Aktionswoche im main-Tauber-Kreis: Wenn Alkohol die Arbeit vernebelt

Suchtberatung macht auf Folgen des Konsums aufmerksam und gibt Hilfsangebote

MAin-Tauber-Kreis
3 Min.

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QR-Code Alkohol
Foto: Annika Kickstein
Wenn der Griff zum Flachmann im Büro zur Routine wird, wollen Betroffene das oft nicht wahrhaben.
Foto: Andrea Warnecke, dpa
Der Kon­sum von Al­ko­hol am Ar­beits­platz ver­ur­sacht Jahr für Jahr enor­me Kos­ten, weil Mit­ar­bei­ter we­ni­ger leis­tungs­fähig sind, die Pro­duk­ti­vi­tät ei­nes Be­trie­bes un­ter dem Sucht­ver­hal­ten von Be­schäf­tig­ten lei­det.

 

Tabuthema Alkohol am Arbeitsplatz: Wie spreche ich einen Kollegen darauf an?
Quelle: Annika Kickstein

Auf den riskanten Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz aufmerksam machen will deshalb die diesjährige »Aktionswoche Alkohol«, die vom 18. bis 26. Mai von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen veranstaltet wird. Im Main-Tauber-Kreis bietet die Suchtberatungsstelle der AGJ Tauberbischofsheim zwei Termine an, bei denen über die Problematik des Alkoholkonsums am Arbeitsplatz informiert werden wird.

Gelegenheiten zum Trinken

Das Betriebsfest, der Geburtstag des Kollegen oder der Getränkeautomat in der Kantine - die Anlässe und Gelegenheiten, während der Arbeitszeit Alkohol zu trinken, können vielfältig sein. Auch wenn die Auswirkungen von Alkohol am Arbeitsplatz noch nicht endgültig erforscht sind: Die vorliegenden Studien zeigen teilweise drastische Auswirkungen auf die Betriebsabläufe. AGJ-Suchtberaterin Gisela Authmann-Bopp nennt Gründe, warum Suchtprävention am Arbeitsplatz deshalb auch aus Sicht des Arbeitgebers wichtig ist. Durch Minderleistungen oder Fehlleistungen am Arbeitsplatz entstehen dem Betrieb Kosten. Zugleich könne durch das frühzeitige Erkennen eines Suchtverhaltens eine Firma einen Beitrag zur Gesundheitsförderung und zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit ihrer Mitarbeiter leisten. Schließlich werden Arbeitssicherheit und die Produktivität erhöht, wenn Arbeitnehmer auf das Trinken von Alkohol während der Arbeitszeit verzichteten.

Alle Ebenen betroffen

Die Auswirkungen des Alkohols verursachen in Deutschland in allen Lebensbereichen weitaus größere Probleme als alle anderen Suchtmittel, zitiert die AGJ-Suchtberaterin Gisela Authmann-Bopp Erkenntnisse der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zehn Prozent aller Beschäftigten, so lauten die bundesweit geltenden Schätzungen, trinken im Laufe eines Arbeitstages aus gesundheitlicher Sicht zu viel Alkohol. Das treffe alle Mitarbeiter eines Betriebes, sagt Authmann-Bopp, vom Geschäftsführer bis zur Aushilfskraft. Fünf Prozent trinken riskant, weitere fünf Prozent sind nach diesen Zahlen bereits suchtgefährdet.

Dabei könne man nicht, so sind die Erfahrungen der Suchtberaterin, Branchen herausheben, in denen signifikant auffällig Alkohol im Laufe eines Arbeitstages getrunken werde. Die immer noch weit verbreitete Einschätzung, vor allem auf dem Bau werde während der Arbeit Alkohol getrunken, treffe so schon lange nicht mehr zu. Allerdings gebe es, wie in anderen Branchen auch, auch auf dem Bau Beschäftigte, die bereits über Jahre ein Alkoholproblem haben, ohne dass Vorgesetzte auf dieses Suchtverhalten reagierten.

Trotzdem hat Authmann-Bopp Abläufe und Belastungen im Berufsleben ausgemacht, die potenziell zu einem riskanten Alkoholkonsum während der Arbeitszeit führen können. Dazu gehören nach ihren Erfahrungen vor allem Arbeitsabläufe, die mit hohen körperlichen und geistigen Belastungen einhergehen. Nach den Zahlen der Hauptstelle für Suchtgefahren sind etwa fünf Prozent aller Arbeitnehmer alkoholabhängig. Nur bei den Führungskräften sind es bis zu zehn Prozent.

Aber auch Beschäftigte, die einer Arbeit mit Wechselschichten nachgehen, seien gefährdet: »In diesen Berufen wird Alkohol gern als Schlafmittel genutzt«, schildert sie riskantes Trinkverhalten. Beschäftigte auf Montage, aber auch Lastwagenfahrer hätten oft ein kritisches Alkoholverhalten, nennt Authmann-Bopp weitere betroffene Beschäftigte.

Alkohol ist ein Tabuthema

Wird Alkohol am Arbeitsplatz immer noch zu stark tabuisiert? Die AGJ-Suchtberaterin Authmann-Bopp ist davon überzeugt. Das habe vor allem damit zu tun, dass Führungskräfte eine eigene Haltung zum Alkoholkonsum finden müssten, bevor sie Gespräche mit dem möglicherweise suchtkranken Mitarbeiter führen könnten. »Führungskräfte müssen sich im Vorfeld solcher Gespräche mit ihrem eigenen Alkoholkonsum auseinandersetzen«, nennt die Suchtberaterin einen wichtigen Grund, warum ein Gespräch mit dem Mitarbeiter dann eher unterbleibt.

bWährend der »Aktionswoche Alkohol« informiert die AGJ Suchtberatungsstelle im Main-Tauber-Kreis am 21. Mai im Krankenhaus Tauberbischofsheim und am 23. Mai im Krankenhaus Bad Mergentheim, jeweils von 11 bis 15 Uhr. Ein Video zur Problematik ist auf www.main-echo.de zu finden.

Hintergrund: Sucht und Arbeitsplatz

Der Konsum von Alkohol und anderen Drogen am Arbeitsplatz birgt für Beschäftigte und Betriebe erhebliche Risiken. Eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten ist dabei vor allem der angemessene Umgang mit der Suchtproblematik eines Mitarbeiters. Die AGJ-Suchtberatung im Main-Tauber-Kreis bietet Beratungsangebote und Hilfen für Beschäftigte und Führungskräfte an. AGJ-Beraterin Gisela Authmann-Bopp nennt als wichtigen Baustein für einen alkoholfreien Betrieb vor allem eine entsprechende Betriebsvereinbarung. Im Umgang mit möglicherweise alkoholabhängigen Beschäftigten rät die Beraterin zu einem mehrphasigen Stufenplan. In einem ersten Schritt müssten Beobachtungen zum Verhalten des Mitarbeiters in einem Fürsorgegespräch benannt werden. Sollte dieses erste Gespräch keine Auswirkungen auf das Mitarbeiterverhalten haben, schließt sich ein zweites Gespräch mit Personalverantwortlichen, Vorgesetztem und Betriebsrat an, bei dem mit dem Beschäftigten dann bereits klare Zielvereinbarungen getroffen werden müssen, schildert Authmann-Bopp das Vorgehen. Wenn auch dieses ohne Wirkung bleibe, folgten Abmahnung und letztlich Kündigung eines Beschäftigten. (gufi)

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