt Eckerts Expertise und Lebensweisheit sehr. Er sei eine Art Mentor für ihn, so Lieb, Schulchronik und Gedächtnis sei der ältere Kollege für ihn geworden. Inzwischen sei man freundschaftlich verbunden. Lieb würdigt sein Engagement und seine Veröffentlichungen zum Namensgeber der Schule. Zuletzt trafen sich die beiden anlässlich der Vorlage der Forschungsergebnisse zum Wertheimer Gymnasium im Dritten Reich, die im nächsten Jahrbuch des Historischen Vereins erscheinen werden. Jörg Paczkowski hat Hugo Eckert über die Arbeit im Historischen Verein kennengelernt. Gemeinsam habe man sich intensiv mit der Kirche Sankt Venantius beschäftigt. »Ich habe ihn als Mensch erlebt, der detailversessen war, ohne Griffelspitzer zu sein«, so der Kunsthistoriker.

Monika Schaupp leitet den Archivverbund in Bronnbach. In das dortige Stadtarchiv hat der Jubilar nach und nach über 140 Ordner, Mappen und Schriftstücke als Vorlass gegeben, den Anna Berger verwaltet.

An den Veröffentlichungen zum Jüdischen Friedhof in Wertheim lasse sich exemplarisch seine Arbeit als Lehrer und Historiker aufzeigen, so die Leiterin. Eckert habe ein ehrliches Interesse an Menschen und die Begeisterung für seine Themen weitergegeben.

Anspruchsvolle Geschichts-AGs

Das bestätigt Sven Gläser, der als Schüler 1989/90 und 1990/91 an den Geschichts-Arbeitsgemeinschaften Eckerts zum Jüdischen Friedhof und zu Stalingrad teilgenommen hat. »In Deutsch hat er bei mir das Interesse für Literatur und Poesie geweckt«, erinnert sich der 46-jährige promovierte Jurist. In der Geschichts-AG sei anspruchsvoll und wissenschaftlich, auch im Archiv, gearbeitet worden. Genau hat er noch den Zeitzeugen vor Augen, der eindrucksvoll von den Kämpfen in Stalingrad und der Kriegsgefangenschaft berichtete.

Er denke heute noch an seinen Lehrer, wenn er ein schönes Gedicht lese oder sich mit Geschichte beschäftige. »Er hat die Saat gelegt«, so Gläser.

Hugo Eckert hat mit seiner Frau Traudl viele Länder und Kontinente bereist. Besonderes Augenmerk ging in Richtung Sudetenland, der Heimat von Traudl Eckert, aus der sie als Sechsjährige mit ihrer Familie vertrieben wurde. Sie war es auch, die ihn zurück nach Gamburg führte. Als Medizinisch-Technische Assistentin arbeitete sie in der Praxis ihres Vaters und war dadurch ortsgebunden.

Heimliche Verlobung

Nach heimlicher Verlobung auf dem Würzburger Käppele haben sie 1962 geheiratet und eine Familie gegründet. Die Anstellung am Gymnasium in Wertheim führte 1970 zum Umzug auf den Wartberg. Dort engagierte sich Eckert für das Ökumenische Kirchenzentrum, die Spätaussiedler und die Kriegsflüchtlinge.

Volleyball und Tennis zählten zu Eckerts erfolgreich betriebenen Sportarten, später auch Golf. Heute macht er bei fast jedem Wetter einen kleinen Spaziergang zur Dorfkirche.

Er liest regelmäßig die Tageszeitung, auch die Bibel und Literatur über Dietrich Bonhoeffer nimmt er häufig zur Hand.

Hugo Eckert schließt sich der Maxime des italienischen Schriftstellers Cesare Pavese an: »Es ist schön zu leben, weil Leben anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.«

Hintergrund

Zur Person: Hugo Eckert

Der bekennende Katholik Hugo Eckert kam am 1. April 1932 auf die Welt. Sein Vater Alois arbeitete ursprünglich als Müllermeister in der Gamburger Eckertsmühle, nach einer Kriegsverletzung als Posthalter des Dorfs. Als mittlerer von drei Brüdern wuchs Hugo Eckert in Gamburg auf. Nach dem Abitur 1952 in Wertheim machte er zuerst eine Ausbildung zum Postinspektor. Mit dem Ziel, Gymnasiallehrer zu werden, studierte er ab 1957 die Fächer Geschichte, Germanistik und Geographie in Würzburg, Tübingen und Heidelberg. Nach seiner Promotion über die Entstehung der Arbeiterbewegung in Nürnberg absolvierte er sein Referendariat in Wiesloch und kam 1965 ans Wertheimer Gymnasium. Dort unterrichtete Hugo Eckert bis 1994. Nach 29 Jahren ging der Studiendirektor auf eigenen Wunsch mit 62 Jahren in den Ruhestand.

Hugo Eckert und seine Frau Traudl feiern im Juli 2022 eiserne Hochzeit. "Sie hat mir immer den Rücken freigehalten", sagt der Jubilar. Sie habe ihn mit allen Kräften unterstützt, wofür er ihr sehr dankbar sei. 1970 zog die Familie mit den beiden Kindern von Gamburg ins Eigenheim auf dem Wartberg. Sohn Volker starb plötzlich 1982 mit erst 15 Jahren an Gehirnhautentzündung und Sepsis. Momentan lebt das Ehepaar überwiegend bei Tochter Dorothea Blessing, die auch Lehrerin geworden ist, in Eckental bei Nürnberg.

Zahllose Veröffentlichungen des Historikers, Aufsätze, Vorträge und Bücher, Forschungen zu historischen und kirchengeschichtlichen Themen haben Hugo Eckert über Wertheim hinaus bekannt gemacht. Themen, wie Ökumene, Heimat, Krieg, Flucht und Vertreibung, Dietrich Bonhoeffer, der Jüdische Friedhof und die Kirche Sankt Venantius liegen ihm besonders am Herzen. 2016 veröffentlichte er ein über 400 Seiten starkes, viel beachtetes Buch über Geschichte, Kunst und theologisches Programm dieser Kirche. (pefs)

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