Mittwoch, 30.09.2020
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Erlenbacher Firma baut Corona-Testkabinen

Im Hof einer Arztpraxis in Karlburg steht der Prototyp

Erlenbach b. MAR
Corona
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Im Hof der haus­ärzt­li­chen Ge­mein­schafts­pra­xis von Pe­t­ra Gehr­sitz in Karl­burg steht seit ei­ner Wo­che ein Pro­to­typ von Un­ter­su­chungs­ka­bi­ne. Auf den ers­ten Blick er­in­nert die­se Kon­struk­ti­on an ei­ne Mi­schung aus Um­k­lei­de­ka­bi­ne und Beicht­stuhl.

Doch es handelt sich um eine Corona-Testkabine, die dort in Betrieb genommen wurde. Sie ist unterteilt in zwei Kammern mit eigenen Eingängen, eine für die Ärztinnen und eine für die Patienten. Durch eine Glasscheibe in der Mitte können die Mediziner die Menschen sehen, die sich bei ihnen behandeln lassen. Eine Durchreiche ermöglicht es, bei sitzenden Patienten Abstriche zu nehmen oder sie mit dem Stethoskop abzuhören.

Immer frische Luft

Doch wo liegt der Vorteil einer solchen Testkabine? »Die Praxis zu belüften, ist schwierig im Winter«, berichtet Hausärztin Petra Gehrsitz. Die Kabine im Hof habe hingegen Öffnungen zwischen Wand und Decke, durch die immer frische Luft hereinkommt. Bei schönem Wetter könne man auch mal die Türen der Kabinen öffnen. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass man durch die Trennscheibe mit der Durchreiche besser geschützt ist als Ärztin und mehr Abstand halten könne. »Ich fühle mich sicherer«, sagt Gehrsitz.

Während die Menge der Testungen auf Corona im Sommer noch logistisch machbar war für viele Arztpraxen, könnte sich das bald ändern. Schließlich stehe die Erkältungszeit vor der Tür - und die Symptome sind denen von Covid-19 bekanntlich nicht unähnlich. »Im Herbst und Winter haben wir viele Patienten mit einem Infekt. Darauf wollen wir uns vorbereiten«, so Gehrsitz. »Jede Praxis macht sich Gedanken und sucht nach Lösungsmöglichkeiten, wie man das organisieren kann.« Aus baulichen Gründen sei es oft aber gar nicht so leicht möglich, eigene Bereiche für möglicherweise infektiöse Patienten zu schaffen.

Auf die Idee zu so einer Testkabine kam Petra Gehrsitz gemeinsam mit dem Lebensgefährten ihrer Tochter, Johannes Scholz. Dieser leitet nämlich mit seinem Vater das Messebau-Unternehmen Standpunkt in Erlenbach. Da durch Corona so ziemlich sämtliche Messen ausgefallen sind, sah auch die Auftragslage für die Firma des 28-Jährigen entsprechend schlecht aus. Für sämtliche 15 Mitarbeiter musste er bis Ende des Jahres Kurzarbeit anmelden. Die Not machte Scholz erfinderisch. Aus Materialien für Ausstellungssysteme, die das Unternehmen ohnehin im Fundus hatte, baute seine Firma den Prototypen für die Corona-Testkabine. »Das ist eine Win-Win-Situation«, findet Gehrsitz. Für Arzt-Praxen seien solche Kabinen eine günstigere Alternative zu aufwendigen Umbaumaßnahmen. Wichtig sei aber auch, dass die Angestellten von Scholz die Kabinen schnell wieder abbauen können, wenn man im Frühjahr keine Verwendung für diese hat. »Sie sind eine Übergangslösung«, so Scholz. Für seine Firma bietet das Projekt eine gute Möglichkeit, die Zeit ohne Messen zu überbrücken.

Da die Kabinen aus wetterbeständigen Materialien wie Aluminium, Edelstahl und Glas gebaut sind, können sie auch draußen stehen. Wird ein Stromzugang gelegt, ist es sogar möglich, die Kabine zu beheizen. Habe eine Praxis genug Platz, können sie aber auch drinnen aufgebaut werden, also wie eine Art »zusätzlicher Raum«, berichtet Scholz.

Auftrag im Raum Köln

Innerhalb eines Tages könne man Ärzten momentan eine Testkabine zur Verfügung stellen, schätzt Scholz. Die Montage dauere nur drei bis vier Stunden. Wie teuer das ist? Für ein Quartal liege die Miete bei 690 Euro, der Auf- und Abbau kostet zusammen noch einmal 500 Euro. Sein Unternehmen habe derzeit genug der nötigen Teile, um mindestens 50 Testkabinen zu bauen. Scholz: »Falls mehr Bedarf bestünde, können wir auch Teile nachbestellen.«

Was den Umkreis für die Lieferungen betreffe, sei man nicht eingeschränkt, sagt er. »Wir haben jetzt auch einen Auftrag im Kölner Raum.« Trotz dieses Zubrots hofft Scholz natürlich, dass seine Firma bald wieder ihrem eigentlichen Handwerk nachgehen kann. »Die ersten Messen gehen jetzt wieder los.« Vieles sei auch auf Anfang nächsten Jahres verschoben worden. »Wenn das meiste wirklich stattfindet, wäre das gut für uns.«

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