Pandemie trifft die Spielstätten heftig

Kultur: Die Spessartgrotte in Langenprozelten nimmt den Spielbetrieb wieder auf, andere Theater noch nicht

MAIN-SPESSART
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Sie sind bereit für die Premiere des Loriot-Sketches »Die Ente bleibt draußen«: Das Ensemble der Langenprozeltener Spessartgrotte mit (von links) Regisseurin Helga Hartmann, Christine Hartmann (Kostüme), die Schauspieler Iris Katzer, Steve Walter und Timo Dassinger sowie Gusti Sommer (Regieassistenz). Foto: Rita Gress
Foto: Rita Gress

Die Corona-Pandemie hat die Theater-Spielstätten in der Region mit Wucht getroffen. Viele Auftritte mussten abgesagt werden, was zu enormen finanziellen Einbußen geführt hat. Lediglich die Spessartgrotte von Helga Hartmann in Gemünden-Langenprozelten nahm im September den Spielbetrieb mit der Komödie »Die Niere« wieder auf. Dem Debüt ging ein umfassendes Hygiene-Konzept und das Einhalten der Abstandsvorschriften voraus.

Legendärer Loriot-Sketch

Seit August proben die Schauspieler Iris Katzer, Steve Walter und Timo Dassinger unter Regie von Hartmann den legendären Loriot-Sketch »Die Ente bleibt draußen«. Das Stück, in dem der Ausnahmekomiker Vicco von Bülow groteske Alltagssituationen in herrliche Wortspiele gepackt hat, feiert am Freitag, 2. Oktober, um 20 Uhr Premiere in der Grotte.

Für den Besuch ist eine Reservierung notwendig. Bei zugehörigem Familienstand sind bis zu zehn Personen möglich. Ein Mund-Nasenschutz muss beim Ein- und Auslass getragen werden. Da die Garderobe entfällt, müssen die Zuschauer ihre Mäntel und Jacken an die ihnen zugewiesenen Sitzplätze mitnehmen. Desinfektionsmittel stehen am Kasseneingang und bei den Toiletten bereit, teilt die Spessartgrotte mit.

»Wirtschaftlich nicht tragbar«

Beim Krimikeller in Rothenfels proben die Schauspieler laut Inhaber Michael Franz auch seit August für das Stück »Sleepy Hollow«. Regisseur und Autor Matthias Hahn hat die gleichnamige US-amerikanische Fernsehserie für die Bühne bearbeitet. »Es war als Jubiläumsstück zu unserem zehnjährigen Bestehen am 25. November geplant«, sagt Franz. Doch wegen der Abstandsregeln würde es nach seinen Angaben auf der Bühne zu eng für das mit vielen Akteuren besetzte Stück.

Der Zuschauerraum im Krimikeller bietet normalerweise Platz für 92 Personen. »Aufgrund der Vorschrift dürften 20 bis höchstens 25 Gäste rein. Weder wirtschaftlich noch atmosphärisch ist das tragbar«, betont Michael Franz. Es sei zu schade, die Vorstellung um jeden Preis durchziehen zu wollen, sagt er. Es werde so lange wie möglich geprobt, um »Sleepy Hollow« im kommenden Jahr in einem angemessenen Rahmen präsentieren zu können.

Da Franz beim Freistaat Spielstättenunterstützung beantragt hat, ist er auch während der Pandemie zu Veranstaltungen verpflichtet. »Voraussichtlich ab November werden wir drei bis vier Lesungen geben - vor relativ wenig Publikum«, sagt der Krimikeller-Inhaber. Die Aufführung »Jugend ohne Gott« von Ödön Horváth in der Bühnenfassung von Michael Franz ist auf 2021 verschoben.

Auch im Frammersbacher Zimmertheater von Kolja Liebscher finden vorerst keine Vorstellungen statt. »Unsere Räumlichkeiten sind zu klein, der Auf- und Abgang ist eng. Abstandsregelung und ein vernünftiges Hygienekonzept lassen sich nicht durchführen«, bedauert Liebscher. Das Theater verfügt über knapp 25 Plätze. »Würde man die Stühle anderthalb Meter auseinanderrücken, bliebe noch Raum für sechs Sitzplätze. Das ist nicht darstellbar«, erklärt der Puppenspieler.

Dreitägiges Theaterfestival

Normalerweise startet »Schatten-Kolja« sein Programm am 3. Oktober mit dem Türöffnertag der Sendung mit der Maus. Dieser muss wegen Corona allerdings bundesweit ausfallen. Sollte es die Lage zulassen, möchte Liebscher in der Adventszeit Familienvorstellungen geben, an denen eine oder eventuell zwei Familien anwesend sein können.

Sein Theater feiert am Sonntag, 21. März 2021 sein fünfjähriges Bestehen. Das Programm für ein dreitägiges Theaterfestival steht bereits. Von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. März, gibt es neben eigenen Darbietungen auch Vorstellungen von einer Bühne aus Berlin, einem Puppentheater aus Heidelberg und einem Figuren-Erzähltheater aus dem oberpfälzischen Postbauer-Heng.

Hintergrund: Zwei Bühnen müssen komplett passen

Sicherheits- und Hygienevorschriften sowie enge Raumverhältnisse im Kulturkeller Mehlingzwingen die Lohrer Gaukler zum Aus in dieser Spielzeit. »Wir starten frühestens in der nächsten Saison wieder«, sagt Herbert Lochner-Grossmann, Vorsitzender des Theatervereins.

»Den erforderlichen Vorgaben konnten wir nicht nachkommen«, betont er. Der Lohrer Mehlingskeller dürfte lediglich zu einem Drittel belegt werden. Das lasse sich aus finanzieller Sicht nicht schultern. Auch sei laut Lochner-Grossmann ein ausreichendes Lüftungskonzept im Keller nicht möglich.

Im Theater in der Gerbergasse in Karlstadt ist das Programm für diese Saison ebenfalls komplett gestrichen. »Wir könnten maximal 30 Personen hereinlassen. Das macht keinen Sinn. Es gäbe kein Feedback und es rentiert sich kostenmäßig auch nicht«, sagt Ralf Mahlo vom gleichnamigen Kartenservice. Alle Termine der Boulevard-Komödie »Jetzt nicht, Liebling!« und das für den Muttertag geplante Konzert mit »Red Pack« sollen 2021 nachgeholt werden. ()

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