Von Jugend an Interesse an jüdischer Geschichte: Arno Henning ist Pate eines Stolpersteins

Zur Reichspogromnacht am 9. November 1938

Flösrbachtal
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Arno Henning ist Pate des Stolpersteins für Karoline Schafheimer aus Lohrhaupten. Foto: Isolde Henning
Foto: Isolde Henning
Kapuzinerstraße 21 in Würzburg: Einer der Stolpersteine erinnert an Laura Frankenfelder, geborene Bamberger, verwitwete Mondschein. Sie stammt aus Wiesenfeld. Weil ihr letzter Wohnsitz vor der Deportation an der Kapuzinerstraße in Würzburg war, wurde dort der Stolperstein verlegt. Foto: Ingrid Sontag
Foto: Ingrid Sontag
»Seit der 10. Klas­se in­ter­es­siert mich das Ju­den­tum«, sagt Ar­no Hen­ning aus Par­ten­stein. Da­mals ha­be er den Bild­band »Der gel­be Stern« ge­le­sen.

Auch im Studium der evangelischen Theologie sei das Judentum Thema gewesen. »Hier in der Gegend gab es viele Juden«, sagt Henning im Telefongespräch. Mit seinen 10. Klassen - Henning unterrichtete von 1997 bis zu seiner Pensionierung 2016 am Lohrer Gymnasium Deutsch und Religion - sei er entweder zum jüdischen Friedhof nach Laudenbach oder zum jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum Shalom Europa in Würzburg gefahren.

Neben seinem Interesse für das Judentum seien die Recherchen seiner Kollegin Ingrid Sontag für die Stolperstein-Initiative und ein Vortrag über das jüdische Leben in Lohrhaupten Auslöser gewesen, die Patenschaft für einen Stolperstein zu übernehmen.

Entschieden hat er sich für den Stein zum Gedenken an Karoline Schafheimer in der Dürerstraße in Würzburg. Schafheimer wurde 1870 nicht weit entfernt von Partenstein in Lohrhaupten geboren. Von Würzburg aus wurde sie im September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie im Dezember ums Leben kam.

»Die Schicksale dieser Menschen aus der Vergessenheit herauszureißen, ist mir ein Anliegen«, sagt Henning.

 

Im Überblick: Stolpersteine in der Region

Stolpersteine verlegt sind in der Region in Gemünden und in Karlstadt und dessen Ortsteilen Laudenbach und Wiesenfeld sowie in Külsheim und Wertheim. In Laudenbach sollen demnächst weitere dazukommen, wie Georg Schirmer vom Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach auf Anfrage mitteilt. In Marktheidenfeld hat der Stadtrat im Juli für das Verlegen von Stolpersteinen gestimmt. Stadtrat Martin Harth bezifferte die Zahl der Todesopfer aus der jüdischen Bevölkerung auf 18. Auch in weiteren Gemeinden gibt es Überlegungen oder Arbeitskreise zum Thema Stolpersteine. An Menschen, die aus der Region im und ums Mainviereck stammen, erinnern Stolpersteine in anderen Städten und Gemeinden, in denen sie zuletzt ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. So erinnert zum Beispiel ein Stolperstein am Anwesen Claudiusstraße 5 in Berlin an den Lohrer Ehrenbürger Joseph Schloßmann.

Hintergrund: Gunter Demnig und sein Stolperstein-Projekt

»Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«, zitiert der Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, den Talmud im Internet unter www.stolpersteine.eu/start. Mit den Steinen vor den Häusern soll die Erinnerung an die Menschen lebendig bleiben, die dort wohnten. Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Meistens ist Gunter Demnig beim Verlegen dabei.

Mit seinem Projekt will er die Erinnerung wach halten an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und die Euthanasieopfer im Nationalsozialismus.

Die Stolpersteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern sind auf der oberen Seite mit Messing bedeckt, in das die Inschrift gehämmert wird. Sie werden plan in die Wege verlegt. Beabsichtigt ist ein gedankliches Stolpern, ist der Stolperstein-Internetseite zu entnehmen. Gegner des Projektes stören sich daran, dass die Gedenksteine mit Füßen getreten werden. Weitere Informationen unter www.stolpersteine.eu im Internet.

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