Sieben Anläufe für einen Namen

Neubaugebiet: Gemeindestraße soll »In den Mühlwiesen« heißen - Flut von Vorschlägen in Stadtratssitzung

Gemünden a.Main
3 Min.

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An der Straße in Richtung Schönau soll im Anschluss an die vorhandene Wohnbebauung ein Neubaugebiet entstehen. Nach einem Abstimmungsmarathon im Stadtrat steht fest: Die erschließungsstraße wird "In den Mühlwiesen" heißen. Foto: Thomas Josef Möhler
Foto: Thomas Josef Möhler
Sie­ben An­läu­fe hat der Ge­mün­de­ner Stadt­rat am Mon­tag ge­braucht, um zu ei­nem Na­men für die Stra­ße im Neu­bau­ge­biet »Mühl­wie­sen II« zu kom­men. Sie wird - we­nig über­ra­schend - »In den Mühl­wie­sen« hei­ßen. Das Bau­ge­biet soll im An­schluss an die vor­han­de­ne Wohn­be­bau­ung ent­lang der Stra­ße nach Sc­hönau ent­ste­hen.

Um das Umlegungsverfahren zu beenden, hat das Vermessungsamt Lohr nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Lippert mitgeteilt, dass die Gemeindestraße im Baugebiet einen Namen braucht. Denkbar seien einige, etwa »Artfeld« nach der historischen Lagebezeichnung oder »Mesolithikumstraße« nach den denkmalschutzrechtlichen Grabungen.

Nach Meinung der Verwaltung sollte der Namen einfach, kurz und aussagekräftig sein, so Lippert. Da sich das Neubaugebiet in Richtung Schönau befindet und sich deshalb auch bei Ortsunkundigen ein gewisser Bezug zur Verortung im Stadtgebiet einstelle, schlug die Verwaltung die Bezeichnung »Schönauer Straße« vor.

Einige Stadträte wie Klaus Strohmenger (Bündnis für Bürgernähe), Robert Lampert (CSU) und Ferdinand Heilgenthal (SPD) wiesen darauf hin, dass es die Schönauer Straße eigentlich schon gibt. In Internetkartensystemen wie Google Maps werde die Straße nach Schönau so genannt. Heiße künftig auch die Straße im Neubaugebiet so, könne das zu Verwirrung führen.

Diese Sorge teilte der Bürgermeister nicht: Als Adressbezeichnung existierte die Schönauer Straße bislang nicht. Dennoch folgte danach eine Flut von anderen Namensvorschlägen. Monika Poracky (SPD) war für »Wiesenweg« und Matthias Risser (CSU) für »Artfeld« nach der alten Flurbezeichnung.

Wolfgang Remelka (Bündnis für Bürgernähe) wunderte sich, dass angesichts der Bezeichnung für das Baugebiet noch niemand auf »Mühlwiesenweg« gekommen ist. Dann schon lieber »Mühlwiesenstraße«, meinte Lippert. Miroslav Blaic (FW), Hubert Fröhlich (Ökokreis) und Erhard Wiltschko (Freie Wählergemeinschaft) waren für die Kurzform »Mühlwiesen« plus Hausnummer, Richard Rauscher (FW) für »In den Mühlwiesen«.

Der Bürgermeister ließ nacheinander über sechs Vorschläge abstimmen, die alle mehr oder weniger Stimmen bekamen, aber nicht die Mehrheit der 19 anwesenden Stadträte. »Alles abgelehnt«, musste er feststellen. Lippert unterbrach die Sitzung, um die Geschäftsordnung des Stadtrats zu Rate zu ziehen, nachdem Fröhlich eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten ins Spiel gebracht hatte.

Um noch einmal abstimmen zu können, müsse zunächst einstimmig beschlossen werden, »die Beschlusslage auf Null zu stellen«, verkündete Lippert nach der Pause. Das geschah. In der Sitzungsunterbrechung waren die Stadträte wohl in sich gegangen, denn Lipperts einziger Vorschlag »In den Mühlwiesen« bekam eine Mehrheit von 17 zu 2 Stimmen.

