Wertheim entdecken: Auf den Spuren jüdischen Lebens

Vieles in der Stadt erinnert noch an die Gemeinschaft von früher - Teil 11 der Serie

Wertheim
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Erinnerung an die Familie Lina Klaus in der Maingasse.
Foto: Birger-Daniel Grein
Der Umriss von Mikwe und Synagoge ist am Neuplatz zu sehen.
Foto: Birger-Daniel Grein
Jahr­hun­der­te­lang gab es ein ak­ti­ves jü­di­sches Le­ben in Wert­heim. Da­von sind noch heu­te zahl­rei­che Spu­ren zu fin­den. Wir ha­ben uns auf Ent­de­ckungs­tour be­ge­ben.

In der Main-Tauber-Stadt gab es seit dem frühesten 13. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Die jüdischen Mitbürger lebten vor allem in der heutigen Gerbergasse sowie der heutigen Kapellengasse. Anstelle der heute in der Kapellengasse stehenden Marienkapelle gab es früher dort eine Synagoge. Es gab dort auch ein rituelles Bad (Mikwe). Die Synagoge in der Kapellengasse wurde 1447 zerstört.

Auch in der Nähe des Spitzen Turms, auf dem Neuplatz, befand sich zeitweise eine Synagoge mit rituellem Bad. 1938 wurde die dortige Synagoge verwüstet. In den 1960er-Jahren wurde sie dann abgerissen und das rituelle Bad zugeschüttet. Auf dem Neuplatz zeigen Umrahmungen aus farbigen Steinen auf dem Boden, wo sich einst Synagoge und rituelles Bad befanden. An der Stadtmauer beim Neuplatz findet sich - etwas versteckt - eine Gedenktafel für die jüdischen Menschen.

Fassade mit Symbolen

Auch die Wertheimer Juden waren immer wieder Verfolgungen ausgesetzt, vor allem im Zweiten Weltkrieg. 1940 wurden viele in der Stadt lebende Juden in ein Konzentrationslager gebracht. Zu dieser Zeit wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst. Neben der Gedenktafel an der Stadtmauer gibt es aber noch immer viele Spuren, die an die Wertheimer Juden erinnern. In der Maingasse findet sich ein Haus, dessen Fassade mit jüdischen Symbolen verziert wurde. Auf ihm ist unter anderem eine Schriftrolle mit dem Text "Shalom" zu sehen. Shalom heißt Frieden und ist auch ein hebräischer Gruß. An der Stelle des heutigen Gebäudes stand früher das Haus von Lina Klaus. Die jüdische Familie Klaus lebte darin, bis sie bei der Judenverfolgung während des Zweiten Weltkriegs umkam. Die Gestaltung des Hauses erinnert an die Familie und ihr Schicksal.

Wer auf den Wegen genau hinschaut, der findet in der Kernstadt, aber auch in den Stadt- und Ortsteilen von Wertheim sogenannte Stolpersteine. Dies sind kleine Metallplaketten mit einem Namen und einigen Informationen über das Leben und den Tod von Wertheimer Bürgern, die durch Verfolgung umkamen. Viele von ihnen waren Juden, andere wurden aus anderen Gründen verfolgt.

Der Friedhof

Etwas außerhalb der Altstadt liegt der jüdische Friedhof. Er ist einer der ältesten jüdischen Friedhöfe in Baden-Württemberg. Angelegt wurde er schon 1406. Auf ihm finden sich unter anderem 72 Grabsteine aus dem 15. Jahrhundert. 1714 wurde er vergrößert. Um den Friedhof zu finden, muss man dem Gehweg neben der Landstraße Richtung Wertheim-Eichel folgen. Man kommt dabei zu einer Brücke. Am Weg, der dort nach oben führt, ist rechts das Tor zum Friedhof. Auf solchen jüdischen Friedhöfen gelten besondere Regeln für die Besucher. Jungen und Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen. Außerdem dürfen jüdische Friedhöfe am Sabbat von Freitagabend bis Samstagabend sowie an jüdischen Feiertagen nicht besucht werden.

Aktuell kann der Friedhof in Wertheim nicht begangen werden. Der Gemeinderat hatte vergangenes Jahr der Wege- und Geländersanierung zugestimmt, die zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit notwendig ist. Voraussichtlich ab Mitte dieses Jahres soll der jüdische Friedhof wieder durch geführte Besuchergruppen begangen werden können.

Viele interessante Ausstellungsstücke und Informationen zum jüdischen Leben in Wertheim gibt es außerdem in einer Ausstellung im Grafschaftsmseum Wertheim.

Info: Im zwölften Teil der Reihe "Wertheim entdecken" geht es um einige weitere besondere Plätze und Bauwerke. Ab Teil 13 begeben wir uns auf das Wertheimer Wahrzeichen, die Burg hoch über der Stadt. Alle Teile unter https://www.main-echo.de

Hintergrund: Das rituelle jüdische Bad

Das jüdische Bad wird Mikwe genannt. Das Wort stammt aus dem Hebräischen und bedeutet "zusammenfließen".

Die Mikwe bezeichnet im Judentum ein Tauchbad. Die Menschen tauchen in dem Wasser unter, um rituelle Reinheit zu erlangen. Die dadurch erreichte Hygiene war früher ein gesundheitlich positiver Nebeneffekt.

Eine Mikwe muss sieben Stufen haben, die hinab ins Wasser führen. Das Wasser muss, gemäß der religiösen Regeln, "lebendiges Wasser" sein. Daher wurden vielerorts Grundwassermikwe gebaut. Diese befanden sich meist unter der Erde auf der Höhe des lokalen Grundwasserspiegels. In der Neuzeit wird oft auch Regenwasser verwendet.

Der Tauchgang selbst ist in der Regel kurz. Man steigt ins Becken, taucht vollständig unter und spricht dazwischen einen kurzen Segensspruch. Je nach Tradition taucht man dreimal oder auch öfter im Becken unter.

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