Vom Hobbythek-Tipp zur Kleinbrauerei

Hörner-Bräu: Eine Brauereibesichtigung faszinierte Peter Hörner so, dass er mit dem Brauen anfing - 500-Liter-Anlage aus Japan

Flösrbachtal
3 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Peter Hörner in seiner Lohrhauptener Brauerei. Foto: Holger Senzel
Foto: Holger Senzel

Angefangen hat alles vor fünf Jahren in der Waschküche der Mutter. Mit einem kleinen Kessel und zwei Einkochapparaten experimentierte Peter Hörner aus Kempfenbrunn an seinem ersten selbst gebrauten Bier. Heute ist ?Hörner-Bräu? nicht nur in Flörsbachtal bekannt und wird gerne getrunken. Auch in den umliegenden Ortschaften ist diese Biersorte inzwischen ein Begriff.

»Dabei war Bier für mich früher nie ein Thema«, sagt Hörner. Doch das änderte sich, als er 2013 von seiner Freundin - heute ist sie seine Frau - ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk bekam: einen Tag in einer Brauerei. Die gezeigten Verfahrensschritte zur Bierherstellung kamen ihm bekannt vor, denn Ähnliches hatte er bereits in seiner Ausbildung zum Chemikanten kennengelernt. »Nur mit einem Unterschied: ?Bei der Bierherstellung kommen keine giftigen Rohstoffe zum Tragen?«, meint er lachend. »Das hat mich so fasziniert, dass ich dachte, das muss ich jetzt auch mal ausprobieren.«

Zertifizierter Hausbrauer

So folgten die ersten Brauversuche in beengten Verhältnissen. »Zumindest hatte dies den Vorteil, dass ich keine langen Wege zurücklegen musste?.« Auch die Reinigung der Geräte konnte in der nahe liegenden Dusche erfolgen. Als Vorlage diente ihm eine Brauanleitung aus dem Heft »HobbyTip«. Darin erklärt Jean Pütz, der 1978 in seiner Fernsehsendung »Hobbythek« zeigte, wie man Bier selbst herstellt, die Bierbrauerei.

Inzwischen hat sich Hörner nicht nur beruflich weiterentwickelt - er hat studiert und seinen Bachelor in Chemie gemacht -- er hat auch seine Braukünste verfeinert. Im November 2015 absolvierte er in Kulmbach bei der IHK für Oberfranken Bayreuth eine Weiterbildung zum zertifizierten Hausbrauer.

Gebrauchte Anlage aus Asien

Zudem hat er seine Hausbrauerei erweitert. Die besteht nun aus Sudhaus und Gärkeller und befindet sich in Lohrhaupten in der ehemaligen Bäckerei Kramer. Dort arbeitet er jetzt mit einer 500-Liter-Brauanlage und vier dazu gehörigen Lagertanks. »Dabei habe ich vor drei Jahren noch gedacht: eine 500-Liter-Anlage wird es nie werden«, erinnert sich Hörner. Doch dann stieß er auf diese 20 Jahre alte Anlage, die zuvor 14 Jahre in Japan ihren Dienst verrichtet hat. »?Jetzt bin ich richtig stolz. Denn damit kann ich richtig Bier produzieren?.« Wenn er vorher für 600 Liter Bier das ganze Wochenende benötigte, schafft er das nun in acht Stunden.

Jeder hat seine Geheimrezepte

Allerdings erfordert die Braukunst viel Geduld. Zunächst muss die angesetzte Flüssigkeit sieben bis zehn Tage gären. Trinkfertig ist sie erst nach sechs Wochen Lager- und Reifezeit. Die einzelnen Arbeitsschritte und Ergebnisse dokumentiert Hörner übrigens akribisch in einem Gär- und Brauprotokoll.

Für das »Hörner-Bräu« braucht es neben den vier Rohstoffen Gerste, Wasser, Hopfen und Malz keine weiteren Zusatzstoffe. Allerdings kommt es dabei auf die Zusammensetzung an. »Jeder hat sein Geheimrezept. Deshalb gibt es Punkte, die ich nicht erzähle?«, sagt Hörner. Doch so viel verrät er: »Es ist wichtig, dass man mit seiner Hefe umzugehen weiß?.«

Bestes Bier in Bäckernähe

Doch gerade die ist es, die nicht im Reinheitsgebot von 1516 enthalten ist. Das hat seinen besonderen Grund: ?die Wirkung der Hefe war damals noch nicht bekannt. Da jedoch meistens beim Backen gebraut wurde, sprangen wilde Hefen? vom Brotteig zum Bier über. Gerade die Brauer, die in der Nähe von Bäckereien brauten, hatten laut Hörner das beste Bier.?

Dass es heute ausgefallene Geschmacksvarianten gibt, dafür sorgen über 40 verschiedene Malze und unterschiedliche Aromahopfen mit exotischen Namen wie Chinook, Mount Hood, Willamette, Cascade, Nugget und Polaris. »Daraus kann man geiles Bier machen«, schwärmt Hörner. Die Rohstoffe bezieht er aus Tettnang, nach der Hallertau das zweitgrößte Hopfenanbaugebiet Deutschlands.

Widder-Logo mit Hörnern

Inzwischen braut Hörner verschiedene Biere. So wird es zur Kirb in Lohrhaupten ein spezielles Weißbier geben und ab Mitte November hat er ein Bockbier geplant. Seine Hausbrauerei will Hörner als ?offene Brauerei? verstanden wissen. ?Sie ist ein Kulturprojekt für Flörsbachtal und soll »eine Brauerei für die Leute« sein.? Diese Verbundenheit zum Ort zeigt sich auch auf dem Logo von ?Hörner Bräu, das auf dem Bierdeckel mit dem Namen Flörsbachtal? verbunden ist.

Dass das Logo einen Widder zeigt, hat gleich zwei Gründe: ?Zum Einen ist der junge Bierbrauer vom Sternzeichen her Widder, »zum Anderen mussten da Hörner drauf sein, wegen des Namens.

Hintergrund

» Das hat mich so fasziniert, dass ich dachte, das muss ich jetzt mal ausprobieren. «

Peter Hörner

Hintergrund: Offene Türen der Brauerei Hörner

Adresse: Die Brauerei von Hörner Bräu befindet sich in Lohrhaupten in der Hauptstraße 27.

Aktion: Am Sonntag, 29. September, ist dort Tag der offenen Brauerei im Rahmen des regionalen Geschmacksfestivals Kinzigtal & Spessart. Zu jeder vollen Stunde wird Peter Hörner Interessierte durch seine Brauerei führen. Im Hof werden zudem Hörner-Bräu Helles und Weißbier ausgeschenkt. ()

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!