Poesie à la carte in der Hofbibliothek

Schloss Aschaffenburg: Auch zwei Main-Spessarter servieren literarische Delikatessen in Wort und Reim

Main-Spessart
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Literarischer Ohrenschmaus in der Hofbibliothek in Aschaffenburg.
Foto: Rosemarie Knechtel
Zu ei­nem li­tera­ri­schen Oh­ren­sch­maus lud die Hof­bi­b­lio­thek am Don­ners­ta­g­a­bend ins Aschaf­fen­bur­ger Sch­loss Jo­han­nis­burg. Da­mit wur­de Ka­rin Kuhn, die Lei­te­rin der mehr als 200 Jah­re al­ten Bi­b­lio­thek, dem Auf­trag aus dem Er­be von Kur­fürst Fried­rich Karl Jo­seph von Er­thal ge­recht.
Der Kurfürst, selbst ein Büchernarr, der mehr als 8000 Bücher besaß, vermachte diesen Schatz der Stadt und verfügte mündlich, dass die Literatur dem Volke nahezubringen sei.
Karin Kuhn nimmt dies zum Anlass für viele Veranstaltungen und Lesungen in der Hofbibliothek. Aufs Neue gab es »Poesie à la carte«, zubereitet vom Aschaffenburger Literaturzirkel »Main-Reim«. Bereits zum 11. Mal waren die Main-Reimer zu Gast in ihrem »Wohnzimmer« - der Hofbibliothek Aschaffenburg. Anhand einer lyrischen Speisekarte durfte das Publikum selbst den Verlauf des Abends bestimmen und wählte sich die poetischen Gerichte. Zur Auswahl standen Themen, die in regelmäßigen Arbeitssitzungen entstanden und besprochen worden waren.
Dichterlesung der anderen Art
Serviert wurde in den verschiedensten Variationen, wobei die Gäste von der Vielfalt der Zubereitung überrascht wurden. Die Main-Reimer, zu denen seit vergangenem Jahr auch zwei Mitglieder vom Lohrer »Schreibtisch im Spessart« gehören, warteten wieder mit einer Dichterlesung der etwas anderen Art auf.
Neben einer lyrischen Auseinandersetzung mit Augen, Rost und Buchinger gingen die Poeten auch der Frage nach, ob ein Hai nach zu viel Flaschenbier seine Unschuld verliert oder angesichts der Plattentektonik seinen Brechreiz mit Meditation bekämpfen muss. Dazu standen dem Publikum Bernhard Bauser, Sven Buchsteiner, Natalie Himmelsbach, Uwe Kunz, Uli Moos, Alex Sonnentag und Detlev Stupperich Rede und Antwort.
Auf jedem Tisch lagen wie im Restaurant reichlich »Speisekarten«, auf denen die Stichworte zu den Gedichten im Klartext und mit »Bestellnummer« aufgeführt waren. Die Autoren traten nacheinander in zwei Gruppen auf, während die Moderatoren Alex Sonnentag und Uwe Kunz die Gäste immer wieder aufforderten, ihre aktuelle Bestellung aufzugeben. Der am schnellsten antwortende Zuhörer setzte das nächste Stichwort. Vor Begeisterung kamen von den inspirierten Hörern sogar Stichworte, die gar nicht auf der Karte standen. Daraus wurden dann Publikumswünsche für künftige Reime. Eine Zuhörerin bestaunte die Familiennamen der Autoren und fragte sogar, ob sie nicht mal ein Gedicht darüber schreiben würden. Sobald ein Menüpunkt aufgerufen wurde, lasen die Dichter ihre Werke, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Angefangen beim »Buchinger-Desaster«, das den Namen des deutschen Arztes aus der Sicht einer Buche mit anderen Bäumen verglich, über die Meditation (vom Blick auf den Rauch aus der Pfeife bis zum Terminzwang, um an einer Meditation teilzunehmen), ergötzten sie ihr Publikum auch mit der adverbialen Bestimmung der Zeit »manchmal« in tiefsinnigen sowie humorvollen Worten.
Gedichte zu besonderen Themen
Detlev Stupperich aus Partenstein (Schreibtisch im Spessart) trug dazu den trefflichen Vers vor: »Manchmal denk' ich, das wär' ein Gedicht. Beim Lesen merk ich - schon wieder nicht!«
Wie in den Jahren zuvor wünschten sich die Zuhörer auch diesmal wieder Gedichte zu bestimmten Themen. Zu den rund 20 Werken, die jeder Main-Reimer pro Jahr verfasst, gehören deshalb in diesem Jahr welche mit dem Titel »danach«, »Globalisierung« und »sprachlos«. Rosemarie Knechtel
bAnfragen für Lesungen an und
Termininfo www.main-reim.de
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