Freitag, 14.05.2021

Luftfilter als Lösung für Krimikeller?

Kultur: In seinem kleinen Theater in Rothenfels könnte Michael Franz mit Abstand nur 20 Menschen unterbringen

Rothenfels
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3 Min.

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Auch die Außenbühne im Hof des Krimikellers ist aufgrund der Abstandsregeln für eine Aufführung aktuell zu klein. Hier eine Szene bei einer Probe für »Keine Leiche ohne Lily« im Jahr 2019. Fotos: Susanne Feistle
Foto: Susanne Feistle
Die Bühne im Krimikeller ist noch so, wie sie die Schauspieler Ende Oktober verlassen haben. Michael Franz sieht trotz allem einigermaßen hoffnungsvoll in die Zukunft.
Foto: Susanne Feistle

Die kleine Bühne des Krimikellers in Rothenfels ist seit den letzten Aufführungen des Winterstückes »Die Toten Augen von London« im Januar 2020 unbespielt. Es fand pandemiebedingt keine einzige Aufführung mehr statt. So hat sich Michael Franz, Inhaber des Krimikellers, sein zehnjähriges Jubiläum im vergangenen Jahr nicht vorgestellt. Und auch jetzt, über ein Jahr später, gibt es keine sicheren Perspektiven.

Neben den ganzen pandemiebedingten Unsicherheiten, die für Franz und seinen Krimikeller seit einem Jahr vorherrschen, ist auch der Gedanke, dass die Leute vielleicht gar nicht mehr in den Keller kommen, selbst wenn sie wieder dürften, für Franz sehr schlimm: »Vielleicht haben die Gäste Angst, sich anzustecken. Es ist ja doch eng im Keller«, so Franz.

»Ein bisschen down war ich zwischendurch schon«, gibt Franz zu. Aber dann gab es etwas ganz Entscheidendes, was ihn hoffen lässt, dass auf der kleinen Theaterbühne die Mörder bald wieder ihr Unwesen treiben können - eine Luftfilteranlage.

Fördermittel-Aussicht

Denn bei seiner Recherche ist er auf die Internetseite »Bayern Innovativ« gestoßen. »Die Leute dort waren echt kooperativ. Die haben erklärt, dass Luftfilteranlagen auch für solche Einrichtungen wie den Krimikeller stark gefördert werden können und es eine Kompensation der Einnahme-Ausfälle geben kann«. Das ließ Franz etwas hoffnungsvoller in die Zukunft schauen.

»Eine solche Luftfilteranlage ist für mich essenziell. Sie gibt den Besuchern Sicherheit«, so Franz. Solange die 1,50-Meter-Abstandsregelung gilt, wird er nämlich im Keller nicht spielen können. »Ich bekomme da dann zwölf, vielleicht auch 20 Leute rein. Da kann ich keine teure Produktion spielen.« Franz erzählt, dass es monatelang gar nicht möglich war, Anträge zu stellen; es sei dann aber recht schnell gegangen. »Wenn die technischen Anlagen und die Luftfilteranlagen mitgefördert werden und das alles so funktionieren würde, wäre ich zufrieden.« Er sagt aber auch, dass das nicht zu verallgemeinern ist, da er für seine Bühne alleine verantwortlich ist und er keine Angestellten bezahlen muss.

Einige seiner Schauspielkollegen seien inzwischen auch ziemlich mürbe: »Die wollen spielen. Für die ist das nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft.« Demnächst möchte er mit ihnen eine Videoschalte machen, um Ideen zu sammeln, was möglich ist. »Man muss ja eine Balance finden.«

Weinkisten statt Darsteller

Die große Produktion, die im vergangenen Herbst zum zehnjährigen Jubiläum des Krimikellers geplant war, würde er gerne Ende dieses Jahres spielen. Er glaubt aber nicht so recht daran, dass das möglich sein wird. Das Stück »Sleepy Hollow« von Tim Burton wurde extra vom Autor und Regisseur Matthias Hahn auf Rothenfels umgeschrieben. Der kopflose Reiter soll also durch die Gassen der Stadt reiten und dort sein Unwesen treiben.

Die kleine Bühne im Krimikeller sieht aktuell noch genau so aus, wie sie die Darsteller Ende Oktober verlassen haben. Die Requisiten stehen darauf und die Technik ist zum Proben eingerichtet. Franz hat kurz vor dem zweiten Lockdown noch versucht, die Durchlaufproben zu filmen, aber das war nicht mehr komplett möglich. Er hat dann mit Namen versehene Weinkisten als Darsteller benutzt und so mit allen Mitteln versucht, den Probenstand zu dokumentieren, damit die Gruppe nicht wieder von vorne anfangen muss. Trotz aller Schwierigkeiten wäre eine Fortsetzung der Proben relativ schnell möglich.

Das Stück »Jugend ohne Gott«, das im vergangenen Frühjahr laufen sollte und ein großes Anliegen von Franz war, konnte ebenfalls nicht aufgeführt werden und wird wahrscheinlich auf das kommende Frühjahr verschoben. Und auch die Lesungen, von denen er dachte, dass sie wenigstens im kleinen Kreis zu machen seien, fielen alle aus.

»Im Moment nur grobe Ideen«

Franz könnte sich für diesen Sommer, bei entsprechenden Lockerungen, eine kleinere Produktion im Freien vorstellen. Allerdings auch diese, aufgrund der Enge, nicht im Hof des Krimikellers, aber vielleicht im Kirchhof oder auf der Burg. »Das sind aber im Moment nur grobe Ideen und für die ganz großen Produktionen ist jetzt einfach nicht die Zeit.«

Aber noch etwas anderes bereitet Franz im Moment Kopfzerbrechen. Er wollte ein Grundstück, das direkt hinter dem Keller liegt, kaufen. Dort sollte eine Garderobe für die Darsteller und ein Probenraum, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann, entstehen. Es war so weit auch alles geklärt, aber dann hat der Verkäufer einen Rückzieher gemacht, erklärt Franz. Jetzt möchte er zu diesem Zweck ein Dachgeschoss ausbauen. Aber auch damit kommt er nicht recht voran, da der Denkmalschutz Probleme bereitet. »Die kommen seit Monaten nicht vor Ort. Mögliche Förderungen müssten jetzt aber bald abgerufen werden.«

Es wird also für Michael Franz und seinen Krimikeller auch in der Zeit ohne Aufführungen nicht langweilig. Auch wenn die Unsicherheit und das Fehlen einer Perspektive an ihm zehrt, gibt es auch in dieser Woche einen Lichtblick: Die Spielstätten-Unterstützung wird um ein halbes Jahr verlängert. Und nicht allein deshalb bleibt die berechtigte Hoffnung, dass die Mörder auf der Theaterbühne in der kleinsten Stadt Bayerns auch weiterhin ihr Unwesen treiben werden.

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