Prozess nach Angriff auf Busfahrer

Gericht: 20-Jähriger aus Main-Spessart angeklagt

WÜRZBURG
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Mit ei­nem Küchen­mes­ser hat ein 20-Jäh­ri­ger aus dem Land­kreis Main-Spess­art in Würz­burg ei­nen Bus­fah­rer be­droht und ver­sucht, die zu sei­nem Schutz an­ge­brach­te Ple­xi­glas­schei­be aus der Ver­an­ke­rung zu rei­ßen.

Sein Ausrasten nach reichlich Alkohol und einem Joint versuchte der junge Iraker vor Gericht jetzt mit einer emotionalen Ausnahmesituation zu erklären: An dem Tag habe er erfahren, dass seine damalige Freundin »von ihm« schwanger sei, aber das Kind nicht haben wolle.

Beim Einsteigen in den Linienbus, in der Nähe der Würzburger Residenz, an einem Januar- Abend kurz vor 21 Uhr, hatte der Angeklagte den Busfahrer gefragt, ob er Afghane oder Araber sei. Der Mann mit nordafrikanischen Wurzeln soll den Fahrgast sinngemäß gefragt haben, was ihn das angeht und als der diskutieren wollte, ihn »zum Ein- oder Aussteigen« aufgefordert haben. Daraufhin fragte der Fahrgast laut Anklage »Soll ich Dich umbringen?«, zog aus seiner Jacke ein Küchenmesser und versuchte, über die Schutzscheibe hinweg den Fahrer am Kopf zu verletzen. Der hielt seine Hände vor das Gesicht und erlitt dabei zum Glück nur eine Schnittverletzung.

Fahrer in Therapie

Bei wuchtigen Stichen gegen die Schutzscheibe war die Messerklinge um 90 Grad verbogen worden, Fahrgäste beförderten den Angreifer aus dem Bus ins Freie. Der Fahrer war sechs Wochen krank geschrieben, versucht in Therapie das Erlebte zu verarbeiten und habe nach wie vor Angst davor, so der Staatsanwalt, dass der Angeklagte wieder einmal zusteigen könnte.

Das hätte nicht passieren dürfen, sagte der Angeklagte, er bereue es sehr und werde sich, wenn der Busfahrer als Zeuge vor Gericht erscheint, auch entschuldigen. Erinnern könne er sich an den Zwischenfall nicht mehr, wenn Zeugen das so schildern, werde es schon stimmen.

Vom Angriff auf den Busfahrer abgesehen sind weitere vier Anklagen gegen den jungen Mann verlesen worden, der dem Richter Jürgen Reiher nicht erklären konnte, warum er einen beidseitig geschliffenen Dolch mit sich führte und bei Auseinandersetzungen ganz schnell mit »Abstechen« und »Messer in den Bauch« drohte. So zum Beispiel einem Bekannten, nur weil der geliehene 100 Euro zurückhaben wollte.

»Hier brennt es«

Als Untersuchungsgefangener in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aschaffenburg betätigte der Angeklagte den Notruf in seiner Zelle, rief »Feuer, schnell kommen bitte, hier brennt es« und provozierte einen Einsatz mehrerer JVA-Beamter mit Feuerlöschern. Eine Erklärung dafür hatte er nicht, ließ das Personal aber wissen, dass er seinen Pflichtverteidiger aus Würzburg umbringen werde, wenn er den noch einmal sehen sollte. In weiteren Anklagen ging es um den Besitz geringer Mengen von Haschisch und Marihuana sowie um Widerstand und Beleidigung von Polizeibeamten nach aggressivem Verhalten abends auf dem Lohrer Skatepark-Gelände. Anklage Nummer fünf beschäftigt sich unter anderem mit dem Ende einer Beziehung und einem Schlag ins Gesicht seiner damaligen Partnerin. Zur Tatzeit will der Angeklagte gar nicht in Lohr gewesen sein.

Ein Polizeibeamter aus Lohr, der den Angeklagten dienstlich erlebt hat, sprach von zwei Varianten: Er könne sehr freundlich sein, aber es reiche auch schon ein kleiner Funken, um eine Explosion auszulösen. Die Zahl der Einträge im Strafregister ist inzwischen zweistellig. In der nächsten Woche sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

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