Sieben auf einen Streich in der Aufpäppelstation

Tierhilfe: Jessica Waters aus Rodenbach kümmert sich seit Jahren um tierische Findelkinder - Nun hatte sie eine ganze Schar kleiner Füchse unter ihren Fittichen

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Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Rund um die Uhr mussten die Tiere alle zwei Stunden gefüttert werden. Bildunterschrift 2022-04-09 --> 2 Alle drei Stunden war für die jungen Füchschen Flaschenfütterung angesagt.
Foto: Jessica Waters
Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation. Bildunterschrift 2022-04-09 --> 3 Im Tierheim waren die jungen Füchse als Katzenbabys abgegeben worden.
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Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation. Bildunterschrift 2022-04-09 --> 4 Kombination aus Ruhe und Wärme: Die Füchschen beim Kuscheln.
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Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation. Bildunterschrift 2022-04-09 --> 5 Als Schlafplatz beliebt war auch die Kapuze des Pullis.
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Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation. Bildunterschrift 2022-04-09 --> 1 Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation. Fotos: Waters
Foto: Jessica Waters
Man kann wohl un­be­s­trit­ten sa­gen, dass Jes­si­ca Wa­ters ein gro­ßes Herz für Tie­re hat. Nicht nur, weil sie ei­ne gan­ze Schar an Haus­tie­ren hält, vom Hund über drei Kan­in­chen und sechs Kat­zen bis hin zum Pferd.

Die Tierliebe der 33-jährigen Rodenbacherin zeigt sich auch darin, dass sie sich seit Jahren regelmäßig um hilfsbedürftige tierische Findelkinder kümmert.

Die Liste der Geschöpfe, die Waters bereits aufgepäppelt hat, ist ebenso lang wie bunt: ein Eichhörnchen, das bei einem Unfall eine Lungenprellung davontrug; ein Waldkauz, der bei einer Kollision mit einem Auto ein Auge verlor; ein Feldhase, dem ein Mähwerk ein Bein abgetrennt hatte. Aber auch Igel, Siebenschläfer, Bussard, Kaninchen oder Fledermäuse hatte Waters schon vorübergehend unter ihren Fittichen.

Doch so geballt wie vor wenigen Tagen kam es wohl noch nie: Gleich sieben kleine Füchse, erst wenige Tage alt, landeten vor zwei Wochen bei Waters. Der Reineke-Nachwuchs war bei Gössenheim aufgetaucht, als große Heuballen umgesetzt wurden. Die Hoffnung, dass sich die Elterntiere wieder der kleinen Bande annehmen würden, erfüllte sich nicht.

Im Tierheim abgegeben

Und so wurden die sieben Fellknäuel im Lohrer Tierheim abgegeben - als Katzenbabys. Recht schnell stellte sich freilich heraus, dass es keine Kätzchen waren. Weil das Tierheim nicht die Kapazitäten für die Aufzucht von Wildtieren hat, wandte es sich an Waters, die dort schon bekannt ist.

Für die 33-Jährige war sofort klar, dass sie sich der Füchschen annehmen würde. Die Tiere seien dehydriert gewesen, schildert Waters. »Da musste dringend was rein«, beschreibt sie den Handlungsbedarf.

Waters machte sich zunächst auf den Weg zur ihr von früheren Hilfsaktionen bekannten Wildtierstation in Hasselberg bei Hasloch. Dort verabreichte man den Füchschen gemeinsam die erste Ration Welpenaufzuchtmilch. Danach nahm Waters die Tierchen, jedes »eine gute Handvoll«, mit zu sich nach Hause.

Hier nahm das Aufzuchtprogramm seinen Lauf. Untergebracht waren die Füchschen zunächst in einem großen Reisigkorb, ausgestattet mit Handtüchern, Decken und einer Wärmflasche. Rund um die Uhr mussten die kleinen Füchse alle drei Stunden mit der Flasche gefüttert werden - auch in der Nacht. Da jede Fütterung insgesamt eine Stunde dauerte, blieben Waters zwischendurch jeweils nur zwei Stunden Zeit. Ihre Stieftochter und eine Nachbarin unterstützten sie bei der Bewältigung des Pensums.

Tagsüber nahm Waters ihre Zöglinge mit auf die Arbeit. Die 33-Jährige ist selbstständige Ergotherapeutin mit einer eigenen Praxis in Frammersbach. Die Patienten hätten sich über den ungewöhnlichen Besuch gefreut, schildert Waters. Der Umgang mit Tieren sei gerade für manche ihrer jüngeren Patienten ein adäquates Therapiemittel. Deswegen setzt Waters auch schon länger ihren Hund Noar als Therapiehund ein.

