Schlag gegen Kopf des Türstehers

Strafprozess: Rangelei an Silvester in Marktheidenfeld - 36-Jähriger zu Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt

Main-Spessart
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Ein Vor­fall an Sil­ves­ter ver­gan­ge­nen Jah­res hat am Don­ners­tag für ei­nen 36-Jäh­ri­gen ein Nach­spiel vor dem Amts­ge­richt Ge­mün­den ge­habt. Die An­kla­ge lau­te­te auf ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung.
Der 36-Jährige hatte während einer Rangelei in einer Disco-Lounge in Marktheidenfeld einem 38-jährigen Türsteher einen Schlag gegen den Kopf versetzt und dabei eine E-Zigarette aus Metall in der Hand, was zu einer Platzwunde an der Augenbraue führte.
Weil es sich bei der metallenen E-Zigarette im Sinne des Gesetzes um einen gefährliches Werkzeug handelte, das dazu geeignet ist, eine schwere Verletzung zu verursachen, drohte dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten.
Der Angeklagte beteuerte in seiner Einlassung, dass er sich mit dem Schlag nur aus einer bedrohlichen Lage befreien wollte und nicht in Verletzungsabsicht gehandelt habe. Der Tathergang circa eine Stunde nach Mitternacht war im Wesentlichen unstrittig. Der Türsteher hatte sich in einen verbalen Streit zwischen dem aufgebrachten Angeklagten und dessen damaliger Freundin eingeschaltet und den 36-Jährigen aufgefordert, die Frau in Ruhe zu lassen.
Auf Brustkorb gedrückt
Der betrunkene Angeklagte empfand dies als unberechtigte Einmischung und wollte auf den Türsteher losgehen. Es kam zu einer kurzen Rangelei, an deren Ende der Angeklagte mit dem Rücken auf einer Bank lag und vom Türsteher fixiert wurde. Dabei drückte ihm Türsteher auf den Brustkorb.
»Weil mein rechter Arm eingeklemmt war und ich Angst hatte, keine Luft mehr zu bekommen, habe ich mit der linken Hand dem Türsteher einen Schlag versetzt, damit der mich loslässt«, erklärte der Angeklagte. »Ich habe ihm die Luft nicht abgedrückt und hatte gerade losgelassen, als ich den Schlag erhielt«, sagte der Türsteher. Ein 24-jähriger Zeuge bestätigte im Kern den Tathergang ohne jedoch sagen zu können, wie stark der Türsteher den Angeklagten auf die Bank gedrückt hatte.
Das Verfahren gegen den bisher unbescholtenen 36-Jährigen gegen eine Geldauflage einzustellen, lehnte die Staatsanwältin ab. Sie ging nach der Beweisaufnahme von gefährlicher Körperverletzung aus, wenn auch in einem minderschweren Fall. Sie beantragte eine geringe Freiheitsstrafe, die jedoch in eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 40 Euro (4800 Euro) umgewandelt werden könne.
Richter Jan Teubel kam zu einer anderen rechtlichen Wertung. Er verurteilte den Angeklagten nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2700 Euro (60 Tagessätze zu je 45 Euro). Eine Notwehrsituation habe für den Angeklagten nicht vorgelegen.
Er sei jedoch irrtümlich der Meinung gewesen, dass er sich mit dem Schlag verteidigen dürfe, um sich Luft zu verschaffen. Letzteres sei objektiv aber nicht mehr erforderlich gewesen, weil der Türsteher schon im Begriff war loszulassen. Deshalb habe der Angeklagte fahrlässig gehandelt und dabei Glück gehabt, dass es zu keiner schlimmeren Verletzung gekommen ist, führte Teubel in der Urteilsbegründung aus.
Platzwunde verheilt
Die 1,5 Zentimeter lange Platzwunde ist folgenlos verheilt. Dieser Umstand sowie das Geständnis und eine gewisse alkoholbedingte Enthemmtheit könne zugunsten des Angeklagten berücksichtigt werden. Zu seinen Lasten sei jedoch der Schlag mit einem harten Gegenstand gegen den Kopf zu werten, weil dies ein gefährliches Potenzial vor allem für das Auge des Türstehers dargestellt habe.
Der ohne Verteidiger erschienene Angeklagte hatte Freispruch beantragt. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden. Bernhard Münzel
Bernhard Münzel
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