Sonntag, 27.09.2020
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

Des Försters Traumhaus aus Holz

Grüne Hausnummer: In Schollbrunn steht ein Haus, das so intelligent konzipiert wurde, dass es jetzt einen Preis gewonnen hat

Schollbrunn
Kommentieren
3 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Axel und Karin Reichert auf ihrer Schaukel vor dem Haus. Bildunterschrift 2020-09-01 --> Ruhiges Plätzchen: Axel und Karin Reichert auf ihrer Schaukel vor dem Haus. Foto: Martin Hogger
Foto: MARTIN HOGGER

Es stand eigentlich nie zur Debatte, dass es kein Holzhaus wird. Warum auch, ist es doch der Baustoff, mit dem sich Axel Reichert seit Jahrzehnten beruflich beschäftigt. Er ist Förster. »Ich wollte auch ein wenig Werbung für Holz machen«, gesteht er mit einem Schmunzeln. Was er und seine Frau Karin aber nicht sind und auch nicht waren, als sie vor über 20 Jahren ihr Haus gebaut haben: Architekten. Trotzdem haben sie ihr Haus weitestgehend im Alleingang entworfen, erzählen sie bei einem Kaffee auf ihrer Terrasse.

Das Wissen über Holz war ja schon da, den Rest haben sie sich über Jahre angelesen. Ein Onkel habe alles nur noch in einen Bauplan zeichnen müssen, den sie auf der Gemeinde brauchten.

Dieses Haus hat nun einen Preis gewonnen: die grüne Hausnummer. Das ist eine Auszeichnung des Landkreises Main-Spessart (und vieler weiterer Landkreise) für besonders umwelt- und klimaschonendes Bauen und Wohnen. »Ein bisschen Lohn für unsere Arbeit ist es schon«, sagt Axel über den Preis. »Wir hatten vorher auch einfach keine ordentliche Hausnummer«, sagt Karin und lacht.

Jedes Detail hat seinen Grund

Schon beim Betreten des Hauses ist offensichtlich, wie viel Liebe zum Detail das Ehepaar Reichert hier hineingesteckt hat - all das gemischt mit einer gesunden Prise Pragmatik. Der Farbton der Fensterkreuze, neben den Rankgewächsen die einzigen Farbakzente an der Fassade, findet sich zum Beispiel in der Einrichtung wieder. Couch, Sitzkissen, Kaffeetasse. Hat die Farbe Blau eine Bedeutung für die beiden? »Eigentlich nicht. Grün und Rot haben uns einfach nicht so gut gefallen.«

Dieselbe Mischung spiegelt sich auch in der Konstruktion des Hauses wieder. Getragen wird es von gerade mal vier Holzsäulen, die vom Fundament bis zum Dach ragen. Die wenigsten Wände sind tragend, es gibt generell sehr wenige. Vor allem im Erdgeschoss, wo es einen großen Küchen-, Ess- und Wohnbereich gibt. In dessen Mitte führt eine Wendeltreppe in den 1. Stock, die sich um eine Heizung windet. Abgesehen davon, dass die Reicherts den Trend zu offenen Wohnräumen anscheinend schon zehn Jahre vor dem Mainstream entdeckt haben, sparen sie sich dadurch, viele kleine Räume einzeln heizen zu müssen. Dafür war es, so lange die Kinder noch im Haus wohnten, nicht einfach einen Rückzugsraum zu finden, wenden sie selbst ein und lachen.

Form folgt Funktion

Das Haus selbst hat einen quadratischen Grundriss. Auch hier folgt die Form der Funktion, denn: Je weniger Außenfläche, desto weniger Wärme kann durch die mit Hanf und Zellulose gedämmte Holzwand dringen. Für den Rest haben die Reicherts eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und einen Specksteinofen für die Gemütlichkeit.

Ach ja, die Wärme. Die kommt aus dem Nebengebäude, einer Mischung aus Garage, Werkstatt, Galerie und Heizungsraum. Die Reicherts füttern die Heizung ihres Holzhauses mit Holz - Solarenergie gibt es noch zusätzlich. Selbst im Winter reicht es da, einmal am Tag den Ofen anzuschüren. Ein Pufferspeicher speichert dann die Wärme, die über ein Wasserrohr in die Heizung im Haus gelangt. »Wir kommen mit zehn bis zwölf Ster im Jahr aus«, sagt Axel.

Drei Kritikpunkte

Es gibt noch heute viele Häuslebauer, die vor einer so nachhaltigen Bauweise zurückschrecken.

Kritikpunkt 1: Die Kosten

»Ein Holzhaus ist nicht billiger als ein normales, aber auch nicht teurer«, sagt Axel. Außerdem unterstütze man die heimische Wirtschaft und auch die Natur, wenn man mit Rohstoffen aus der direkten Umgebung arbeite.

Kritikpunkt 2: Brenngefahr

»Das ist sehr unwahrscheinlich. Ein solches Haus brennt auch nicht schneller ab, als ein normales. Wasserschäden aber sind tatsächlich etwas gefährlicher.«

Kritikpunkt 3: Langlebigkeit

»Wenn es gutes Holz ist, habe ich keine Bedenken. Dass ein Holzhaus langlebig sein kann, sieht man ja an den Fachwerkhäusern überall.«

Die Reicherts haben sich in Schollbrunn ihr kleines persönliches Idyll geschaffen, weit weg von den immer gleichen Fertighäusern, die die Vorstädte über die vergangenen Jahre gekapert haben.

In ihrem Garten halten sie Hühner, die Äste der Bäume müssen mit Latten gestützt werden, so viel Obst hängt inzwischen dran. Axel Reichert lacht: »Kirschen, Äpfel, Kartoffeln und ein bissl Wein. Wir haben alles, was man braucht.«

Hintergrund

Ruhiges Plätzchen: Axel und Karin Reichert auf ihrer Schaukel vor dem Haus. Foto:

Hintergrund

Das Haus der Reicherts von oben - es trägt nun eine grüne Hausnummer. Foto:

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!