Samstag, 15.05.2021

»Mit dem Tourismus kommt das Geld«

Marktheidenfelder Stadtentwicklungsausschuss: Um fast 40 Prozent brach vergangenes Jahr die Zahl der Übernachtungen in der Stadt ein

Marktheidenfeld
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Wohnmobile auf dem Festplatz Martinswiese in Marktheidenfeld. Archivfoto: Andreas Brachs
Foto: Andreas Brachs

Es war nur eine kleine Rechnung, kurz im Kopf überschlagen, die Michael Seiterle, Geschäftsführer des Tourismusverbands Spessart-Mainland, im Marktheidenfelder Stadtentwicklungsausschuss machte. 77 000 Menschen übernachteten im Jahr 2019 in Marktheidenfeld, so Seiterle. Wer in einem gewerblichen Betrieb mit über zehn Betten übernachte, lasse im Schnitt etwa 130 Euro pro Tag im Urlaubsort. Aus Umfragen wisse man das ziemlich genau. »77 000 Übernachtungen mal 130 Euro ergeben schnell mal zehn Millionen Euro an Wertschöpfung pro Jahr - und da sind die Tagesgäste noch nicht dabei«, rechnete Seiterle. Ein Satz, der im Ausschuss seine Wirkung nicht verfehlt haben dürfte.

Natürlich ist die Situation im echten Leben nicht so einfach zu überschlagen. In Marktheidenfeld übernachten viele Leute aus beruflichen Gründen. Auch gibt es einen erheblichen Unterschied der durchschnittlichen Tagesausgaben bei gewerblichen (130 Euro), privaten (82 Euro) und Campingübernachtungen (29 Euro). Doch die Zahl ist ein guter Anhaltspunkt, wie wichtig der Tourismus finanziell auch für eine industriell geprägte Stadt wie Marktheidenfeld ist.

Dieser Eindruck verstärkt sich sogar noch, wenn man weiß, dass nur etwa die Hälfte des Geldes der Touristen ins Gastgewerbe geht (Hotels und Restaurants). 30 Prozent fließen in den Handel, 20 Prozent in Dienstleistungen. Seiterle: »Mit dem Tourismus kommt das Geld.«

Marktheidenfeld ist im Tourismusverband Spessart-Mainland - dazu gehören 74 Gemeinden in den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart und Main-Kinzig - in den vergangenen Jahren immer in den Top Ten bei den Übernachtungen gewesen. Zwar hinter Wertheim und Lohr, aber vor Miltenberg. Die vergangenen drei Jahre konnte Kulturamtschefin Inge Albert zudem jedes Mal ein »Rekordjahr« bei den Übernachtungen verkünden. Das vergangene war aus bekannten Gründen keines.

Um etwa 40 Prozent brach die Zahl auf 47 800 Übernachtungen ein. Unter der 50 000er-Marke lag Marktheidenfeld zuletzt im Jahr 2009. Dem Marktheidenfelder Gastgewerbe, den Einzelhändlern und Dienstleistern fehlen im Umkehrschluss Umsätze im Millionenbereich.

Aufenthaltsqualität steigern

Aussichtslos sei die Lage jedoch nicht, sagte Seiterle. Viele Gewerbetreibende seien verhalten positiv, dass diesen Sommer die Nachfrage wieder steige. Wie kann die Stadt da unterstützen? »Sie muss das Grundsätzliche machen«, sagte Seiterle. Bei jeder Maßnahme müsse man den Tourismus mitdenken und die Aufenthaltsqualität steigern.

Der typische Spessarter Tourist sei ein Ehepaar zwischen 60 und 75 Jahren, das leichte Aktivitäten wie E-Bike-Touren oder kurze Wanderungen möge und kulinarischen Dingen zugewandt sei. Jüngere Urlauber wiederum suchen Erlebnisse im Spessart, viele zum Beispiel beim Mountainbiken.

Schon Anfang der 2000er-Jahre hat sich in Marktheidenfeld ein Runder Tisch mit dem Ausbau der Radwege im gesamten Stadtgebiet beschäftigt. In den vergangenen Jahren wurde das Thema wieder dringender. Der Stadtentwicklungsausschuss beriet nun darüber, welche Verbindungen man priorisieren sollte. Ziemlich schnell kristallisierte sich eine heraus: Altfeld-Kernstadt. Über dies hinaus solle ein Arbeitskreis die Ideen der vergangenen Jahre bündeln und die Stadt müsse die Verfügbarkeit der Grundstücke klären, forderte Helmut Adam (CSU).

Ludwig Keller (proMar) sagte, dass sich durch E-Bikes die Lage grundsätzlich geändert habe. So könnte auch er mit seinen 75 Jahren von der Kernstadt hochfahren. Holger Seidel (FW) äußerte sein Erstaunen darüber, wie wenig in den vergangenen Jahren trotz des hohen Bürgerengagements bei den Radwegen passiert ist: »Wir müssen gezielt arbeiten.« Martin Harth (SPD) forderte, die gefährlichen Punkte in der Stadt, die es schon jetzt gebe, nicht zu vergessen.

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