Orchesterleiterin aus dem Main-Spessart wird zur Coaching-Autorin

Die Gräfendorfer Dirigentin Laura Breuter-Widera motiviert Musiker auch im Lockdown - Ratgeber mit Tipps verfasst

Main-Spessart
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Laura Breuter-Widera mit ihrem Buch im Probenraum in der alten Schule in Gräfendorf.
Foto: Simon Hörnig
»Es ist so still, dass man je­des Knis­tern in die­sem Raum mit 500 Be­su­chern hört. Al­les war­tet auf die ers­te Be­we­gung Ih­rer Takt­spit­ze, Ih­re Mu­si­ker*in­nen schau­en Sie er­war­tungs­voll an und freu­en sich, den ers­ten Ton spie­len zu kön­nen. Sie neh­men die Ar­me nach oben, Ih­re Mu­si­ker*in­nen at­men tief ein und Ihr Arm fällt zur ers­ten Eins des Stü­ckes.« Ei­ne Kon­zert­vi­si­on wie aus ei­ner an­de­ren Zeit, die Lau­ra Breu­ter-Wi­de­ra in ih­rem Rat­ge­ber »Das Coa­ching für Ihr Or­ches­ter« be­sch­reibt.

Das Buch markiert Breuter-Wideras Debüt als Autorin und hat seiner Entstehung auch durchaus den aktuellen Umständen zu verdanken: »Anfang März letzten Jahres, als plötzlich alles geschlossen wurde, keine Veranstaltungen mehr stattfinden durften und sogar die Universitäten und Musikhochschulen zu hatten, saß ich zu Hause und überlegte mir, wie ich mein Leben in den nächsten Wochen nun gestalten könnte. Das hört sich jetzt wahrscheinlich ein wenig verrückt an, aber ich hatte ganz klar die Vision vor Augen, all mein Gelerntes und Erfahrungen der letzten Jahre niederzuschreiben.«

Und tatsächlich kann die gerade mal 27 Jahre alte Burkardrotherin hier aus dem Vollen schöpfen. Neben ihrem Musikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart absolvierte sie auch eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Dirigentin und leitet seit mittlerweile drei Jahren das 35-köpfige Orchester in Gräfendorf.

Letzteres sei für sie eine Herzensangelegenheit, die von der ersten gemeinsamen Probe an menschlich und musikalisch total harmoniert habe. Aus ihrer dortigen Arbeit stammt auch die Inspiration für eine ihrer »10 Faustregeln«: »Setzen Sie sich Ziele.« »Da hatten wir Sommerpausenloch«, erinnert sich Breuter-Widera. Viele seien nicht so recht für den Probenalltag zu motivieren gewesen. »Da habe ich gesagt, wir haben gerade überhaupt kein Ziel und kommen nicht voran'«. Sie habe daraufhin alle im Kreis um ein leeres Plakat gesetzt und ihre persönlichen Ziele formulieren lassen. Dieser konstruktive Denkzettel hängt auch jetzt noch im Probenraum der alten Gräfendorfer Schule, um jedem vor Augen zu führen, »warum wir das überhaupt hier tun«.

Die Motivationsarbeit ist für Breuter-Widera dabei eine ebenso wichtige Säule im Aufgabenspektrum des Dirigenten, wie die Körperbewusstsein und Kommunikation. All diesen Themen widmet die Autorin daher eigene Kapitel. Wie in jedem Abschnitt des ausdrücklich praxisorientierten Handbuchs stehen auch hier konkrete Übungen im Vordergrund, die das schlanke Werk mit Grafiken, Notenbeispielen und Kopiervorlagen zu einem nützlichen Werkzeug für Orchesterleiter jeglichen Kalibers machen: »Das Buch ist an Laiendirigenten, Profidirigenten, Hobbymusiker und alle die sich einfach ein bisschen mehr mit der Materie beschäftigen wollen, gerichtet.«

Praxisnahe Theorie und konkrete Übungen stehen auch im Fokus eines Konzepts, mit dem Breuter-Widera zusammen mit einigen Studienkolleginnen »mit unseren Orchestern durch die Krise kommen« will. Sie erarbeiteten dafür ein wöchentliches Online-Magazin, das bei ihren Musikern offenbar großen Anklang fand. »Überraschend gut« präsentierte sich daher auch die Übungsleistung bei den vier Probeterminen zwischen den Lockdowns, was Viele damit erklärten, dass sie mangels anderer Freizeitbeschäftigungen gerne auf die bereitgestellten Übungsmaterialien zurückgegriffen hätten.

Bei aller Freude über ihre Erstveröffentlichung vermisst Breuter-Widera die persönliche Arbeit mit ihrem Orchester dennoch sehr, weswegen ihre »schönste Vision« für 2021 »einen Hauch von Normalität« und »die Freude und der Kontakt zu Menschen im Musizieren« lautet.

"Das war alles wie ein Rausch"

Main-Spessart. Die Orchester-Leiterin Laura Breuter-Widera hat ein Coaching-Buch für Orchester verfasst. Dieses Medienhaus hat mit ihr darüber gesprochen.

Sie stellen in Ihrem Buch die Problematik heraus, sich als Frau in Männerdomänen wie Orchesterleitung oder auch der Blasmusik zu behaupten. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Als ich als Kind begonnen habe, Trompete zu spielen, war das auf dem Dorf schon eine kleine Sensation. Es ist immer noch ein zwiespältiges Thema, und Frauen am Dirigentenpult sind eine Rarität. Ich freue mich, dass nun ein Wandel am Entstehen ist, wie man an den großen Orchestern sehen kann. Auch wenn dieses Bild für viele noch ungewohnt zu sein scheint, haben Frauen nun alle Chancen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Verlag?

Die Zusammenarbeit mit dem Fidelio-Verlag verlief sehr professionell, kreativ und individuell. Vor allem die offene Kommunikation und zielstrebige Umsetzung stehen ganz oben. Ich kann nur danke sagen.

In den sozialen Medien lautete einer Ihrer Beiträge: "Nach dem Buch ist vor dem Buch." Sind Sie bereits an etwas Neuem?

Innerlich ja, tatsächlich, es geht ja immer irgendwie weiter, und das war ja alles auch wie ein Rausch, als ich das Buch geschrieben habe. Als ich die Belegexemplare dann nach Hause bekam, war das ein besonderes Gefühl. An dem Tag habe ich mich gefragt: "Was kommt jetzt wohl?" Aber Konkretes gibt es noch nicht. Ich habe mir einfach so Gedanken gemacht. (sih)

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!