Dienstag, 29.09.2020
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Pandemischer Tanz als Hörerlebnis in der Kirche

Konzert: Ann-Helena Schlüter spielt eigenes Orgelwerk

Marktheidenfeld
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Aus An­lass des 10. Deut­schen Or­gel­tags freu­ten sich am frühen Sonn­ta­g­a­bend rund 50 Mu­sik­f­reun­de ge­mein­sam mit De­kan Her­mann Be­cker auf ein Kon­zert mit der Würz­bur­ger Or­ga­nis­tin Ann-He­le­na Schlü­ter in der Markt­hei­den­fel­der St.-Lau­ren­ti­us-Kir­che.

Die Regelungen aufgrund der Corona-Pandemie hatten das umfangreiche Programm geistlicher Musik in der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius am Spessart nahezu zum Erliegen gebracht.

Umso größer war nun die Erleichterung, dass Ann-Helena Schlüter ein vielfältiges Programm für die Orgel zusammengestellt hatte. Die Musikerin scheint das Instrument und die besondere Akustik in der Kirche zu schätzen und war schon öfter zu Gast in der Stadt.

Nach dem Ausklingen der Abendglocken im Kirchturm und einem Wort zur Orientierung in besonderen Zeiten für Glauben und Kunst begann Ann-Helena Schlüter mit der Passacaglia g-Moll des Deutsch-Franzosen Georg Muffat (1653 bis 1703).

Norddeutsche Orgelschule

Mit Johann Adam Reincken (1643 bis 1722) und Heinrich Scheidemann (1595 bis 1663) traten zwei Komponisten der Norddeutschen Orgelschule in den Blickpunkt, die in unserer Region eher weniger präsent sind. Reinckens Fuge in g-Moll wirkte lebhaft-fließend, reich an kunstvollen Variationen. Der Choral Nr. 20 »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott« seines Lehrers Scheidemann faszinierte durch kompositorische Klarheit.

In seinen beiden letzten Lebensjahren schuf Wolfgang Amadeus Mozart Werke für die »Orgelwalze«. Mit der Fantasie f-Moll nahm die Organistin zunächst eine getragen-bewegende Trauermusik auf, die in einen sehr lebensbejahenden Kontrast zur »Flötenuhr«, dem volkstümlich-heiteren Andante in F-Dur gesetzt wurde.

Dies war vielleicht als Anspielung an die Zeiten zu verstehen, die wir gerade durchleben. So konnte man auch den eigenen kompositorischen Beitrag von Ann-Helena Schlüter im Programm verstehen. Ihr zeitgenössischer, vierminütiger »Pandemic Dance« über die Manuale und Pedale wurde zu einem Hörerlebnis, in dem sich die Wirrnisse und Unsicherheiten unserer Tage zu spiegeln schienen.

Rhythmische Vielfalt

Ein Schwerpunkt des Konzerts lag in Orgelwerken aus der Weimarer Zeit von Johann Sebastian Bach. Dort werden die Ursprünge der Trio-Sonate d-Moll Nr. 3 vermutet. Ann-Helena Schlüter meisterte deren besondere rhythmische Vielfalt, stellte den mittleren Adagio-Satz mit virtuoser Feingliedrigkeit vor und bot im abschließenden Vivace ein Tempo, das seinesgleichen suchen kann.

Wegen seiner eindrucksvollen Wirkung zählt Bachs »Piece d´Orgue« (Fantasia G-Dur) zu den vielgespielten Werken bei Orgelkonzerten.

Ann-Helena Schlüter verstand es, den Klassiker vom Staub zu befreien und dessen spielerische Qualität virtuos lebhaft darzubieten. Erstmals spielte die Organistin ein weiteres, viel gerühmtes Bach-Werk vor Publikum. Wie zu Beginn erklang eine Passacaglia (c-Moll) und damit ein nachdenklicher, tief empfundener Variations-»Spaziergang« zum barocken Basso Ostinato. Das Konzert wurde vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen. maha

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