Neues Klinikum Main-Spessart nah am Passivhaus-Standard

Energiekonzept: Blockheizkraftwerk, Biomasse, Wärmepumpe und Betonkernaktivierung

Main-Spessart
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Im En­er­gie­kon­zept für das ge­plan­te neue Kli­ni­kum Main-Spess­art soll Nach­hal­tig­keit ganz groß ge­schrie­ben sein. Die be­nö­t­ig­te En­er­gie soll mög­lichst um­welt­f­reund­lich er­zeugt wer­den und für Be­hag­lich­keit im Ge­bäu­de sor­gen. Aber auch wirt­schaft­lich muss das Kon­zept stim­men.

Dabei will sich der Landkreis als Bauherr an seiner eigenen Leitlinie für nachhaltiges Bauen orientieren und beim neuen Klinikum nah an den Passivhaus-Standard herankommen, entschied der Werkausschuss des Kreistags am Montag. In dem Beschluss heißt es weiter, es solle ein möglichst hoher Anteil erneuerbarer Energie genutzt werden, samt "hocheffizienter Technik wie Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmepumpen".

Man werde "ein hocheffizientes Gebäude bauen", sagte Architekt Linus Hofrichter. Das beginne schon beim Baukörper, der sehr kompakt sei. Ökologie und Nachhaltigkeit würden heute automatisch von den Planern berücksichtigt. Das sei auch bei den Zulieferern für Bau und Ausstattung des Gebäudes so.

"Wir nähern uns einem Passivhaus-Standard an", meinte Hofrichter. Ein Krankenhaus stelle beim Energiebedarf aber besondere Anforderungen. Es gebe in ganz Europa noch keine Passivhaus-Klinik. Doch wie stellen sich Architekt und Fachplaner das Energiekonzept fürs neue Klinikum vor?

Es soll möglichst wenig Energie verbrauchen und die benötigte Energie soll möglichst klimaneutral bereitgestellt werden. Das sind die Leitlinien. Aber auch Wirtschaftlichkeit, zum Beispiel die späteren jährlichen Energiekosten, und der Nutzerkomfort sind einbezogen.

Fünf Varianten wurden durchgespielt und verglichen. Empfohlen wird eine Kombination von mehreren Komponenten, nämlich Biomasse, Blockheizkraftwerk, Wärmepumpe und Kälteerzeugung. Hinzu kommt die sogenannte Betonkernaktivierung.

Das Blockheizkraftwerk erzeugt Strom und Wärme, das eingesetzte Erdgas wird effizient genutzt. Im Sommer kann die Abwärme zur Erzeugung von Kälte genutzt werden.

Die Spitzenlast beim Heizen soll durch einen Biomassekessel gedeckt werden. Brennstoff können Hackschnitzel oder Pellets sein, die von einem Anbieter mit regionaler Produktion stammen.

Ein zusätzlicher Punkt ist die Betonkernaktivierung. Darunter sind wasserführende Leitungen in den Betondecken zu verstehen, wodurch Gebäudeteile temperiert werden können. Das System soll nur in Patientenzimmern eingesetzt werden, nicht in Funktionsräumen.

Die Wasserschläuche im Beton dürften vor allem im Sommer nützlich sein. Dann könnten die Temperaturen in den Patientenzimmern um einige Grad heruntergekühlt werden, was den Aufenthalt erträglicher mache. Das führe zu einer höheren Behaglichkeit im Gebäude. Man dürfe dieses Thema nicht unterschätzen, sagte Hofrichter, denn die Hitzebelastung im Sommer nehme zu.

"Die Wärme- und Kälteversorgung muss ein großer Wurf sein", forderte Heidi Wright (SPD) von den Planern. Brigitte Riedmann (Freie Wähler) sprach von "Spitzentechnologie", die im neuen Klinikum eingebaut werde.

Für "langfristig die beste Lösung", hielt Architekt Linus Hofrichter die empfohlene Variante. Der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, Michael Kohlbrecher, trägt das Energiekonzept mit. Er sei eng in die Planungen eingebunden gewesen, sagte Kohlbrecher.

Zahlen und Fakten: Energiebedarf des neuen Klinikums

Die Energie ist ein großer Kostenfaktor beim Neubau des Klinikums Main-Spessart. Für das vom Werkausschuss des Kreistags beschlossene Konzept ist eine Investition von 9,31 Millionen Euro veranschlagt. Die jährlichen Kosten sind auf 2,46 Millionen Euro kalkuliert; dabei sind Verbrauchs- und Betriebskosten sowie die einmaligen Investkosten einbezogen. Der jährliche Wärmebedarf des neuen Klinikums wird mit 3,1 Millionen Kilowattstunden angegeben, das entspricht der Menge von rund 125 Einfamilienhäusern (durchschnittlicher Bedarf 25000 Kilowattstunden). Außerdem ist beim neuen Klinikum ein erheblicher Bedarf an Kühlenergie zu berücksichtigen, nämlich 1,62 Millionen Kilowattstunden im Jahr. (eiei)

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