Forschung im Main-Tauber-Kreis: Beeinflussen Erdkabel die Landwirtschaft?

Betreiber Transnet baut mehrere Versuchsstandorte auf

Main-Tauber-Kreis
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Foto: Gunter Fritsch
Foto: Gunter Fritsch
Ei­ner der Be­t­rei­ber der künf­ti­gen Stark­strom­tras­se Süd­link, das Stutt­gar­ter Un­ter­neh­men Trans­net Ba­den-Würt­tem­berg, und die Uni­ver­si­tät Ho­hen­heim wol­len in meh­re­ren Feld­ver­su­chen her­aus­fin­den, ob und wie sich die land­wirt­schaft­li­che Ve­ge­ta­ti­on in der Um­ge­bung von Erd­ka­beln ve­r­än­dert, durch die Gleich­strom fließt. Ei­ner der Ver­suchs­stand­or­te be­fin­det sich in Großrin­der­feld im Main-Tau­ber-Kreis, wo das Ver­suchs­feld der­zeit auf den rund 0,6 Hektar gro­ßen Grund­stü­cken des Großrin­der­fel­der Land­wirts Hel­mut Ban­zer auf­ge­baut wird.

Abschließende Ergebnisse der insgesamt vier Feldversuche soll es spätestens in vier bis fünf Jahren geben, berichtete Alexander Schade von der Universität Hohenheim am Freitag vor Ort. Der Doktorand begleitet zusammen mit seinem Kollegen Jonas Trenz das Projekt wissenschaftlich, das mit einem "einstelligen Millionenbetrag" finanziert werde, wie Karl Wieland, Agraringenieur bei Transnet, bezifferte. Die Kosten der wissenschaftlichen Begleitung finanziere das Land Baden-Württemberg, legte Schade Wert auf die Feststellung, dass es sich um "keine Auftragsarbeit" für Transnet handele.

Neben dem Standort Großrinderfeld gibt es mit Güntersleben (Kreis Würzburg) und Boxberg (Kreis Main-Tauber) in der Region weitere landwirtschaftliche Flächen, auf denen in den kommenden Monaten Feldversuche anlaufen werden, wie Wieland in Großrinderfeld erläuterte. Auf den Untersuchungsflächen von jeweils etwa 0,6 Hektar - etwa die Fläche eines Fußballfeldes - sollen über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich die im Erdreich befindlichen Stromkabel mit ihrer Wärmeentwicklung auf die landwirtschaftliche Fruchtfolge und die Böden auswirken.

Drei Versuchsgräben

Hergestellt werden für die Wissenschaftler der Universität Hohenheim insgesamt drei Versuchsgräben, die in Großrinderfeld vom Bauunternehmen Leonhard Weiss AG ausgeführt werden. In zwei dieser Gräber simulieren die Wissenschaftler Erdkabel, welche Wärme an den Untergrund abgeben. Im dritten Graben sollen die Auswirkungen ohne Wärmezufuhr erfasst werden auf den durch das Aufgraben und Wiederbefüllen veränderten Boden. Auch das Bettungsmaterial und die Verfestigung des Bodens beim Verfüllen der Gräben werden in den Versuchen untersucht.

Wie Transnet-Ingenieur Wieland weiter erläuterte, ziele das wissenschaftliche Forschungsprojekt unabhängig von der Südlink-Trasse darauf, allgemein Erkenntnisse über die Auswirkungen von Erdstromkabel auf Böden und landwirtschaftliche Vegetation zu erhalten. Am Standort Großrinderfeld wolle man bis Pfingsten so weit sein, dass die Versuchsreihe beginnen könne. Er geht dann davon aus, dass auf den Feldern dann auch der Anbau von Feldfrüchten oder Getreide wieder beginnen werde.

Stefan Fröber, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Main-Tauber-Kreis und selbst Landwirt im Wertheimer Ortsteil Waldenhausen, erinnerte gegenüber dieser Redaktion daran, dass die Landwirtschaft immer darauf gedrängt habe, dass es solche Versuche auf den Feldern geben müsse, bevor die eigentliche Stromtrasse verlegt werde.

Er befürwortete auch mehrere Standorte im Landkreis, an denen die Auswirkungen der Wärmeentwicklung auf Boden und Fruchtfolge untersucht werden sollen. So gebe es auch im Main-Tauber-Kreis etwa unterschiedliche Bodengüten und Bodenzusammensetzungen, auf denen sich die Verlegung von Erdkabeln und die damit verbundene Erwärmung unterschiedlich auswirke, machte er deutlich.

Bauernverband für Entschädigungen

Fröber geht davon aus, dass es nach Einbringung der simulierten Erdkabel etwa ein Jahr dauern werde, bis sich die Bodenzusammensetzung und die Fruchtfolge so weit regeneriert haben, dass die Versuche die Ausgangssituation auf den Felder auch wirklich abbilden. Im Ergebnis müssten die Landwirte und die Grundstücksbesitzer, über deren Felder die Leitungen verlaufen, Entschädigungen erhalten, so der Bauernverband.

Hintergrund: Windstrom von Nord nach Süd

Südlink ist der Name für eine Gleichstrom-Erdkabelverbindung, die aus Windenergie gewonnenen Strom aus den windreichen Regionen Norddeutschlands nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren soll. Die Verbindung wird von den beiden Übertragungsnetzbetreibern Tennet und Transnet Baden-Württemberg verwirklicht. Die Stromverbindungstrasse Südlink besteht aus zwei Strängen und wird in Wilster und Brunsbüttel beginnen. Endknoten der Verbindung sind die Netzknoten im unterfränkischen Bergrheinfeld bei Schweinfurt und in Großgartach, einem Stadtteil von Leingarten bei Heilbronn. Beide Vorhaben werden über weite Abschnitte parallel geplant und verlegt werden. Der Übertragungsnetzbetreiber Transnet hat für den südlichen Abschnitt der Windstromleitung Südlink zwischen Großrinderfeld (Main-Tauber-Kreis) und Leingarten (Kreis Heilbronn) bereits Anfang Oktober vergangenen Jahres ein Planfestellungsverfahren bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Zuvor hatte die Behörde einen 1000 Meter breiten Korridor für diesen Abschnitt festgelegt, in dem die Südlink-Trasse künftig verlaufen soll. Die Gemeinden Güntersleben (Kreis Würzburg) und Großrinderfeld (Kreis Main-Tauber) befinden sich innerhalb dieses Korridors, ebenso wie die Stadt Boxberg (Kreis Main-Tauber), in denen die Feldversuche über den Einfluss der Starkstromtrasse auf landwirtschaftliche Flächen ermittelt werden sollen. gufi

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