Samstag, 25.05.2019

Schulleiter in Külsheim lässt Fleisch von der Speisekarte streichen

Schüler bleiben der Mensa fern, Kollegen gehen zum Dönerstand

Külsheim
3 Kommentare

Man müs­se die Zei­chen der Zeit se­hen - und auch da­nach han­deln, sagt Küls­heims Schul­lei­ter Udo Mül­ler: »Schü­ler ge­hen auf die Stra­ße und for­dern Um­welt­schutz«, sagt er. Und er will nicht, das sei­ne Pa­ter-Alois-Grimm-Schu­le (PAGS) hin­ten an steht.

»Wenn wir warten, bis jemand von oben herab etwas unternimmt, dann können wir noch lange warten«, glaubt Müller. Weniger Fleischkonsum sei da ein absolut machbarer Beitrag zum Umweltschutz. Die Fleischwirtschaft produziert ziemlich genau ebensoviel Kohlendioxis wie die Mobilität mit Verbrennungsmotoren.

Lehrer am Dönerstand

Seit den Faschingsferien ist Fleisch somit vom Speiseplan der PAGS-Mensa verschwunden - und mit dem Fleisch auch die Hälfte der Schüler: Statt bislang 80 oder 100 Mittagessen, gehen derzeit nur noch rund 50 über den Tresen. Die Schüler stimmen mit den Füßen ab, Eltern murren.

Und auch innerhalb des Lehrerkollegiums ist es mit der Solidarität in Sachen Fleischlosigkeit nicht allzu weit her. Eltern beobachten, wie sich Teile des Kollegiums in der Mittagspause an der Dönerbude verabredet. Der Schulleiter ist konsterniert, er weiß um die schlechte Außenwirkung solcher Aktionen.

Schulleiter: »Zu schnell«

»Naja, ist wirklich nicht ganz okay, eigentlich sollten die Lehrer ja Vorbildfunktion haben«, weiß auch eine 15-Jährige in der Mensa. Das »ohne Fleisch« ist das Eine, das »wie« scheint in diesem Fall zentraler Teil des Problems zu sein. »Vielleicht zu schnell«, sagt der Schulleiter. Auch die Kommunikation im Vorfeld und die Einbindung der Elternschaft sei vielleicht nicht optimal gewesen. »Wir sind da momentan noch im Prozess«, sagt Müller weiter.

*Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel war zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar. Grund ist eine Prüfung der namentlichen Nennung der Schüler. In der neuen Fassung sind die zu Wort kommenden Schüler und Schülerinnen anonymisiert.

Er will Eltern und Schüler jetzt noch einmal gezielter ansprechen. Mittlerweile steht das ganze Essens-System auf dem Prüfstand: Bislang war es so, dass ein Caterer die Schule versorgt hat. Die Streichung von Fleisch scheint auch den unvorbereitet getroffen zu haben. Das an sich breite vegetarische Angebot des Lieferanten passt nicht zum Schülergeschmack: Mungobohnenkeimlinge, Reis verfeinert mit Thai-Basilikum und Zitronengras, Tomaten-Currysauce mit Datteln - alles durchaus ansprechend, aber für Schüler offenbar falsch.

Pilze und Co. kommen nicht an

Falsch auch deshalb, weil prominent verarbeitete Pilze, Broccoli und Fisch - der nach wie vor im Angebot ist - gerade für viele der jüngeren Schüler, geschmackliche No-Go-Areas markieren, meinen die Schüler. Gut sei, dass die bislang üblichen Alu-Schalen als Verpackungen komplett verschwunden sind - jetzt gibt es vollständig abbaubare Pappe. Auch nachvollziehbar - aber in der Praxis unausgereift - ist der Verzicht auf Plastikverpackungen. Mit der Verpackung sind erst einmal auch Salat und Joghurt aus dem Mensaangebot verschwunden.

»Wir arbeiten intensiv daran«, sagt Külsheims Bürgermeister Thomas Schreglmann, der von der Abkehr vom Fleisch ebenfalls überrascht worden war - eigentlich fallen solch gravierende Änderungen des Mensa-Speiseplans in seine Autorität. Schulleiter Müller habe ein Signal setzen wollen. »Das ist ihm gelungen und es ist ein wichtiges Signal«, sagt Schreglmann. »Wir wollen das Mensaangebot verändern, regionale Küche ist uns dabei wichtig«, sagt er weiter.

Bald gibt's wieder Schnitzel

Man habe sich diesbezüglich schon vor Jahren beraten lassen und festgestellt, dass an vor Ort selbst gekochtes Essen unglaublich hohe rechtliche Anforderungen gestellt würden. Eine taugliche Küchenausrüstung koste sechsstellige Beträge. Anders stelle es sich jedoch da, wenn gekochtes Essen in größeren Thermobehältern angeliefert werde.

»Ein weg von Einwegverpackungen und das hin zum Umschöpfen auf richtige Teller scheint mittlerweile möglich«, sagt Schreglmann. Es gebe da bereits einen Termin mit dem Veterinäramt, Kooperationen mit größeren Küchen, auch aus Seniorenheimen und Krankenhäusern, rückten in greifbare Nähe.

Bürgermeister und Schulleiter halten mittlerweile ein beschränktes Fleischangebot an ein bis zwei Wochentagen wieder für möglich. »Innerhalb von 14 Tagen wird es zunächst einmal wieder Schnitzel geben«, sagt der Bürgermeister.

Hintergrund: Was Schüler in der PAGS-Mensa über fleischloses Essen denken

Eine Schülerin (15): "Generell ist das eine gute Sache. Ich bin selbst seit drei Jahren Vegetarierin, aber hier in der Schule, da gibt es ansonsten fast keine Vegetarier. Für die meisten geht das jetzt einfach zu schnell.".

Ein Schüler (16): "Also ich stehe Tieren generell sehr positiv gegenüber und finde vegetarisch deswegen auch gut. Ab und zu brauche ich aber auch mal Fleisch."

Eine Schülerin (15): "Weniger Fleisch ist generell gut, aber das hier ist jetzt nicht so gut gemacht. Es hat, glaube ich, nie eine Umfrage gegeben oder so etwas. Das mit dem Fisch ist halt so eine Sache - aber ohne Aluverpackung das ist gut."

Ein Schüler (16): "Es kommt drauf an, was man daraus macht, Seegras und so. Vieles ist auch, gerade für die Kleinen, viel zu scharf. Irgendwie sieht es auch nicht so toll aus."

Eine Schülerin (15): "Die Auswahl ist jetzt kleiner. Außerdem ist irgendwie weniger drin in der Pappverpackung und es kostet mehr. Blöd auch, dass es im Moment keinen Salat und keinen Joghurt gibt - und Eis gibt es auch nicht mehr." (Ge)

3 Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!