9-Euro-Ticket: Chaos oder Erfolg?

Verkehr: Fahrgastverband ist mit dem Start zufrieden

FREIBURG
2 Min.

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Nach dem An­drang auf den ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Bahn­hö­fen am Pfingst­wo­che­n­en­de fällt die ers­te Bi­lanz zur lau­fen­den Ra­bat­t­ak­ti­on auf den Schie­nen deut­lich ge­spal­ten aus. Wäh­rend sich die Ge­werk­schaft Sor­gen macht um die über­las­te­ten Bahn­be­schäf­tig­ten, rech­net die po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on mit der Bahn ab.

Der Fahrgastverband hingegen nennt das verlängerte Wochenende mit 9-Euro-Ticket und der üblichen Reisewelle einen vollen Erfolg. »Es hat gezeigt, dass die Leute Bahn fahren wollen und dass die Bahn es im jetzigen Zustand nicht verkraftet«, sagte Joachim Barth, der Landesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, am Dienstag in Freiburg.

Es wäre aus seiner Sicht allerdings sinnvoller gewesen, erst in die Infrastruktur zu investieren und dafür zu sorgen, dass eine Aktion wie das 9-Euro-Ticket reibungsloser abgewickelt werden kann. Viele Hauptstrecken seien bereits jetzt so überlastet, dass zusätzliche Züge auf den vollen Strecken gar nicht eingesetzt werden könnten. »Außerdem kostet das alles Geld, und es ist kein zusätzliches Personal da«, sagte Barth. »Da kann man nicht mal eben doppelt so viele Züge einsetzen, weil man es drei Monate lang braucht.«

Verspätungen

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste seit Mittwoch einen Monat lang bundesweit den Nahverkehr nutzen. Diese Tickets werden für Juni, Juli und August verkauft. Damit sollen Pendler wegen der stark gestiegenen Energiekosten unterstützt werden. Allerdings hatten die Reisewelle zu Pfingsten und das Ticket am verlängerten Wochenende zu teils überfüllten Regionalzügen und Verspätungen geführt.

Für die kommenden Tage erwartet Barth zwar eine deutlich ruhigere Lage an den Gleisen. »Aber wir rechnen damit, dass der nächste Brückentag kommende Woche wieder ein harter Brocken für die Bahn und für Fahrgäste wird«, sagte der Pro-Bahn-Landeschef. Er gehe zwar davon aus, dass die Bahn nach den Erfahrungen der vergangenen Tage an Stellschrauben drehen werde. »Aber viel wird sie nicht machen können. So eine Aktion braucht einfach mehr Vorlauf und die Bahn hat keine Reserven.«

In diese Wunde greift auch die FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Das 9-Euro-Ticket habe die Probleme der Bahn noch einmal verdeutlicht, sagte FDP-Verkehrsexperte Christian Jung hr-Info. »Das zeigt schon jetzt, dass die Deutsche Bahn nur bedingt auf zusätzliche Kapazitäten im Nahverkehr und auch zu touristischen Zielen vorbereitet ist, weil einfach das Deutsche Bahn-Netz in einem katastrophalen Zustand ist«, ergänzte er. Er könne sich angesichts der nötigen Investitionen eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets nur vorstellen, wenn geklärt werde, wer die fehlenden Gelder ausgleiche, sagte Jung.

Fahrten zu touristischen Zielen

Am Pfingstwochenende waren in Baden-Württemberg vor allem die Reisenden betroffen, die unterwegs zu touristischen Zielen waren. Unter anderem die Touristinfos aus Ellwangen, Göppingen, Bad Urach, Rottweil und Tübingen meldeten, dass jeder zehnte Gast mit dem 9-Euro-Ticket unterwegs gewesen sei.

Der Betreiber Go-Ahead berichtete, es sei nicht überall im eigenen Liniennetz gelungen, Fahrgäste mitzunehmen. Ein Personalvertreter der Deutschen Bahn sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, an jedem Tag habe es bundesweit etwa 400 Züge mit zu hoher Auslastung gegeben, so dass Passagiere abgewiesen oder Fahrräder nicht mitgenommen worden seien.

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