Stadtrat in Kürze

Gemünden. Der Gemündener Stadtrat hat sich am Montag auch mit diesen Themen beschäftigt:

Kindergarten: Der städtische Kindergarten St. Martin am Hofweg hat nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Lippert einen Wasserschaden mit nachfolgendem Schimmelbefall. Einige Räume könnten derzeit nicht genutzt werden. Die Stadt habe im ehemaligen »Haus des Gastes« an der Scherenberghalle Ausweichmöglichkeiten in einem der Gruppenräume der Schulkindbetreuung geschaffen. Ergebnisse von Laboranalysen lägen frühestens am Mittwochabend vor. Dann werde man hoffentlich eine »ganz grobe Zeitschiene« haben, wie es weitergehen könne. Ziel sei es, die Renovierung in der Sommerpause zu schaffen. »Wir haben alles getan, was möglich ist, um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden«, versicherte Lippert.

Bergstraße: Die Bergstraße bleibt wegen Sanierungsarbeiten laut Lippert bis zum 19. August gesperrt. Am 20. August erfolge die uneingeschränkte Verkehrsfreigabe. Auch Adelsberg werde dann wieder geöffnet. Die Linienführung für Busse des ÖPNV müsse noch geklärt werden. Ziel sei es, alles aus der bisherigen Umleitungsstrecke Baumgartenweg herauszuholen, was dort nicht unbedingt fahren müsse.

Altlast: Wegen der Altlastensanierung an der Weißensteinstraße wird es laut Bürgermeister wieder einen Vertragsabschluss mit der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB) geben. Nachdem sich die angewandte Sanierungsvariante als erfolgreich erweisen habe, habe die Stadt einen Zuschussantrag bei der GAB für Erkundungs- und Sanierungsmaßnahmen gestellt. Diese sollten fünf Jahre lang laufen und würden voraussichtlich 383.000 Euro kosten. Die Sanierung werde von der GAB vollumfänglich gefördert, so dass der Stadt diesbezüglich keine Kosten mehr entstünden.

Straßenunterhalt: Der Auftrag für den Straßenunterhalt (Oberflächenbehandlung mit Reparaturzug) in Neutzenbrunn, Reichenbuch, Adelsberg, Langenprozelten und Gemünden in der Nähe des Röderwegs ging für knapp 44.000 Euro brutto an die Firma Geuder Straßenunterhalt aus Neusitz.

Aufzug: Die Aufzugsanlage in der Remise des Huttenschlosses braucht eine neue Steuerung. Diese soll den aktuellen Anforderungen an eine barrierefreie Nutzung des Aufzugs entsprechen. Liefern wird sie die Firma Schmitt & Sohn Aufzüge aus Würzburg für knapp 31.300 Euro brutto. Für die Arbeiten muss der Aufzug laut Bauamtsleiter Jörg Breitenbach für zwei Wochen gesperrt werden. Lieferbedingt sei ein Einbau erst im Februar 2023 möglich.

Standesbeamtin: Einstimmig hat das Gremium die Verwaltungsfachangestellte Sabrina Kneifel zur weiteren Standesbeamtin bestellt. Damit verfügt Gemünden wieder über die Sollstärke von drei Standesbeamten. Bislang schon haben Kämmerer Michael Pfeuffer und Hauptamtsleiterin Belinda Köhler diese Funktion. Bürgermeister Lippert darf nur Eheschließungen vornehmen.

Grillverbot: Auf Granit biss Wolfgang Remelka (Bündnis für Bürgernähe) beim Bürgermeister mit seinem Vorschlag, vom allgemeinen Grillverbot wegen Feuergefahr Grillen innerorts mit Holzkohle auszunehmen. Auch von Privatgrundstücken könnten Funken fliegen, meinte Lippert, »das Gefahrenpotenzial ist da«.

Dauerkarten: Auf Nachfrage von Monika Poracky (SPD) versicherte der Bürgermeister, Dauerkartenbesitzer fürs Freibad würden entschädigt, weil die Einrichtung an zwei Tagen in der Woche wegen knappen Personalbesatzes geschlossen ist. Über die Höhe und die Art des Ersatzes müsse man noch reden. tjm

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