Samstag, 16.01.2021
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Bekommt Urspringen einen Dorfladen?

Nahversorgung: Vertreter des Arbeitskreises berichten, wie es zu dem Projekt kam, welche Schwierigkeiten es gab und wie es weitergeht

Urspringen
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Die Entscheidung, ob Urspringen einen Dorfladen bekommt, wird Ende dieses Monats fallen. Bis dahin haben es die Bürger aus der 1400 Einwohner zählenden Gemeinde, aber auch aus den Nachbarortschaften, selbst in der Hand, ob das Projekt realisiert wird. Im Gespräch berichten die Vertreter des »Arbeitskreis Dorfladen«, wie es überhaupt dazu kam, welche Schwierigkeiten es gab und wie es mit dem Projekt Dorfladen weitergeht.

Ende 2019 hat Carola Kasamas ihr Lebensmittelgeschäft in der Ortsmitte geschlossen. Seither haben die Urspringer, aber auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften, keine Möglichkeit der lokalen Nahversorgung mehr. Bereits im September 2019, kurz nach dem offiziellen Bekanntwerden der Schließung, gab es eine erste Infoveranstaltung, im Oktober 2019 wurde dann der »Arbeitskreis Dorfladen« gebildet. 13 Personen gehören dem Arbeitskreis an, seit Herbst 2020 sogar ein junges Paar aus dem benachbarten Duttenbrunn.

»Es ist extrem schwierig«

Wie hat sich die Arbeit der Gruppe, gerade in Zeiten von Corona, gestaltet? »Es ist extrem schwierig. Für unsere Treffen ist es in Ordnung, die machen wir per Videokonferenz«, erklärt Fabian Kuhn. Problematisch sei es jedoch gewesen, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen. »Eine weitere Infoveranstaltung, bei der die Leute ihre Fragen stellen können, wäre sinnvoll gewesen«, gibt Bürgermeister Volker Hemrich offen zu. Denn dass den Bewohnern manche Fragen unter den Nägeln brennen, merkt er, wenn er im Dorf unterwegs ist.

Hatten die Mitglieder des Arbeitskreises zunächst angedacht, den Dorfladen im bisherigen Lebensmittelgeschäft anzusiedeln, zerschlug sich diese Möglichkeit. »Die neuen Eigentümer hätten uns das Objekt maximal vier Jahre vermietet«, berichtet Andreas Wolf und fügt an, dass der Arbeitskreis eine langfristige Strategie verfolge. Die Suche nach einer geeigneten Immobilie im Ortskern gestaltete sich demnach äußerst schwierig.

Seit November 2020 steht nun fest, dass der Dorfladen an den Ortsrand in Richtung Roden, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bäckerei Otter, kommen soll. Die Firma ETHA würde ihr Tagungsgebäude langfristig zur Verfügung stellen. »Ausreichend Parkplätze, die Bäckerei direkt nebenan und der Durchgangsverkehr sind Punkte, die eindeutig für diesen Standort sprechen«, ist Teresa Weimann überzeugt.

»Außerdem haben wir hier mit dem großen Grundstück viel mehr Möglichkeiten. Sei es, einmal einen Flohmarkt abzuhalten oder eventuell ein Café zu betreiben«, ergänzt Wolfgang Künzl und verweist zudem auf den ökologischen Aspekt des Gebäudes, das mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet ist.

Um das Projekt weiter vorantreiben zu können, sind nun die Bürger gefragt. Geplant ist nämlich die Gründung einer Unternehmergesellschaft, bei der sich die Bevölkerung mittels Anteilen einbringen kann. Einlagen in einer Gesamthöhe von mindestens 80 000 Euro sind nötig, gezeichnet werden können diese ab einem Betrag von 200 Euro pro Person oder Haushalt. Dieser Betrag ist, neben einer in Aussicht gestellten Förderung vom Amt für ländliche Entwicklung, nötig, um einen Warenbestand, Kassensystem, Einrichtung, Miete und Löhne zu zahlen.

1200 Infoschreiben

Der genossenschaftliche Gedanke ist dem Arbeitskreis sehr wichtig. »Alle, die zeichnen, haben auch ein Interesse, hier einzukaufen«, macht Philipp Knorr deutlich und merkt an, dass die Zahlung erst nach der Gründungsversammlung der Unternehmergesellschaft fällig ist. Insgesamt 1200 Infoschreiben mit Absichtserklärung zur Anteilszeichnung wurden kurz vor Weihnachten in Urspringen, aber auch in den Nachbarorten Ansbach, Roden, Duttenbrunn und Stadelhofen verteilt.

Nach Angaben von Bürgermeister Hemrich beträgt der aktuelle Stand an zugesagten Einlagen 44 150 Euro. Sofern bis zum 31. Januar die Summe von 80 000 Euro zusammenkommt, ist die Eröffnung des Dorfladens, dessen Sortiment alles für den täglichen Bedarf sowie örtliche, regionale und unverpackte Waren beinhalten soll, im Sommer geplant. Und was passiert, wenn der Betrag nicht erreicht wird? »Nichts! Dann wird es definitiv keinen Dorfladen geben«, bringt es Michael Gold auf den Punkt und erntet von seinen Mitstreitern zustimmendes Nicken.

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