Durch das Gartenjahr: Im April wächst der Salat heran

Serie: Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten entscheidet nicht der Kalender

MAIN-SPESSART
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Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
Foto: Monika Büdel
Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
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Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
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Kerbel verwendet Ingrid Karl für eine Kräutercremesuppe.
Foto: Monika Büdel
Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
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In­grid Karl in Neu­hüt­ten hat in ih­rem zer­ti­fi­zier­ten »Bay­ern blüht«-Na­tur­gar­ten in­zwi­schen die ab­ge­s­tor­be­nen Stau­den­stän­gel vom Herbst ab­ge­schnit­ten und den Früh­lings­putz be­en­det. Doch auch wenn vor ein paar Ta­gen ka­len­da­risch der Früh­ling be­gon­nen hat, rät sie zur Zu­rück­hal­tung bei der Aus­saat. Ihr Tipp für die nächs­ten Wo­chen: An der Na­tur ori­en­tie­ren, nicht am Ka­len­der.

Hobbygärtnerin begleitet uns durchs Gartenjahr und wir ihren Garten. Sie schneidet die Rosen nicht vor der Forsythien-Blüte. Im Kreis Main-Spessart sind große Unterschiede möglich. In den milden Weinbauregionen am Main treiben Blätter und Blüten zwei bis drei Wochen früher aus als in den höher gelegenen und klimatisch raueren Spessartorten. Mit dem Aussäen solle man warten, bis der Boden erwärmt ist, sagt die 50-Jährige. Dann geht das Keimen schneller, was den späteren Aussaattermin wieder wettmacht.

Kein Torf

Die Zeit bis dahin nutzt Karl für die Vorkultur im Haus. Jetzt, Ende März, können immer noch Tomaten und Paprika ausgesät werden. Vor allem, wer diese Pflanzen fürs Freiland vorzieht und kein Gewächshaus hat, ist gut beraten nicht zu früh damit zu beginnen. Paprika und Tomaten sind frostempfindlich und dürfen erst Mitte Mai nach den Eisheiligen nach draußen. Zu früh ausgesät oder an einem zu warmen Standort im Haus wachsen die Pflanzen schnell, sind aber nicht widerstandsfähig.

Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
Foto: Monika Büdel

Für die Vorkultur eignen sich Eierkartons oder aus Zeitungspapier gerollte Töpfchen. Sie lassen sich in den nächstgrößeren Topf mitsamt dem Pflänzchen setzen. Die Neuhüttenerin verwendet für die Zeitungstöpfchen ein Bastelgerät namens Pottery-Maker. Es funktioniert auch ohne, wenn man das Papier um einen zylindrischen Gegenstand rollt, zum Beispiel ein kleines Schraubglas. Dabei lässt man das Papier etwas überstehen, um den Boden zu falten. Schildchen zum Beschriften schneidet Karl aus dünnen Plastikbechern, die zum Verkauf von Joghurt und ähnlichem mit Pappe ummantelt waren.

Was die Erde für die Vorkultur anbelangt, ruft die Neuhüttenerin auf, auf torffreie Anzuchterde zurückzugreifen, um die Moore zu schützen. Moore sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und ein großer CO2-Speicher. Im Handel gibt es als Alternative Blocks aus Kokosfaser, die mit Wasser aufgegossen zu einem Pflanzsubstrat aufquellen.

Unproblematisch ist diese Alternative allerdings nicht, wie beispielsweise auf der Webseite utopia.de nachzulesen ist. Dabei sei das Problem nicht die Kokospalme an sich, sondern die Monokulturen, die zur Gewinnung von billigem Fett und Öl angebaut werden. Dafür aber werde Regenwald abgeholzt. Laut utopia.de kommt es darauf an, unter welchen Bedingungen die Kokospalmen angebaut werden. Für die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichneten Kokosblöcke werde auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Löhne geachtet und Entwicklungsprojekte gefördert. Zu bedenken sei auch der lange Transportweg.

Mangold statt Spinat

Im Hochbeet mit Haube wächst bei Ingrid Karl derweil der erste Salat heran, den sie als Pflanzen gekauft und Anfang März gesetzt hat. Das meiste, was in ihrem Garten wächst, zieht sie selbst vor. Jetzt ist es außerdem Zeit zum Düngen: Im naturnahen Garten wird organisches Material wie Kompost, Hornspäne oder abgelagerter Pferdemist, je nach Nährstoffbedarf der Pflanzen, leicht in den Boden eingearbeitet.

Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
Foto: Monika Büdel

In dem Neuhüttener Garten wird derzeit nicht nur gesät. Die Gärtnerin erntet Feldsalat, den sie im Herbst gesät hat, ebenso Kerbel. Aus dem Kerbel, der noch vom Herbst in Karls Garten steht, kocht die 50-Jährige gerne eine Kräutercremesuppe. Mit etwas Glück treibt der Mangold vom Vorjahr noch einmal aus. Ingrid Karl verwendet die Sorte Everglade, ein Schnittmangold. Es lassen sich immer wieder - wie beim Pflücksalat - Blätter abschneiden und neue wachsen nach. Deshalb wird er auch ewiger Spinat genannt.

