Kassenschlager: CO2-Ampeln von Wertheimer Firma TFA Dostmann

Unternehmen

Wertheim
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Diese Geräte zeigen die Konzentration von CO2 in der Raumluft an. Beim Reicholzheimer Anbieter TFA waren sie im Winter stark gefragt.
Foto: Matthias Schätte
TFA erzeugt jetzt Strom für den Eigenbedarf.
Foto: TFA/Annette Webersinke
Das Co­ro­na-Vi­rus ver­b­rei­tet sich be­son­ders durch Ae­ro­so­le in In­nen­räu­men. Ein Mit­tel ist Lüf­ten, und CO2-Am­peln si­g­na­li­sie­ren, wann der rich­ti­ge Zeit­punkt ist. Auch der Rei­c­holz­hei­mer Un­ter­neh­mer Axel Dost­mann er­leb­te im ver­gan­ge­nen Win­ter ei­nen An­s­turm auf sei­ne Ge­rä­te.

Der Hype hat nachgelassen, sagt Dostmann heute. Für den nächsten Winter ist er vorbereitet.

Es gab eine Zeit, da standen die Telefone der Firma TFA Dostmann in Reicholzheim kaum still: Nachdem eine Studie der TU Berlin den Zusammenhang von Virenausbreitung und Aerosolen in der Raumluft belegt hatte, wurde das Lüften zum Viruskiller Nummer 1 erklärt. Dostmanns CO2-Ampel, die vorher ein Nischendasein führte und eher dazu geeignet war, ein Einnicken im schlecht belüfteten Konferenzraum zu verhindern, wurde zum Produkt der Stunde.

Ein Vielfaches der möglichen Produktionsmenge hätte er verkaufen können, sagt Dostmann im Gespräch mit unserer Redaktion im vergangenen November, als er die Geräte schnellstmöglich vom Hersteller in Taiwan einfliegen ließ.

Weil die Preise in die Höhe schossen, bekam die Firma auch den Frust von Kunden zu spüren, obwohl sie gar nicht an den Endkunden verkauft und auf die Preisgestaltung der belieferten Baumärkte, Einzelhändler oder Online-Shops keinen Einfluss hat.

Nachfrage stark gesunken

Mit dem Frühjahr und Sommer und sinkenden Infektionszahlen ist die Nachfrage wieder stark gesunken. »Im Moment haben wir keine verstärkte Nachfrage«, sagt Dostmann.

Auch gebe es mittlerweile mehr Anbieter auf dem Markt. Man müsse aber genau hinschauen, wie die Geräte messen, sagt Dostmann. Seine Firma setzt auf sehr präzise Geräte, die aber teurer sind als solche mit einfacher Messtechnik. Ob zum Herbst hin wieder ein Run auf die CO2-Ampeln einsetzt, weiß der Geschäftsführer der Firma mit 115 Mitarbeitern nicht.

Viele Schulträger in Deutschland überlegen derzeit, wie sie nach den Sommerferien sicheren Schulunterricht in Innenräumen gewährleisten können. Es gibt mehrere Förderprogramme für Filteranlagen und Luftwäscher. Einige Studien belegen deren Wirksamkeit, andere ziehen die Effektivität der teuren Anlagen in Zweifel und empfehlen Lüften als bessere Alternative.

Genug Geräte im Lager

Ob bis zum Ende der Sommerferien die Nachfrage nach CO2-Ampeln wieder anzieht, kann Dostmann entspannt abwarten: »Wir werden sehen«, meint der Geschäftsführer, der die Lagerbestände aufgestockt hat und keine Lieferschwierigkeiten wie im vergangenen Jahr befürchtet.

Fehlende Elektronikbauteile

Trotzdem hat er wie auch viele andere Firmen Sorgenfalten ob fehlender Elektronikbauteile für seine Produkte, egal ob nun Luftmessgerät, Wetterstation oder Thermometer. »Selbst die einfachsten Mikrochips zu bekommen, ist derzeit eine Herausforderung«, so Dostmann. »Eine Situation wie jetzt habe ich in 30 Jahren als Geschäftsführer noch nicht erlebt.«

Hintergrund: Firma setzt auf Photovoltaik

Eigenbedarf durch Sonnenenergie decken: Die Reicholzheimer Firma TFA Dostmann hat kürzlich eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Firmengebäudes in Betrieb genommen - 400 Hochleistungs-Solarmodule, die etwa 800 Quadratmeter Dachfläche bedecken und durch eine regionale Firma installiert wurden.

Nach Firmenangaben hat die Anlage eine Leistung von 148 kWp (Kilowatt Peak). Das Unternehmen kann künftig etwa 100.000 Kilowattstunden des Solarstroms selbst nutzen, die übrigen 50.000 Kilowattstunden werden ins Netz eingespeist. TFA decke damit etwa 40 Prozent des Stromverbrauchs am Standort in Reicholzheim regenerativ ab und emittiere dadurch etwa 70 Tonnen weniger Kohlendioxis im Jahr. "Wir sind uns sicher, dass nachhaltiges Wirtschaften der richtige Weg ist und von unseren Handelspartnern und Kunden auch geschätzt wird", wird Axel Dostmann, Geschäftsführer des 1964 gegründeten Familienunternehmens mit 115 Mitarbeitern, in der Mitteilung zitiert.

Dostmann denkt darüber nach, sich einen elektrischen Lastwagen anzuschaffen, wenn der alte ersetzt werden muss. "Für die Kurzstrecken, die wir in der Region fahren, ist das ideal", sagt Dostmann gegenüber unserer Redaktion. Mehr als 100 Tageskilometer kämen beim Pendeln zwischen den Standorten Reicholzheim und Reinhardshof sowie der Belieferung von Heimarbeitern mit Material nicht zusammen. Mit einem in der Firma bereits eingesetzten E-Auto habe man gute Erfahrungen gemacht.

Dostmann setzt verstärkt auf das Thema Nachhaltigkeit: Zum Katalog mit etwa 1000 Produkten gehören nicht nur Wetterstationen und Messgeräte, sondern auch Trinkhalme aus Glas. Bei der Verpackung wird der Einsatz von Kunststoffen zugunsten von Papier reduziert. (scm)

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!