Pro familia: Selbstsicherheit ist wichtiger Schutz vor sexuellem Missbrauch

Online-Vortrag

Main-Spessart
2 Min.

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Das Wich­tigs­te, um se­xu­el­lem Miss­brauch vor­zu­beu­gen, ist die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Er­wach­se­nen und Kin­dern so­wie Auf­klär­ung. Die Kin­der müs­sen wis­sen, dass sie Rech­te ha­ben und "Nein" sa­gen kön­nen. Da­zu sei es aber von gro­ßer Be­deu­tung, dass die Kin­der Wör­ter da­für ha­ben und auf­ge­klärt sind. Da­durch wird das The­ma nicht zu ei­nem Ta­bu.

Diese Informationen haben die rund 20 Teilnehmer eines Online-Vortrags bekommen, der sich am Mittwochabend mit der Frage "Wie schütze ich mein Kind vor sexuellen Übergriffen" beschäftigt hat. Der Familienstützpunkt Gemünden hat dafür gemeinsam mit dem Landratsamt Main-Spessart zwei Experten von pro familia Würzburg eingeladen: Alina De Stefano und Hans-Peter Breuner arbeiten bei der Fachberatungsstelle für sexuellen Missbrauch.

Der Sozial- und Sexualpädagoge Breuner berichtete, dass er ab der 4. Klasse Sexualunterricht in den Schulen anbietet. Selbstbewusstsein sei ein wichtiges Thema, damit sich die Kinder überhaupt trauen würden, sich Hilfe zu holen, so die Experten. Alina De Stefano stieg mit einem Fallbeispiel ein, bei dem ein Vater Rat sucht, weil sich seine Tochter stark verändert hat. Vor allem das zu Bett gehen und Umkleiden mache der Kleinen zu schaffen. Die leibliche Mutter habe einen neuen Partner, mit der die Tochter aber gut zurechtkomme.

De Stefano bezeichnet dies als eine typische Situation, wie sie in den Beratungsstellen vorkommte. Im ersten Schritt wird mit dem Vater ein eingehendes Gespräch geführt, um möglichst viele Informationen über die Situation zu bekommen. Das Mädchen kann auch entscheiden, ob es einen männlichen oder weiblichen Berater möchte. Dann spricht der Berater mit allen Beteiligten und möchte so dem Mädchen helfen.

Oft seien auch Jugendliche die Täter, weshalb die Prävention in Schulen noch mehr Bedeutung habe, hieß es in dem Vortrag. "Hier ist Null Toleranz gefragt", betonte Breuner. Von sexuellem Missbrauch spricht man bei sexuellen Handlungen an, mit oder vor einem Kind, so die Experten. Der Zungenkuss gelte etwa als sexuelle Handlung. Es gebe auch sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt, beispielsweise Exhibitionismus. Den Kindern muss laut den Referenten klar gemacht werden, dass auch dies nicht in Ordnung ist.

Breuner fordert die Eltern auf, ihren Kindern stets Rückendeckung zu geben: "Du bestimmst über deinen Körper und darfst Nein sagen. Ich stehe immer hinter dir." Auch eine Umarmung der Oma könne eine Grenzverletzung sein, bei dem die Kinder durchaus "Nein" sagen dürften. Allerdings handle es sich hier natürlich nicht um sexuelle Belästigung.

Beim sexuellen Missbrauch ist meist eine Abhängigkeitsbeziehung zum Täter gegeben. Deshalb ist es für Kinder auch so schwierig, sich Hilfe zu holen. Es geht immer um Bedürfnisse des Täters, nie um die der Kinder. Die Verbreitung pornografischer Bilder habe in den vergangenen Jahren durch das Smartphone stark zugenommen, hieß es bei dem Vortrag. "Hier braucht es unbedingt Medienkompetenz der Kinder", betonte der Sexualpädagoge.

Statistisch könne man davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder sitzen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben. "Die Betroffenen sind schreckhafter als sonst, oftmals voller Scham und Schuldgefühle", berichtete Alina De Stefano. Plötzlich eintretende Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Einnässen oder Daumenlutschen seien ein typisches Signal.

Je näher der Täter dem Kind steht und je weniger dem Opfer geglaubt wird, desto schlimmer sind die psychischen Folgen für das Kind, wissen die Experten. Die Erwachsenen sollten dem Kind auf jeden Fall das Gefühl geben, dass sie ihm glauben und es in jeden weiteren Schritt miteinbeziehen, raten sie. So fühle das Kind, dass nicht wieder - wie beim Missbrauch - über es bestimmt werde, sondern dürfe mitbestimmen.

Selbstsicherheit sei laut De Stefano eine der wichtigsten Schutzmechanismen vor sexuellem Missbrauch. Kinder hätten nie Schuld am Missbrauch. Das sollte den Betroffenen immer klar gemacht werden.

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