Wenn zu viel Alkohol zum Problem wird

Amtsgericht: Angriff auf Polizisten geahndet

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Als Rich­te­rin Kris­ti­na Hei­duck den An­ge­klag­ten frag­te, wo es nun mit ihm hin­ge­hen sol­le, sag­te er la­ko­nisch, er hof­fe berg­auf. Der 25-Jäh­ri­ge aus ei­ner Ge­mein­de des Land­k­rei­ses stand in Ge­mün­den we­gen Sach­be­schä­d­i­gung und ei­nes tät­li­chen An­griffs auf ei­nen Po­li­zei­beam­ten vor dem Amts­ge­richt.

Am Ende erhielt er eine Bewährungsstrafe.

Der zu entscheidende Fall hatte sich beim Faschingsumzug in Hafenlohr ereignet. Hier war der Angeklagte stark alkoholisiert auf die Motorhaube eines Autos gesprungen und hatte dabei einen erheblichen Schaden verursacht. Besucher der Veranstaltung, unter anderem der Bürgermeister von Hafenlohr, hatten den mit einem auffälligen Faschingskostüm gekleideten Täter fotografiert. Er erhielt von der Polizei einen Platzverweis. Er selbst konnte sich kaum an diese Vorgänge und sein Verhalten erinnern, da er nach seiner Aussage mindestens eine Flasche Wodka getrunken hatte.

Erst am nächsten Tag sei ihm bewusst geworden, welchen Mist er gebaut habe. Schon gar nicht war ihm klar, dass er sogar noch mal zu dem von ihm beschädigten Auto gegangen sei und wieder darauf eingeschlagen habe. Als in diesem Moment ein Polizist eingriff, nahm er ihn in den Schwitzkasten. Diese Attacke konnte nur mit Hilfe von Mitarbeitern der Feuerwehr rasch beendet werden, die zufällig vorbeikamen.

Fünf Vorstrafeneinträge

Die zwei Polizeibeamten bestätigten vor Gericht diesen Verlauf und dass der stark alkoholisierte, kaum ansprechbare Beschuldigte anschließend in die Ausnüchterungszelle gebracht worden sei. Der leugnete vor Gericht, den Polizisten angegriffen zu haben, denn er wollte sich angeblich nur aus dem Staub machen. Eine Behauptung, die mit den Zeugenaussagen nicht zusammenpasste. Das Vorstrafenregister des Mannes zeigte fünf Einträge aus den vergangenen Jahren, dabei handelte es sich mehrfach um Fälle von Beleidigung und Bedrohung, aber ebenso um den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln.

Für den Staatsanwalt war der Sachverhalt eindeutig. Der Vorwurf der Sachbeschädigung habe sich ebenso vollumfassend bestätigt wie der tätliche Angriff auf einen Vollzugsbeamten. Mit Blick auf die Vorstrafen sah er zudem eine negative Einstellung des Angeklagten gegenüber der Polizei. Dem widersprach der Verteidiger in seiner Einschätzung. Sein Mandat habe sich zwar völlig danebenbenommen, als er das Auto demolierte, aber er erkenne keine Feindseligkeit gegen Polizeibeamte. Das Verhalten sei vielmehr aus der Situation heraus zu erklären und nichts weiter als ein spontaner, emotionaler Widerstand gegen das Eingreifen eines Polizisten. Da habe sicher der Alkohol eine wichtige Rolle gespielt. Der Verteidiger forderte daher für seinen reuigen Mandanten sechs Monate auf Bewährung.

100 Stunden Arbeit

Richterin Heiduck blieb mit acht Monaten auf Bewährung für drei Jahre nur knapp unter der Forderung des Staatsanwalts. Ein Bewährungshelfer soll den Angeklagten ein Jahr lang unterstützen, er hat außerdem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten und muss Kontakt zur Suchtberatungsstelle der Caritas aufnehmen. Die Richterin meinte, es stehe für den Angeklagten Spitz auf Knopf, weil er bei einem weiteren Fall ins Gefängnis wandere. Er habe es sich seit 2017 geleistet, Straftaten im Halbjahresrhythmus zu begehen und sei eindeutig auf Talfahrt. Außerdem könne sie es nicht gutheißen, einen tätlichen zielgerichteten Angriff auf einen Polizeibeamten zu verharmlosen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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