Wer zahlt die Unwetterschäden?

Bilanz: Auch im Main-Spessart-Kreis musste die Feuerwehr ausrücken, um Keller leerzupumpen und Äste zu beseitigen

Nach Un­wet­ter am Wo­che­n­en­de
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Zum Glück nur geringe Schäden haben die schweren Gewitter in der Nacht zum Sonntag im Altkreis Lohr angerichtet. Dass es nicht ratsam ist, unter großen Bäumen Schutz zu suchen, beweisen die beiden Fotos vom Kinderspielplatz in der Wöhrde zwischen Krankenhaus, Rexroth und der Bundesstraße 26.
Foto: Günter Weislogel
Sturm­böen, Star­k­re­gen, Ha­gel, Blitz­ein­schlä­ge und Über­flu­tun­gen: Das war die Bi­lanz der Un­wet­ter am Wo­che­n­en­de, mit 200 Feu­er­weh­r­ein­sät­zen inn­er­halb von zwei Stun­den al­lein in Würz­burg. Aber auch im Land­kreis Main-Spess­art gab es ei­ni­ge Ein­sät­ze. So muss­ten Kel­ler aus­ge­pumpt und Bäu­me be­sei­tigt wer­den, die über Stra­ßen oder Schie­nen ge­fal­len wa­ren.
In Karlstadt musste die Feuerwehr am Samstag und Sonntag zehn Keller leer pumpen. Jetzt steht die Schadensregulierung durch die Versicherungen an. Deren Versicherungskaufleute seien vorbereitet auf schnelle Geldbeschaffung, teilt der Sprecher des Regionalverbandes Mainfranken im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute, Jürgen Rohm, mit.
Viele Schadensmeldungen
Erst am Dienstag ist das Ausmaß des Schadens deutlich geworden, den die Gewitterfront in Bayern verursacht hat. Allein bei der Bayerischen Versicherungskammer München sind 11 000 Schadensmeldungen mit einem Gesamtvolumen von 17 Millionen Euro eingegangen, wobei etwa die Hälfte auf Franken entfällt, das weit stärker betroffen ist als andere Landesteile.
Allein mit 8,5 Millionen Euro schlagen Schäden an Gebäuden zu Buche infolge von Blitzschlag, Sturmschäden und Hagel. Der wiederum verursachte an Fahrzeugkarosserien Beulen mit einem Schaden von 5,5 Millionen Euro. Der Rest verteilt sich auf Elementarschäden wie vollgelaufene Keller oder auch Hagelschäden an Getreide, Raps und Mais.
Nach Angaben der Allianz-Versicherung ist die Münchner Geschäftsstelle frühestens am Freitag zu einer ersten Unwetterbilanz in der Lage, weil die Agenturen immer noch reihenweise Schadensmeldungen senden. Die Bayerische Versicherungskammer verweist zur schnelleren Meldung und Bearbeitung auf ihre Schadenshotline.
Bei Autos, die durch umgestürzte Bäume, Hagel, herab gefallene Dachziegel oder durch Überflutung von Straßen beschädigt wurden, ist der Schadensausgleich relativ unproblematisch, so Rohm. »Bei solchen Schäden zahlt die Teilkaskoversicherung, zwar abzüglich vereinbarter Selbstbehalte, aber ohne Rabattrückstufung. Wichtig ist, dass der Schaden den betreuenden Versicherungsvermittlern zügig gemeldet wird, am besten mit Dokumentationsfotos und genauen Angaben. Dann wird zeitnah ersetzt.«
Rohm bittet um Verständnis bei etwaigen Verzögerungen durch die Vielzahl der Schadensmeldungen. Zu Engpässen komme es bei Versicherern, Gutachtern, Werkstätten und Fachhandwerksbetriebe.
Gewitterböen mit Windstärke acht und mehr bedeuten Sturm. Dann sind für Häuserschäden die Gebäude- und bei Wohnungen die Hausratversicherungen für den Schadenersatz zuständig. Überspannungsschäden durch Blitzeinschlag an TV-Anlagen oder Computern ersetzen in der Regel neuere Hausratversicherungen.
Am Wochenende führten Wassermengen, die sonst in einem ganzen Monat auflaufen, in kürzester Zeit zu Überschwemmungsschäden, weil das Wasser von außen über Türen, Fenster und Luftschächte in Wohnungen und Keller hereinfloss oder durch einen Rückstau aus der überforderten Kanalisation kam.
Hier hilft nur eine Elementarschadenversicherung weiter, die in die bestehende Gebäude- oder Hausratversicherung und bei Betrieben in Geschäftsinhaltsversicherung eingeschlossen werden kann. »Sie deckt auch Schäden von Erdrutschen, Erdsenkungen und sogar von Erdbeben ab«, informiert Rohm.
Denn auf staatliche Hilfe bei Elementarschäden darf nur der hoffen, der keine Chance hatte, das Risiko privat zu versichern. Wer beim Umfang seines Versicherungsschutzes unsicher ist, sollte sich von seinem Versicherungsvermittler weiterhelfen lassen. Der kann auch konkrete Auskunft geben, ob beispielsweise zusätzlich noch zertrümmerte Fenster- und Glasscheiben erneuert werden.
Tipp: Dächer kontrollieren
Abschließend gibt der Versicherungsfachmann noch einen Tipp: Dächer inspizieren nach einem starken Gewitter. Denn auch verschobene oder gerissene Dachziegel sind Gewitterschäden, die vom Dachdecker - und auf Kosten der Gebäudeversicherung - gerichtet werden sollten. Ein Fernglas leiste da gute Dienste und sei wesentlich ungefährlicher als eine eigene Inspektion auf dem Dach.
Wenn Nachbars Baum oder einer der Gemeinde sowie abreißende große Äste Schäden an Autos oder Häusern anrichteten, hilft immer nur die eigene Versicherung, also die Teilkasko bei Autos und die Gebäudeversicherung. Die kann später prüfen, ob dem Baumeigentümer ein Schuldvorwurf zu machen ist, ob er beispielsweise einen erkennbar kranken Baum hätte entfernen lassen müssen.
Ist der eigene Baum umgefallen, sieht man in den Vertragsunterlagen nach, ob die hohen Entsorgungskosten für Holz und Geäst in der eigenen Versicherung abgedeckt sind. Sylvia Schubart-Arand
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