Nur fünf Gemeinden im Main-Spessart-Kreis sollen wachsen

Bevölkerung: Neuer Demografie-Spiegel geht davon aus, dass Main-Spessart bis 2039 über fünf Prozent verliert

Main-Spessart
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Nur wenige Gemeinden in Main-Spessart werden in den nächsten Jahren ein Einwohnerplus verzeichnen können, sagt das Landesamt für Statistik voraus. Zu diesen Orten gehört Kreuzwertheim.
Foto: Heinz Scheid
Wenn die Prognose des statistischen Landesamt eintrifft, wird Mittelsinn im Jahr 2033 mit 720 Einwohnern die kleinste Gemeinde in Main-Spessart sein.
Foto: Heinz Scheid
Le­dig­lich fünf Ge­mein­den im Land­kreis Main-Spess­art sol­len laut neu­em baye­ri­schen De­mo­gra­fie-Spie­gel in den kom­men­den Jah­ren wach­sen. Ne­ben Kreuz­wert­heim ge­hört auch Par­ten­stein da­zu

Für die 2056 Städte und Gemeinden im Freistaat hat das Landesamt für Statistik einen neuen Demografie-Spiegel veröffentlicht. Darin werden Bevölkerungsdaten für die nächsten Jahrzehnte vorausberechnet. In Main-Spessart bleibt es beim bisherigen Trend: Die Einwohnerzahl des Landkreises wird deutlich zurückgehen.

Damit bekräftigen die aktuellen Zahlen, was sich seit langem abzeichnet. Demnach verliert Main-Spessart bei der Einwohnerzahl bis 2039 rund 5,4 Prozent. Von den unterfränkischen Landkreisen hat nur Rhön-Grabfeld mit 5,6 Prozent einen höheren Rückgang zu erwarten.

Laut dem Demografie-Spiegel wird über die Hälfte der bayerischen Gemeinden künftig wachsen oder die Bevölkerung nahezu stabil halten. In Main-Spessart sieht es anders aus, denn hier können nur fünf der 40 Orte mit einem Einwohnerplus rechnen. Es sind Schollbrunn, Roden, Partenstein, Kreuzwertheim und Esselbach.

Kreuzwertheim wächst

Bei Gemeinden unter 5000 Einwohnern wurden die Daten für den Zeitraum 2019 bis 2033 berechnet (siehe Hintergrund). In Esselbach soll die Einwohnerzahl von 2077 auf 2170 steigen, in Kreuzwertheim von 3952 auf 3960, für Schollbrunn wird ein Plus von 899 auf 910 angegeben und für Roden von 987 auf 1010. In Partenstein steigt die Einwohnerzahl um 48 auf 2850.

Keine weltbewegenden Steigerungen, aber Entwicklungen gegen den Trend. Was sind die Gründe dafür? Kreuzwertheims Bürgermeister Klaus Thoma zählt gleich sieben Stück auf. Dazu gehören seiner Meinung nach die attraktive Lage seiner Gemeinde mit Streuobstwiesen und der Mainschleife im Himmelreich mit einzigartiger Flora und Fauna; eine gute Verkehrsanbindung; ein starker Wirtschaftsstandort mit vielen Arbeitsplätzen und einem guten Branchenmix.

Pluspunkte seien auch die Infrastruktur von der ärztlichen Versorgung bis zur Kinderbetreuung und allen Schularten im näheren Umkreis sowie der hohe Freizeit- und Erholungswert. Schließlich führt Thoma noch die Nachverdichtung im Altort an, der durch das städtebauliche Entwicklungskonzept immer attraktiver werde. Die Gemeinde unterstütze bei Investitionen in vorhandene Bausubstanz.

Von Marktheidenfeld profitieren

Für Johannes Albert, Bürgermeister von Roden, ist es "erfreulich, dass hier eine Zunahme der Bevölkerung erwartet wird". Es sei wohl so, "dass wir noch vom Wirtschaftsstandort Marktheidenfeld profitieren". Außerdem könne die zentrale Lage von Roden im Landkreis ein positiver Effekt sein.

Mit Esselbach liegt ein weiterer Ort im Umkreis von Marktheidenfeld im Plus. Bürgermeister Richard Roos führt "die gute Kombination aus Arbeitsplätzen in unmittelbarer Nähe" und die gute Infrastruktur im Ort als Faktoren an. Er verweist auf Kindergarten, Jugendräume, aktive Vereine, Geschäfte und Tankstelle. Die Nähe zur Autobahn und damit zum Rhein-Main Gebiet sowie die Ausweisung von Neubaugebieten bei gleichzeitiger Innenentwicklung spielen ebenfalls eine Rolle, meint Roos.

Keine richtige Erklärung hat Stephan Amend, Bürgermeister von Partenstein, für den positiven Einwohnertrend seiner Gemeinde. "Vielleicht liegt es daran, dass wir relativ viele Junge Familien im Ort haben", meint er. In den letzten Jahren habe man viele Geburten verzeichnen können und das werde vermutlich hochgerechnet. Gemünden verliert deutlich

Federn lassen müssen die Städte, wobei Marktheidenfeld mit minus 1,9 Prozent bis 2039 noch am besten abschneidet. Hingegen verlieren Gemünden 8,4 Prozent, Lohr 7,2 und Karlstadt 5,2 Prozent ihrer Einwohnerschaft, wenn die Prognosen eintreffen.

Ausgeprägt bleiben die regionalen Unterschiede im Landkreis. Während vier Orte im Raum Marktheidenfeld mit Zuwächsen rechnen können, verlieren die Gemeinden im Sinngrund mit 8,4 Prozent weiter deutlich und über dem Durchschnitt. Eine Folge der anhaltenden Strukturschwäche im Raum Gemünden. Mittelsinn wird 2033 mit 720 Einwohnern die kleinste Gemeinde in Main-Spessart sein.

Die mit dem demografischen Wandel einhergehende Alterung der Bevölkerung wird sich fast überall in Bayern fortsetzen. Im Main-Spessart-Kreis steigt der Altersdurchschnitt von 46,2 (2019) auf 49,2 Jahre bis 2039.

Hintergrund: Wie vorausberechnet wird

Der Demografie-Spiegel zeigt, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur entwickeln, wenn die Trends zu Geburten, Sterbefällen und Wanderungen anhalten. Methodisch bedingt werden Orte ab 5000 Einwohner bis zum Jahr 2039 vorausberechnet, Gemeinden unter 5000 Einwohner nur bis 2033, teilt das statistische Landesamt mit. Ausnahmeereignisse wie der starke Zuzug von Schutzsuchenden im Jahr 2015 und die Corona-Pandemie hätten zwar kurzfristig einen mitunter starken Einfluss auf die Bevölkerungsentwick­lung, könnten aber auf lange Sicht die seit Jahren bestehenden Trends nicht ändern. Dazu gehört der steigende Altersdurchschnitt. Die Prognosen seien Modellrechnungen, die Daten zu Geburten, Sterbefällen und Wanderungen fortschreiben. Das beruhe überwiegend auf einer Analyse der bisherigen Verläufe dieser Parameter. Vorausberechnungen seien also keine exakten Vorhersagen, "zeigen aber, wie sich eine Bevölkerung unter bestimmten, aus heutiger Sicht plausiblen Annahmen entwickeln würde". (eiei)

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