Splitternackt vor der Tür der Nachbarin: Angeklagter zeigt Reue

Amtsgericht Gemünden

MAIN-SPESSART
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Der An­ge­klag­te be­kann­te schon zu Be­ginn der Ver­hand­lung am Don­ners­tag, er ha­be Mist ge­baut. Vor­ge­wor­fen wur­de ihm vor dem Amts­ge­richt Ge­mün­den ei­ne ex­hi­bi­tio­nis­ti­sche Hand­lung, mit der er ei­ne Frau be­läs­t­igt hat­te, die ein Stock­werk über ihm in ei­nem Miets­haus wohn­te.

Richterin Laura Paczesny stellte das Verfahren letztlich vorläufig ein, aber gegen therapeutische und finanzielle Auflagen.

Nach 21 Uhr hatte es bei einer Mieterin im zweiten Stock eines Mietshauses im Landkreis Main-Spessart geklingelt. Als sie zur Tür ging, fand sie dort niemanden vor. Daraufhin klingelte sie bei verschiedenen Mietern und gelangte auch zu der Wohnung des 55-jährigen Beschuldigten. Er öffnete ihr nackt bis auf ein Unterhemd, so dass sie sich peinlich berührt abwandte. Als es kurz darauf wieder an ihrer Tür läutete, stand genau dieser Mieter splitternackt davor, was sie vollkommen in Panik versetzte.

Der Angeklagte erklärte sein Verhalten damit, er habe eigentlich herausfinden wollen, warum die Mieterin überhaupt bei ihm geläutet habe. Dass er splitternackt am Abend vor ihrer Wohnungstür auftauchte, konnte er sich nur durch seinen Alkoholkonsum erklären. Er sei zu diesem Zeitpunkt vollkommen abhängig gewesen. An dem fraglichen Abend hatte er wohl mal wieder sechs bis acht Biere getrunken, was damals für ihn normal war.

Zur Suchtberatung gegangen

Auf die Frage der Richterin, wie gut er sich denn überhaupt erinnern könne, sagte er, eigentlich an gar nichts. Er habe sicher niemanden belästigen wollen. Überhaupt habe man ihm das ganze Geschehen erst später erzählt. Es sei für ihn zu dieser Zeit normal gewesen, dass er sich in seiner Wohnung »nackig gemacht« habe, wenn er wieder mal zu viel getrunken hatte. Aber zu keinem Zeitpunkt habe er geplant, jemanden sexuell zu belästigen. Er sei damals sehr tief gefallen. Das habe er erst später bemerkt und dann sofort einen Schlussstrich gezogen. Damit spielte er auf eine psychosoziale Therapie an. Er sei regelmäßig zu Gesprächen in eine Suchtberatungsstelle gegangen und verzichte seither auf Alkohol.

Das konnte dem Gericht durch entsprechende Belege bestätigt werden. Diese positive Entwicklung kam bei der Richterin gut an, aber sie verwies darauf, dass der Angeklagte schon 2009 und 2010 wegen exhibitionistischer Belästigung unter Alkoholeinfluss aufgefallen und deswegen zu Bewährungsstrafen verurteilt worden sei. Das liege zwar weit zurück, könne aber nicht vollkommen ausgeblendet werden.

Innerlich sehr bewegte Zeugin

Die Geschädigte bestätigte als Zeugin den Ablauf des aktuell zu verhandelnden Geschehens. Sie hatte an dem fraglichen Abend eigentlich nur herausfinden wollen, ob einer ihrer Nachbarn bei ihr geklingelt und vielleicht irgendein Problem habe. Da sonst niemand in dem Mietshaus reagiert habe, sei sie bei dem Angeklagten gelandet und es sei zu dieser abscheulichen Begegnung gekommen. Als er danach bei ihr klingelte, habe sie durch den Türspion geschaut und ihn nackt vor sich gesehen. In einer spontanen, panischen Aktion habe sie die Tür geöffnet und wieder zugemacht. Der Anblick gehe ihr noch bis heute nahe, obwohl sie inzwischen umgezogen sei. Auf die Frage der Staatsanwältin, was sie von der Verhandlung für sich erwarte, meinte die innerlich sehr bewegte Frau, eigentlich genüge ihr eine Entschuldigung. Wie belastend das ganze Geschehen für sie noch immer ist, konnte man auch daran erkennen, wie rasch sie nach ihrer Aussage den Gerichtssaal verließ. Der Angeklagte hatte gerade noch Zeit, sein Verhalten zu bedauern, mit dem er ihr Angst und ein Gefühl des Ekels bereitet hatte.

Der psychologische Sachverständige hob positiv hervor, dass der Angeklagte regelmäßig erstellte Abstinenznachweise vorweisen könne, aber seine Problematik damit nicht umfassend genug aufgearbeitet werde. Diese gehe auf das Scheitern seiner Familie und damit verbundene offenbar nicht verarbeitete Konflikte zurück, die zu seiner starken Alkoholisierung geführt hätten. Sein Konfliktfeld solle daher binnen eines Jahres therapeutisch behandelt werden, damit er seine Problemphasen in Zukunft auf andere Art bewältigen könne.

Am Ende einigten sich alle Beteiligten auf eine vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Reihe von Auflagen. So muss der Beschuldigte mindestens sechs Monate alkoholfrei leben und dies regelmäßig nachweisen. Außerdem wird er dazu verpflichtet, sich binnen eines halben Jahres in eine sexualtherapeutische Behandlung zu begeben und 1000 Euro an den Verein Wildwasser zu zahlen.

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