Doch bei den jungen Füchschen war klar, dass sie nur vorübergehend Gäste in der Praxis sein werden. Man habe die Entwicklung der Findelkinder von Tag zu Tag verfolgen können, sagt Waters. Anfangs seien die Augen teils noch verschlossen gewesen, die Bewegungen unbeholfen. Doch mit jedem Tag habe die Agilität und Wahrnehmung der Umgebung zugenommen. Zuletzt seien die Füchschen »schon richtig gelaufen«. Besonders aktiv seien sie »nach einer Mütze Schlaf und etwas Wärme« gewesen. Die Wärme holten sich die Fellknäuel bei regelmäßigen Kuscheleinheiten.

Doch Kuscheltiere, das stand für Waters von Anfang an fest, sollten aus den Füchschen nicht werden. Stattdessen sei es stets Ziel, »dass Wildtiere wieder Wildtiere werden«, so Waters. Am Dienstag dieser Woche hat sie ihre temporären Zöglinge daher in eine auf Füchse spezialisierte Auswilderungsstation in der Nähe von Limburg gebracht. Das Netzwerk zu solchen Stationen und Experten für bestimmte Tierarten hat Waters über die Jahre geknüpft. »Mit jedem Tier kommen neue Kontakte dazu«, beschreibt sie.

Es sei wichtig, sich für jede Art, die man aufpäppelt, kompetenten Rat zu holen, Wissen zu sammeln, sich zu belesen. Denn für alle Tiere gültige Patentrezepte gebe es nicht. Außer vielleicht eines: »Kuhmilch ist bei fast allen Tieren das falsche Mittel«, sagt Waters zur Ernährung von hilfebedürftigen Wildtieren.

Mit der Ernährung der sieben jungen Füchse hat Waters nun aber nichts mehr zu tun. Der Abschied an der Auswilderungsstation sei für sie »ganz, ganz schlimm« und auch von der einen oder anderen Träne begleitet gewesen. Doch Waters ist überzeugt, dass es Wildtieren eben in der freien Wildbahn am besten geht.

Schrittweise Auswilderung

Auf die Rückkehr dorthin werden die sieben Füchse nun in der Auswilderungsstation vorbereitet. Zunächst müssen die Tiere weiter aufgepäppelt werden, zunehmend mit auch fleischlichem Futter, wie es beispielsweise für Katzenbabys welches gibt. In einigen Wochen können die Füchse laut Waters dann die ersten Freigänge in ein umzäuntes Gehege unternehmen. »Und im Spätherbst geht es dann raus«, beschreibt sie den Plan. Dann werde das Gehege geöffnet und die Tiere könnten ihre eigenen Wege gehen.

Die Betreuung der sieben Füchse sei intensiv und anstrengend gewesen, sagt Waters, aber eben auch ein »unfassbar tolles Erlebnis«. Der Abschied von den Tieren wirke noch immer nach: Beispielsweise wache sie nachts noch immer im Rhythmus der Fütterungen auf. »Und ich rieche die Füchse noch«, sagt Waters und spricht von einem sehr einprägsamen Duft der Tiere.

Für die 33-Jährige steht indes fest, dass nach der Hilfsaktion vor der Hilfsaktion ist. Nicht nur, weil sie ein großes Herz für Tiere, sondern mittlerweile auch einen entsprechenden Ruf in der Region hat. Dass sie auch den nächsten tierischen Findelkindern nach Kräften helfen wird, steht für Waters außer Frage: »Ich wäre sofort wieder dabei.«

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1 Jessica Waters hat sieben junge Füchschen von Hand aufgezogen. Die Tiere waren beim Umladen von Heuballen aufgetaucht und danach verwaist. Mittlerweile sind sie in einer Auswilderungsstation.

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5 Als Schlafplatz beliebt war auch die Kapuze des Pullis.

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4 Kombination aus Ruhe und Wärme: Die Füchschen beim Kuscheln.

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3 Im Tierheim waren die jungen Füchse als Katzenbabys abgegeben worden.

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2 Alle drei Stunden war für die jungen Füchschen Flaschenfütterung angesagt.

Hintergrund: Was tun?

Immer wieder werden auf den ersten Blick hilflose Wildtiere gefunden. Umgehendes Handeln ist nach Aussage von Jessica Waters jedoch nur dann angezeigt, wenn das Tier offensichtlich verletzt oder dringend hilfebedürftig ist. Nur die Tatsache, dass ein Jungtier alleine ist, sei noch kein Grund, es anzufassen oder mitzunehmen, sagt Waters, »egal wie putzig es ist«. Denn bei vielen Jungtieren sei es normal, dass sie vorübergehend von ihren Eltern verlassen werden.

Bei Zweifeln solle man lieber erst den Rat von Sachkundigen einholen. Den Kontakt könne das Lohrer Tierheim (Tel. 09352 9690) herstellen. Auch Tierärzte seien gute Ansprechpartner. ()

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