Jeunesses Musicales Deutschland: 66 junge Musiker üben gemeinsam in Schloss Weikersheim

Konzert in Bronnbach

Weikersheim
3 Min.

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Josephina Imhoff sorgt als Kursleiterin dafür, dass es allen gut geht.
Foto: Peter Riffenach
Spielfreude, Ehrgeiz und Engagement sind bei allen Teilnehmern am Kurs für Kammermusik bei der Jeneusses Musicales im Schloss Weikersheim zu spüren.
Foto: Peter Riffenach
»Kam­mer­mu­sik er­le­ben«: Das be­deu­tet all­jähr­lich für jun­ge Künst­le­rin­nen und Künst­ler: raus aus dem Übe-Käm­mer­lein und hin­ein ins Ge­mein­schafts­vergnü­gen, mit an­de­ren in un­ter­schied­li­chen, teils au­ßer­ge­wöhn­li­chen En­sem­b­les Mu­sik zu ma­chen, die vom Kla­vier­trio bis zum Fa­gott-Ok­tett rei­chen kön­nen. Auch in die­sem Jahr ka­men wie­der vie­le jun­ge Mu­si­ke­rin­nen zwi­schen 14 und 23 Jah­ren, dar­un­ter vie­le Preis­trä­ger des Mu­sik­wett­be­werbs »Ju­gend mu­si­ziert«, zur Jeu­nes­ses Mu­si­ca­les Deut­sch­land (JMD) ins Sch­loss Wei­kers­heim, um in herr­schaft­li­cher At­mo­sphä­re mit an­de­ren zu­sam­men zu spie­len.

»Wir hatten dieses Mal ungewöhnlich viele Anmeldungen«, sagt die Leiterin des Organisationsteams, Josephina Imhoff, die dadurch in ein Dilemma kam. Einerseits freut sie sich über 80 Anmeldungen, anderseits bedauert sie: »Dadurch kamen wir in die unangenehme Situation, dass wir seit ewigen Zeiten zum ersten Mal einigen Angemeldeten absagen mussten, weil der Kurs einfach nicht geeignet ist für so viele Teilnehmende. Mehr als 66 können wir beim besten Willen nicht unterbringen«, sagt die 27-Jährige, die selbst 2012 als Teilnehmerin mit dem Kurs in Verbindung gekommen ist.

Dadurch, dass die »Wiederholungstäter« bei der Platzvergabe bevorzugt wurden, liegt die Zahl der Neulinge bei maximal 15, sagt Imhoff, die im »normalen Leben« Mathematik in Berlin studiert und »total gerne organisiert«. »Es ist zwar anstrengend, aber es macht viel Spaß zusammen mit meiner Kollegin und meinem Kollegen Ansprechpartnerin für alles vom aufgeschlagenen Knie bis zum Heimweh zu sein«, sagt sie auf dem Weg zum Gewehrhaus, wo die Proben in vollem Gang sind. Die Internationalität ist auch pandemiebedingt nicht ganz so hoch wie in den Jahren zuvor. »Aber wir haben je einen Teilnehmer aus der Schweiz und den USA sowie zwei, die vor kurzem von den USA nach Deutschland gezogen sind.«

»Wirklich ein super Niveau«, lobt Dozent Dietmar Flosdorf der mit vier Teilnehmerinnen und Teilnehmern das »Klavierquartett Nr.1 g-moll op. 25« von Johannes Brahms einstudiert. »Allerdings klingt mir das alles noch etwas gestresst«, kritisiert er und mahnt »etwas mehr Leichtigkeit« an. Immer wieder mischt er sich ein, wobei er nicht als »Lehrmeister« auftritt, sondern den Teilnehmenden mit Bildern verdeutlicht, wie man dem Werk vielleicht etwas mehr Strahlkraft verleihen kann. »Denk an dieser Stelle nicht an einen Mann mit Vollbart und Zigarre, sondern lieber an eine Elfe«, rät er der Pianistin - und tatsächlich - es funktioniert.

