Wie es um die Wildkatze im Lohrer Stadtwald steht

Mindestens fünf Exemplare nachgewiesen

MAIN-SPESSART
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Wahrscheinlich eine Wildkätzin auf der Pirsch in der Waldabteilung Gertlesgrund im Lohrer Stadtwald im zurückliegenden Spätherbst. Foto: Bernhard Rückert
Foto: Bernhard Rückert
Mit­te des 19. Jahr­hun­derts wur­de die letz­te Wild­kat­ze im Spess­art ge­schos­sen, in Bay­ern war sie seit En­de des 19. Jahr­hun­derts aus­ge­rot­tet. Auf­wen­di­ge Zucht- und Aus­wil­de­rung­s­pro­gram­me in Bay­ern ab Mit­te der 1980er-Jah­re, an­ge­fan­gen im Spess­art, soll­ten der Wild­kat­ze wie­der ei­ne Chan­ce ge­ben.

Nach wie vor ist sie allerdings ziemlich selten und vom Aussterben bedroht.

Stark an den Lebensraum Wald gebunden, findet sie in den alten und strukturreichen Laubwäldern im Spessart mit Dickichten, Wurzelteller, großen Baumhöhlen, Totholz und Felsblöcken ideale Lebensbedingungen und Verstecke. Sie ist gut getarnt, sehr scheu und macht sich bei einer Begegnung mit Menschen schleunigst aus dem Staub. Im Spessart und im Lohrer Stadtwald hat sie wieder eine feste Heimat gefunden und trotzdem ist sie nur äußerst selten zu sehen.

Genetische Untersuchungen in den zurückliegenden Jahren bestätigten die gesicherte Anwesenheit von mindestens fünf Wildkatzen im Lohrer Stadtwald. Die hierfür notwendigen Katzenhaare werden von mit Baldrian bestrichenen Holzstöcken gewonnen, an denen sich die Katzen reiben. Bevorzugte Aufenthaltsorte sind im Stadtwald warme Hänge und sonnige Flächen mit totholzreichen, alten Buchenbeständen und mit Geröll und Felsblöcken. Mit etwas Glück lässt sich bei der Waldarbeit mal eine Katze oder gar eine Katzenfamilie beobachten. Ihre Streifgebiete sind 300 bis 800 Hektar groß.

In Südbayern eher noch selten, wird sie inzwischen in Nordbayern wieder öfter nachgewiesen. Spessart, Steigerwald, Fränkische Jura, Rhön und Haßberge sind die Schwerpunkte der bayerischen Vorkommen. Verbindungen bestehen zu den Wildkatzen im Thüringer Wald und Hainich, vereinzelt auch im Pfälzer Wald sowie im Harz, über sogenannte grüne Korridore. Feinde hat sie im Stadtwald eher nicht.

Die Wildkatze steht nach nationalem und europäischem Naturschutzrecht unter strengem Schutz. Ihr Hauptfeind ist der Verkehr. Aber auch Wildschutzzäune im Wald können tödliche Fallen sein. Ihr Lebensraum ist zunehmend eingeengt und von gefährlichen Straßen zerstückelt. In den zurückliegenden Jahren wurden auf Lohrer Gebiet drei verendete Wildkatzen gefunden. Eine Erhöhung und Stabilisierung der Wildkatzenbestände geschehen auch im Spessart nur langsam. Die Wildkatze war 2018 auch deswegen Wildtier des Jahres.

Grauhaarig getigert

Die Wildkatze ähnelt der Hauskatze, ist aber kräftiger und plumper. Ihr Fell ist immer grauhaarig getigert, der Schwanz kräftig mit deutlichen schwarzen Ringen und einer schwarzen Spitze. Sie erreicht ein Gewicht bis über 6 Kilo und kann bis zu zehn Jahre alt werden. Nach der Ranz im Winter bis Spätwinter werden im April zwei bis vier Junge geboren. Ihre Aufenthaltsorte sind Baumhöhlen, Fuchsbauten und Felshöhlen in alten, naturbelassenen Laubwäldern. Sie ist ein Einzelgänger und frisst meist Mäuse, seltener auch kleine Vögel, Frösche oder Aas. Sie unterliegt dem Jagdrecht, ist jedoch ganzjährig geschont.

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