Viel Zeit fürs Solo-Debüt

Scherenburg-Festspiele: Schauspieler Marco Weber hat ein eigenes Solo-Programm geschrieben - »Warum nett«

Gemünden a.Main
3 Min.

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Marco Weber bei seinem Kurzauftritt mit "Warum nett?" beim Gala-Abend zum Jubiläum der Scherenburgfestspiele.
Foto: Simon Hörnig
"Warum ned" dach­te sich Mar­co We­ber, als ihm der be­f­reun­de­te Re­gis­seur Urs Sch­leiff im Rah­men ei­nes ge­mein­sa­men Be­suchs des Co­me­dy-Auf­tritts von Mi­cha­el Mit­ter­mei­er im Ju­li 2019 auf der Sche­ren­burg riet, es doch auch ein­mal mit ei­nem So­lo-Pro­gramm zu ver­su­chen.

»Da war dann tatsächlich die Idee geboren«, berichtet Weber. Und gleich am nächsten Tag vor dem eigenen Auftritt beim Musikstück »Und es war Sommer« konfrontierte er den Intendanten der Scherenburgfestspiele, Peter Cahn, mit seiner Überlegung. Der sei sofort begeistert gewesen und buchte seinen Schauspieler nach Sichtung einer ersten Materialprobe direkt für die kommende Spielzeit, damit der auch den Druck habe, etwas zu schreiben. Das tat Weber in den kommenden Monaten und erarbeitete so ein Programm aus sechs pointierten Alltagsgeschichten, die er so erlebt hatte oder erleben hätte können. Dann kam das Coronavirus und mit ihm ein Seuchenjahr für den 51-jährigen Gräfendorfer.

»Als die Idee aufkam, waren mir die Kosten egal. Meine Frau ist bei Rexroth, ich hatte einen guten Job, und da habe ich gesagt: Geld ist mir nicht wichtig, ich will meinen Traum verwirklichen«, erinnert sich Weber. »Jetzt ist meine Frau in Kurzarbeit, ich bin arbeitslos, da wäre es gar nicht so verkehrt, wenn ich mit meinem Projekt vielleicht die ein oder andere schwarze Zahl schreibe.« Zusätzlich zu den nicht unerheblichen Produktionskosten, die er alleine trägt, verlor der Vater dreier Kinder 2020 nämlich mit 50 Jahren seine Arbeitsstelle. Die Festspielsaison auf der Scherenburg wurde abgesagt, seine Premiere vertagt. Plötzlich fand er sich in einer völlig neuen Situation und hatte ungewohnt viel freie Zeit.

Mit dem Schicksal hadern wollte er an dieser Stelle jedoch nicht, denn das bringe einfach nichts. Vielmehr kam ihm mit Stefan Joa ein Kontakt aus der »Scherenburg-Familie« zugute, der ein Bestattungsinstitut führt und helfende Hände gebraucht habe. Da habe er gerne zugesagt und zu seiner Überraschung festgestellt, wie erfüllend diese eigentlich traurige Arbeit doch sein kann. Auch sei ihm dabei - passend zu seinem Faible fürs öffentliche Reden und Moderieren - die Idee gekommen, eine Ausbildung zum Trauerredner zu absolvieren, als der er nun seine Dienste anbietet.

Auch das Entfallen der vergangenen Festspielsaison sei natürlich in erster Linie schade gewesen, gab dem engagierten Vereinsmenschen, der seit dessen Gründung im Jahr 1999 dem Auswahlorchester Karlstadt vorsteht, jedoch auch einmal Zeit zum Durchatmen. »Das hat - ehrlich gesagt - auch einmal gut getan«, erklärt Weber und beschreibt, dass das Vierteljahr »Scherenburg-Zeit« mit seinen täglichen Theaterproben auch eine Beziehungsprobe sei: »Da brauchst du schon einen Partner, der dahintersteht.«

Gleichzeitig möchte Weber, der seit seinem Debüt auf den Scherenburgfestspielen im Jahr 2002 in den vergangenen 18 Spielzeiten jedes Mal auf der Bühne stand, das Erlebnis nicht auf Dauer missen. Er betont: »Wenn du einmal infiziert bist, hast du keine Chance mehr, da rauszukommen. Ich spiele dort oben mit Herz und Seele.«

Ein flammendes Plädoyer für die Festspiele, das ihrem künstlerischen Leiter Peter Cahn gut gefallen dürfte. Auch ihm zeigt sich Weber tief verbunden für die Unterstützung bei seinem Solo-Programm, für das Cahn, der auch das Landestheater in Dinkelsbühl leitet, die Inszenierung übernommen hat. In Dinkelsbühl erfolgte am vergangenen Sonntag dann auch die erste vollständige Durchlaufprobe seines 75-minütigen Programms, von dem sich der Autor im Anschluss begeistert zeigte.

Die Hoffnung, dass die anvisierte Premiere auf der Scherenburg am 26. Juli in diesem Jahr stattfinden wird, möchte Weber »in den Händen halten« und hat deshalb - wie auch im letzten Jahr - schon Werbeplakate drucken lassen. Die im Festspielbüro bereits berüchtigte Frage »Glaubt ihr, dass ihr spielen werdet?« stelle sich Weber dabei aus Prinzip nicht und freue sich vielmehr auf den Termin, denn: »Das wäre mir schon eine Herzensangelegenheit, dass ich auf 'meiner' Bühne mein Solo-Debüt geben kann.«

Karten gibt es im Vorverkauf unter www.scherenburgfestspiele.de

Zur Person: Marco Weber

Der gebürtige Wolfsmünsterer Marco Weber lebt mit seiner Frau Tanja in Gräfendorf und hat nach eigenen Angaben "drei Kinder, eine Katze, eine Schildkröte und einen Mähroboter".

Seinen Einstand auf den Scherenburgfestspielen feierte er als musizierender Statist im Jahre 2002 bei "Der fröhliche Weinberg", woraufhin er im darauffolgenden Jahr bei "Ali Baba" als der "doofe Räuber Assad" auch als Schauspieler debütierte. 2004 erspielte er sich damit direkt die gleichnamige Hauptrolle im Kinderstück "Der Räuber Hotzenplotz". Bis heute schlagen für Weber seitdem Auftritte in 18 Scherenburg-Produktionen zu Buche, wobei er beispielsweise Elwood in "Blues Brothers" (2011) oder den schönen Helmut in "Und es war Sommer" (2019) verkörperte.

2004 erfüllte sich der bekennende "Lindenstraße"-Fan einen Traum, indem er dort bei einem Kurzauftritt im Restaurant "Akropolis" den "legendären Text" "Zwei Retsina bitte" beisteuern durfte. Weber steht seit dessen Gründung im Jahr 1999 dem Auswahlorchester Karlstadt vor. sih

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