Und auch Rudolf Ramming, der im Erdgeschoss ebenfalls ein Klavierquartett, und zwar das in »a-moll op. 1« von Josef Suk, anleitet, ist alles andere als der strenge Lehrmeister. »Die Slawen haben etwas mehr Zeit«, mahnt er, als es seiner Ansicht nach etwas zu schnell wird. Oder eine Passage klingt ihm zu sehr nach »fröhlicher Landpartie in den 50er-Jahren«. »Probiert doch mal etwas anderes, dann klingt es vielleicht ganz anders. Ist nur eine Idee«, schlägt er vor und gesteht: »Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau.«

Deutlich spürbar ist, dass die Dozenten unheimlich beeindruckt sind von dem Einsatz und Engagement der Jungmusiker, die schließlich für den Kurs auf einen Teil ihrer Schul- oder Semesterferien verzichten. Umgekehrt sind die Teilnehmenden aber auch immer begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen in Weikersheim geboten werden.

»Neben der normalen Arbeit in den Ensembles bieten die Dozenten den Musikerinnen auch die Möglichkeit zum Einzelunterricht«, erklärt die Kursleiterin. Und vor allem freuen sich alle auf die insgesamt vier Abschlusskonzerte, wobei das Ambiente und die besondere Atmosphäre in Kloster Bronnbach ihnen besonders gefällt, wie »Wiederholungstäter« einmütig erklären. »Die Möglichkeiten, im Kreuzgang, der Klosterkirche oder im Josephsaal aufzutreten sind schon besonders«, sagt eine Teilnehmerin.

Höhepunkt und Abschluss des Kurses ist das Wandelkonzert am Samstag, 14. August, ab 12 Uhr. Es beginnt im Kreuzgang, um 14 Uhr geht es in die Kirche und gegen 16 Uhr in den Josephsaal. Das Konzert ist frei, aber die Besucher müssen den normalen Eintrittspreis für die Klosteranlage entrichten.

Hintergrund: Die Dozenten

Nachstehende namhafte Musiker haben in den zurückliegenden zwölf Tagen die Musikerinnen und Musiker betreut und auf die drei Abschlusskonzerte vorbereitet:

Tanja Conrad (Münchner Kammersolisten, Münchner Rundfunkorchester) - Violine, Dietmar Flosdorf (UfMdK Wien) - Viola, Cornelius Hummel (HfMT Hamburg, HfM Mainz) - Violoncello, Thomas Biermann (Philharmonisches Orchester Lübeck) - Flöte, Birgit Schmieder (Universität der Künste Berlin) - Oboe, Bettina Aust (Augsburger Philharmoniker) - Klarinette, Nikolaus Maler (Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz) - Fagott, Hartmut Welpmann (Bielefelder Philharmoniker) - Horn und Rudolf Ramming (HfM Würzburg) - Klavier. riff

Hintergrund: Stimmen zum Kammermusikkurs

Hanna Arold (16) aus Miltenberg: "Ich bekomme seit neun Jahren Hornunterricht an der Musikschule. Eigentlich wollte ich unbedingt Querflöte lernen. Aber nachdem ich das Horn zum ersten Mal in der Hand hatte, habe ich es nicht mehr weggelegt. Der Hauptgrund, weshalb ich immer wieder hierher komme, ist die sehr familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, mit anderen im Ensemble zusammen zu spielen."

Isabela Puntes Gerba (17) aus Würzburg: "Ich spiele Cello seit zwölf Jahren und seit einiger Zeit auch Klavier. An dem Kurs nehme ich zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal teil. Ich wurde in der Musikschule darauf aufmerksam gemacht und habe mich spontan angemeldet. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Ich habe schon mehrere Kurse besucht, aber so eine tolle Gemeinschaft wie hier habe ich bislang noch nie erlebt."

Robert Schlotter (14) aus Würzburg: "Ich spiele seit neun oder zehn Jahren Cello und in letzter Zeit auch Schlagzeug und Klavier. Mein Vater, der hier als Dozent dabei ist, hat mich auf den Kurs aufmerksam gemacht und ich habe es nicht bereut, dass ich mich angemeldet habe. Besonders freut mich, dass ich bei den anstehenden Konzerten nicht nur als Cellist, sondern in einem Ensemble auch als Percussionist mitspielen werde."

Dozentin Tanja Conrad (36) aus München: "Nach 16 Monaten Corona-Zwangspause ist es schön, dass sich jetzt wieder etwas tut, auch wenn die Flut der Projekte manchmal fast schon wieder zu viel ist. Eigentlich sollte ich bei dem Kurs vier Ensembles betreuen, aber es haben sich spontan zwei weitere gebildet, was ich sehr schön finde, auch wenn es Mehrarbeit bedeutet. Besonders gefällt mir hier die wirklich tolle Gemeinschaft." riff

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