Schondraforellen aus der Seewiese

Heimatgeschichte: Johannes Sitter hat ein Buch über die traditionsreiche Fischzuchtanstalt geschrieben

Gräfendorf
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Ein Exemplar seiner Arbeit über das Fischgut Seewiese überreichte Johannes Sitter (links) dem Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel. Hinten von links Petra und Wolfgang Thurn, Siglinde Heinlein und Thorsten Thurn.
Foto: Heinz Scheid
Ein Stück Heimatgeschichte stellt Johannes Sitter mit seiner Dokumentation "Fischgut Seewiese und seine Pioniere" dar. Der Betrieb wird bis heute als Familienunternehmen geführt.
Foto: Heinz Scheid
Ein Stück Hei­mat­ge­schich­te hat Jo­han­nes Sit­ter in sei­nem Buch »Fisch­gut See­wie­se und sei­ne Pio­nie­re« auf­ge­schrie­ben. Es geht um das Saa­le­tal, um Fa­mi­li­en und de­ren Schick­sa­le, aber auch um die be­deu­ten­de Rol­le der See­wie­se in der Fisch­zucht und im un­ter­frän­ki­schen Fi­sche­rei­we­sen.

Friedrich Zenk (Würzburg) erwarb 1882 die Fischrechte am Fischbach, dem Grenzgewässer zwischen Gräfendorf und Schonderfeld, und baute dort die Fischzuchtanstalt Seewiese auf. Diese gewann rasch internationales Ansehen, denn 1883 waren Zenk und die Seewiese auf der Fischereiausstellung in London vertreten.

Im Vordergrund standen Brut und Aufzucht von Forellen, wofür die Seewiese einen Ehrenpreis in London gewann. Neben der »Schondraforelle« wurde auch der »fränkische Karpfen« beworben. Zenk war zugleich Vorsitzender des unterfränkischen Kreisfischerei-Vereins, dem heutigen Fischereiverband Unterfranken in Würzburg. Die Praxis der Fischzucht und die Interessenvertretung der Fischerei waren also personell eng verknüpft.

In der Folge hatte die Seewiese eine Reihe von Besitzern. Gustav Schellhorn fügte 1888/89 das Jagdschloss Seewiese samt Wohnhaus für Diener und Stallungen hinzu (siehe »Zahlen und Fakten«). Über zwei Generationen war die Seewiese im Besitz der Familie Hieke, deren Mitglieder einen »grandiosen Stoff für eine große Saga« böten, wie Johannes Sitter bei der Präsentation seines Buches vorigen Samstag in den Saaletalstuben in Michelau meinte: Vom Schicksal eines behinderten Sohnes bis zum 20 Jahre dauernden Streit um das Erbe.

Schließlich erwarb das Frankfurter Ehepaar Siglinde und Alois Heinlein 1970 die Seewiese. Sie reaktivierten die Fischzucht und bauten das Schloss zu einem Hotel aus. Nach dem 1998 gestorbenen Alois Heinlein ist eine Straße in Gräfendorf benannt, Siglinde Heinlein lebt bis heute in der Seewiese. Ihre Tochter Petra betreibt mit Ehemann Wolfgang Thurn das Fischgut nun im Nebenerwerb.

Anlass für die Arbeit von Johannes Sitter war eine TV-Sendung über die Seewiese. Die Beschäftigung mit den alten Akten habe bei ihm die Neugierde geweckt und zu weiteren Nachforschungen geführt, sagte der frühere Gräfendorfer Bürgermeister und Bezirksrat.

In dem Buch stehe »viel Wichtiges«, lobte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Die Seewiese sei eine der ältesten Fischzuchtanstalten in Deutschland. Mit seiner Fischereifachberatung sorge der Bezirk für rund 230 Teichwirte und 25.000 Angler in Unterfranken. »Wir sollten alle noch viel mehr Fisch essen«, meinte Dotzel, weil es eines der gesündesten Lebensmittel sei.

Er sprach auch Probleme der Fischerei an, wie Kormorane, Fischotter und die Wasserknappheit. Mit seinem teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb in Maidbronn bringe der Bezirk Unterfranken »die Fische in die Bäche zurück«. Ebenso die Flussperlmuschel, aber »an geheimen Orten«. Der Versuch, die seltenen Muscheln mit Unterstützung der Seewiese in der Schondra zu erhalten, gilt hingegen einstweilen als gescheitert.

Zahlen und Fakten: Das Jagdschloss Seewiese

Das Jagdschloss Seewiese beim gleichnamigen Fischgut in Schonderfeld wurde 1888/89 gebaut und hat eine bewegte Geschichte mit einer Reihe von Besitzern und Nutzungen. Es war ab 1928 Erholungsstätte für Kinder und nach dem Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit ein Lazarett. Von 1968 bis 1976 nutzte die Bundeswehr das Gebäude, anschließend erwarb es Alois Heinlein und richtete ein Hotel ein, das 1979 eröffnet wurde.

Ab 1992 betrieb Karl Selig dort ein Altenheim, 2006 richtete ein Pächter einen "Privatclub" im Schloss ein. 2018 wurde das Anwesen wieder verkauft, Hotel und Schwimmbad abgerissen. Vor einigen Wochen soll es erneut zu einem Besitzerwechsel gekommen sein, war bei der Präsentation des Buches "Fischgut Seewiese und seine Pioniere" von Johannes Sitter zu hören. Dem Buch sind die Angaben über das Jagdschloss Seewiese entnommen. (eiei)

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