Mit Zähigkeit zum Wettkampf-Läufer

Selbstversuch: Frank Zagel nimmt in Ansbach erstmals an einem 7,5-Kilometer-Lauf teil

Roden
3 Min.

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Die Glücksgefühle, sein Ziel erreicht zu haben, überwogen bei Frank Zagel nach dem Lauf gegenüber der Erschöpfung. Foto: Gurpreet Zagel
Foto: Gurpreet Zagel

Nach sechs Monaten Fitness-Training in Form von Jogging und Fahrradfahren hat Frank Zagel am Sonntag seinen ersten »Langstreckenlauf «über 7,5 Kilometer absolviert. Der 46-jährige Lohrer trat beim 7. Ösber Gonserlauf in Ansbach an. Unser Mitarbeiter berichtet im Folgenden von seinen Erfahrungen, vom Training und dem inneren Schweinehund - seinem Hauptgegner.

So schnell wie oftmals die Jahre des Lebens an einem vorbeiziehen, setzen sich auch überschüssige Pfunde an. Mit Mitte 40 am Zenit des Lebens angekommen, stellt sich vielen die Frage, die zweite Hälfte geruhsamer anzugehen oder noch einmal etwas verändern zu wollen. An Weihnachten hatte ich spontan beschlossen, wieder fitter zu werden, als mir die Anzeige auf der Waage nach vielen Jahren des Ignorierens knapp 90 Kilogramm entgegenschleuderte. Laut Body Maß Index bedeutete dieses Gewicht bei 173 Zentimetern Größe einen Wert von 30 mit der Definition Übergewicht.

Die Idee, mit einem Aufruf in den sozialen Medien zur Unterstützung meines Plans diesen in die Realität umzusetzen, gefiel mir. Just zu diesem Zeitpunkt startete die SJG Ansbach mit einer Challenge. Es konnte ein Gratis-Startplatz für den Ösber Gonserlauf im September gewonnen werden. Mitinitiator Michael Weyer schrieb mich an und meinte, er würde mich gerne begleiten, wenn ich mich auch einmal einem Wettkampf stellen möchte.

Einen sportlichen Wettkampf kannte ich bis zu diesem Zeitpunkt für mich nur von den Bundesjugendspielen, in denen ich als Schüler manchmal eine Ehrenurkunde erreichte. Zwar nehme ich regelmäßig an Mountainbike- oder Laufturnieren teil, aber immer nur als Reporter, der beobachtet und darüber berichtet.

Taten folgen lassen

Ein erstes Treffen im März an der Laufstrecke mit Michael Weyer und seiner Schwester Pamela Weyer-Heidenfelder erfolgte im Beisein der Rechtenbacher Lauflegende Sebastiano Ilardi und des zehnjährigen Nachwuchsläufers Clemens Mehling. Die beiden Sportler begleiteten mich auf meinen ersten vier Kilometern - der Anfang war getan. Jetzt hieß es, unter den Augen der sozialen Netzwerke Taten folgen zu lassen.

Eine glückliche Fügung war die Tatsache, dass ein Freund unabhängig von mir wieder mit dem Joggen begann. Mit einigen praktischen Tipps zu Dehnungen und Regeneration von der Physiotherapeutin Pamela Weyer-Heidenfelder begann mein Laufalltag mit fünf Kilometern, davon ein Viertel der Strecke gehend.

Ehrlich gesagt hätte ich mich bei kühlem Regenwetter im April um meine Laufeinheit betrogen, wenn mein Laufkumpan nicht an meiner Türe gestanden wäre. Sehr zum Unmut von Pamela Weyer-Heidenfelder stellten sich bereits nach vier Wochen erste Knieschmerzen ein. »Du denkst nur an das Abnehmen und nicht an deine Gesundheit«, warf sie mir einmal bei unseren monatlichen Fitness-Telefonaten vor.

Mein linkes Knie schwoll so stark an, dass ich eine Arztpraxis aufsuchen musste. Der Orthopäde schmunzelte, als ich von meinem Training erzählte, empfahl Einlagen, Bandagen und gab mir den Hinweis mit auf den Weg, in jedem Fall weiter zu trainieren: »Ihr Körper spricht mit Ihnen, nehmen Sie das an.« Bis Schwellung und Schmerzen nachließen, reduzierte ich das Laufen und wechselte auf das Fahrrad. Ab Juli konnte ich wieder auf bis zu drei Laufeinheiten pro Woche erweitern.

Eigenen Laufrhythmus gefunden

Wenige Tage vor dem eigentlichen Lauf bot mir Michael Weyer an, die Wettkampf-Strecke nochmals in seiner Gegenwart zu joggen. Bei 150 Höhenmetern sind gleich vier längere Steigungen zu bewältigen. Hier heißt es für den Läufer das Tempo so zu reduzieren, dass die Kraft auch für die letzten eineinhalb Kilometer abfallende Strecke reicht und die Geschwindigkeit noch einmal vor dem Ziel angezogen werden kann.

Ein Wettkampf schreibt seine ganz eigenen Gesetze, wie sich am Sonntag in Ansbach beim Rennen mit Hunderten Besuchern und 160 Läufern von zwei bis 75 Jahren bewahrheitete. Die umgebende Stimmung und der Drang, nach einem harten Training auch eine ansprechende Zeit zu laufen, überwogen die schweißtreibenden Anstiege bei sommerlichen Temperaturen.

Wie Michael Weyer empfahl, achtete ich auf meinen eigenen Rhythmus während der ersten Kilometer und fand damit die Kraft, den letzten Berg zügig anzulaufen und sogar zwei weitere Läufer zu überholen. Die vielen anfeuernden Zuschauer in der Zielgeraden lassen den Körper letzte Reserven mobilisieren. Mit einer Zeit von unter 43 Minuten und nach den Trainingsmonaten verlorenen fünf Kilogramm waren am Ende nicht nur ich, sondern auch meine Fitness-Weggefährten der vergangenen sechs Monate mehr als zufrieden.

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