Von menschlichem Seelenleben

Klaviermusik: Homburger Konzertreihe mit Pianist Michael Günther erfolgreich fortgesetzt

Triefenstein
1 Min.

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Michael Günther an einem Stuttgarter Hammerflügel von 1815. Foto: Martin Harth
Foto: Martin Harth
Na­tür­lich fühl­te man auch ein we­nig Bit­ter­keit, als Mi­cha­el Gün­t­her an den bei­den ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­den sei­ne Gäs­te nach län­ge­rer Pau­se wie­der zu ei­nem Kla­vier­kon­zert auf Schoss Hom­burg be­grü­ß­en konn­te. Fast ein­ein­halb Jah­re hat­ten die Re­ge­lun­gen der Pan­de­mie sei­ne re­nom­mier­te Kon­zert­rei­he un­ter­bro­chen.

Umso dankbarer zeigte sich der Musiker, dass der aufmunternde Zuspruch aus den Reihen seines Publikums immer spürbar blieb und man ihn zum Durchhalten aufforderte. Musik und Kultur hätten sich als wahre Lebensmittel erwiesen, meinte Günther. Die Menschen sehnten sich nach Ereignissen und Begegnungen.

Deshalb rückte der Homburger zwei der schönsten historischen Hammerflügel aus seiner Sammlung in den Mittelpunkt eines Konzertes, das dreimal mit deutlich begrenzter Gästezahl im Stucksaal des Homburger Schlosses zur Aufführung kam. Mit dem hoch differenzierten Klangbild eines Meisterinstruments aus der Werkstatt von Ferdinand Hofmann, das um 1785 in Wien entstand, traten Werke des Komponisten Franz Xaver Sterkel (1750-1817) in den Blickpunkt.

Zu seiner Zeit zählte der heute fast Vergessene zu den musikalischen Sternen am europäischen Musikhimmel. Geboren in Würzburg, avancierte Sterkel zum Hauspianisten des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz. Er prägte später die Musik am Aschaffenburger Hof. Diese, so führte Günther aus, bleibe heute in ihrer Bedeutung ebenso unterschätzt wie das musikalische Leben am fürstbischöflichen Hof von Würzburg. Eindrücke von Sterkels ganz der klassischen Tradition verpflichteter Schaffenskunst boten eine fließende Fantasie (A-Moll) und ein getragenes Larghetto gefolgt von einem heiter tänzelnden Menuett aus der Sonate C-Dur.

Der Wechsel an einen weit voluminöser klingenden Hammerflügel des Stuttgarters Theodor Christian Haug aus dem Jahr 1815 führte in eine ganz andere musikalische Epoche. Franz Schubert (1798-1828) ging es als einem frühen Vertreter der Romantik in erster Linie um das Seelenleben des Menschen. Dies zeigte Günther virtuos im lebhaften Spiel mit vier der sechs »Moments musicaux« von düsteren bis zu heiteren Impressionen. Aus Schuberts Spätwerk bewegte ein Allegretto-Klavierstück (Nr. 2 Es-Dur) tief.

Bewusst hatte der Homburger Klavierexperte heitere Stücke, auch in den Zugaben, an das Ende seines Programms gesetzt. Denn er hoffe nun wieder auf »heitere und fettere Zeiten«, die da kommen mögen. Sein Publikum bedachte die Aussage mit kräftiger Zustimmung und spendete großen Applaus für ein Rondo über die »Champagner Arie« aus Don Juan des deutsch-dänischen Meisters Friedrich Kuhlau (1786-1832) oder einen volkstümlichen Walzer von Peter Anton Kreusser (1746-1810). Dessen musikalische Karriere sollte diesen einst aus seinem nahen Geburtsort Lengfurt nach Paris und London führen.

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