Klassischer Spinat, für den jetzt Zeit für die Aussaat im Freiland ist, hat den Nachteil, dass er nur eine kurze Erntezeit im Mai beschert. Anschließend schießt er. Beim Mangold ist Stiel- und Blattmangold zu unterscheiden. Für die Aussaat im Freien sollte man bis Mai warten. Kältereiz führt zu frühzeitiger Blüte, was den Ertrag schmälert. Er kann aber jetzt im Haus vorgezogen werden.

Beeren statt Buchs

In Karls Frühbeet sind die ersten Radieschen aufgegangen. Außerdem experimentiert sie zum ersten Mal mit Brokkoli und Sprossenblumenkohl und hat sogenannte Buchs-Heidebeeren gepflanzt. Sie seien der Waldheidelbeere sehr ähnlich, sagt Karl und eine Alternative zu kränkelnden Beeteinfassungen aus Buchs. Der Vorteil der Heidelbeer-Büschchen: Sie liefern leckere Früchte.

Im Naturgarten von Ingrid Karl in Neuhütten.
Foto: Monika Büdel

Auf der Webseite der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim heißt es zu diesem Thema: »Höhere Ansprüche stellen sowohl die niedrig wachsende, schnittverträgliche Heidelbeerart 'Berry-Bux' als auch der spezielle Rhododendron 'Bloombux'. Sie vertragen weder volle Sonne noch lufttrockene Gebiete. Da sie zudem saure und feuchte Böden beziehungsweise Substrate benötigen, sind sie vor allem als Kübelpflanzen prädestiniert.« Für den saueren Boden sorgt Karl mit Kaffeesatz.

Vorsicht bei Schneckenkorn

Damit die Schnecken nicht alles auffressen, streut die Gärtnerin Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen(III)-Phosphat. Es hat laut Verbraucherzentrale so gut wie keine negative Umweltwirkung. Dagegen warnen die Verbraucherschützer vor Schneckenkorn mit Metaldehyd: Sollten Mensch und Tier davon verzehren, könne es zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Gartentipps für den April

Der Schutz empfindlicher Pflanzen sollte nur nach und nach entfernt werden, empfiehlt die Neuhüttener Hobbygärtnerin Ingrid Karl. Noch gebe es Nachtfröste und wenn dann am Tag die Sonne auf die abgedeckten Pflanzen sticht, komme es zu Schäden. Frühe Aussaaten lassen sich mit Gartenvlies schützen.

Der April ist ihrer Meinung nach ideal für die Vorkultur im Haus von Salatgurken, Zucchini und Kürbis. Bei der Salatgurke erziele sie gute Erfolge mit der Sorte »Piccolini«. »Rudi« ist ihre Lieblingssorte Radieschen. Beim Kohlrabi rät sie zu Sorten, die lange im Beet stehen können ohne holzig zu werden, wie beispielsweise Kossak.

Außerdem sei jetzt die Zeit, das Bepflanzen von Terrassen- und Balkongärten zu planen. Selbst wenn nur Platz für wenig Kästen und Töpfe ist, lasse sich so ein Minigarten bienen- und insektenfreundlich gestalten und mit der Vorkultur beispielsweise von Zinnien beginnen. Viele Küchenkräuter wie Oregano und Basilikum zögen Insekten an. für den »essbaren« Balkonkasten eigneten sich Peperoni, Snackpaprika und kleine Tomaten. Angst vor Bienen, so Karl sei unbegründet: »Sie stechen nur im äußersten Notfall.«

Wer sich für die Zertifizierung »Bayern blüht - Naturgarten« interessiert, findet Informationen unter www.lwg.bayern.de und unter Tel. 09353 793-1805. (mb)

Rezept: Ingrid Karls Kräutercremesuppe

Zutaten: 250 Gramm Kartoffeln, ein halber Liter Gemüsebrühe, je ein halber Bund Kerbel und Brunnenkresse, ein Bund Schnittlauch, 250 Milliliter Sahne, Salz und Pfeffer, zwei Esslöffel Schmand.

Zubereitung: Die Kartoffeln schälen und würfeln. In der kochenden Gemüsebrühe zehn Minuten köcheln lassen. Schnittlauch in Röllchen schneiden, Blättchen von Brunnenkresse und Kerbel abzupfen. Zwei Drittel der Kräuter und die Sahne in die Kartoffel-Gemüsebrühe-Mischung geben und alles pürieren. Die restlichen Kräuter unterheben, mit Salz und Pfeffer würzen und mit Schmand verfeinern. Laut Ingrid Karl funktioniert das Rezept auch mit Bärlauch, verschiedenen anderen Wildkräutern und Gartenkresse. Anmerkung der Redaktion: Wer es vegan haben möchte, ersetzt Schmand und Sahne durch Hafersahne (auch Hafercreme oder Hafer Cuisine genannt). (mb)

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