Urteil nach Kollision von Zug und Auto

Gericht: Geldstrafe und Fahrverbot verhängt

MAIN-SPESSART
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Vor dem Amts­ge­richt in Ge­mün­den hat­te ein 59-Jäh­ri­ger aus dem Land­kreis Mil­ten­berg Ein­spruch ge­gen ei­nen Straf­be­fehl von 6600 Eu­ro ein­ge­legt und ge­hofft, mit ei­nem ge­rin­gen Buß­geld­be­scheid da­von­zu­kom­men. Am En­de muss­te er 1000 Eu­ro we­ni­ger Stra­fe für ei­nen ge­fähr­li­chen Ein­griff in den Bahn­ver­kehr zah­len.

Außerdem muss er zwei Monate auf seinen Führerschein verzichten.

Der Angeklagte schilderte den Vorfall als einen Fehler, den er bedauere. Es sei an einem Morgen im November 2021 geschehen, als er auf dem Weg zu einem Bekannten gewesen sei. In Hasloch habe er mit seinem Auto einen unbeschränkten Bahnübergang überqueren wollen, als er einen herankommenden Zug der Regionalbahn übersehen habe und von ihm von den Gleisen gedrückt worden sei. Dabei sei ein Gesamtschaden von 48.000 Euro entstanden. Die Staatsanwältin sah in diesem Vorfall eine schwer fahrlässige Beeinträchtigung des Schienenverkehrs und einen gefährlichen Eingriff in die Verkehrssicherheit, der nicht mit einem Bußgeld zu bestrafen sei.

Langsam auf Gleise zugerollt

Ganz anders beurteilte es der Anwalt des Beschuldigten, der erklärte, für ein Strafverfahren müsse ein rücksichtsloses Verhalten vorliegen, wovon hier nicht auszugehen sei. Im Gegenteil seien die eingeschränkten Sichtmöglichkeiten von der Straße auf die Gleise hier einzubeziehen. Der Mandant erklärte, er habe den von links kommenden Zug nicht sehen können, da ein Bauzaun und ein Pavillon ihm den Blick verstellt hätten. Er sei daher langsam auf die Gleise zugerollt und als er bremste, sei er schon zu weit auf ein Gleis gekommen. Daher habe ihn der Zug zur Seite geschoben und es sei Gott sei Dank nicht zu einem Frontalzusammenstoß gekommen. Die Staatsanwältin sah trotzdem den Tatbestand einer Gefährdung des Zugverkehrs.

Der Lokführer erklärte als Zeuge, er sei mit 60 Stundenkilometern gefahren, als der Angeklagte auf die Gleise zurollte. An dem Bahnübergang, so der Zeuge, sei er zu einer Schnellbremsung gezwungen worden, die aber einen Zusammenstoß nicht verhindern konnte. Der schockierte Angeklagte habe sich sofort bei ihm entschuldigt. Die Passagiere seien glücklicherweise nicht gefährdet worden. Für die Staatsanwältin war nach dieser Aussage die Anklage eindeutig bestätigt, während der Anwalt seinen Mandaten noch immer durch die schlechte Sicht zu diesem Unfall verleitet sah.

Einigung nach kurzer Pause

Dem widersprach die Staatsanwältin und schlug eine Unterbrechung vor, damit Anwalt und Mandant besprechen könnten, ob sie ihren Einspruch nicht nur auf die Höhe des Strafmaßes beschränken wollten. Nach einer kurzen Pause einigten sich die Prozessbeteiligten auf diesen Weg. Die Staatsanwältin blieb in ihrem Plädoyer bei drei Monaten Fahrverbot und 60 Tagessätzen zu 110 Euro. Sie sah es zwar positiv, dass der Angeklagte sich geständig gezeigt und bei dem Lokführer sofort entschuldigt hatte, aber die hohe Gefährdung auch für die Passagiere und der große Sachschaden ließen keine andere Bewertung zu.

Dagegen hob der Anwalt hervor, das fahrlässige Verhalten seines Mandanten müsse nicht zu einem Strafverfahren führen, nur weil er einen Moment nicht aufgepasst habe. Dafür reiche die Hälfte der verhängten Geldstrafe mit zwei Monaten Fahrverbot aus, da sein Mandant beruflich das Auto nutzen müsse. Dem letzten Gedanken schloss sich die Richterin in ihrem Urteil an, aber sie verhängte zusätzliche 50 Tagessätze zu 110 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!