»Neben dem seriösen Beruf war ich auch eine Rampensau«

85. Geburtstag: Eva Fejèr aus Frammersbach blickt auf ein bewegtes Leben zurück - Bekannt als Sängerin und Kabarettistin

Frammersbach
2 Min.

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Noch mit 85 Jahren verströmt Eva Fejèr ihr Charisma. Gerne würde sie bald wieder auf der Kabarettbühne stehen. Foto: Horst Born
Foto: Horst Born
Kaum zu glau­ben, wenn man sie sieht: Eva Fe­jèr aus Fram­m­ers­bach fei­ert an die­sem Frei­tag ih­ren 85. Ge­burts­tag. Die rüs­ti­ge Da­me aus der Wald­sch­loss­stra­ße kann auf ein er­eig­nis­rei­ches Le­ben zu­rück­bli­cken und tut dies ger­ne.

Geboren wurde sie am 15. Oktober 1936 als erstes Kind ihrer Eltern Sandor und Rosalia Hèdl in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Der Vater war ein berühmter ungarischer Pilot und Fluglehrer, berichtet die Jubilarin. Die Mutter Damenschneiderin mit einer schon damals modernen Lebensphilosophie. Sie legte viel Wert darauf, dass die Tochter einen Beruf erlernt.

Jedoch geriet Eva Fejèr nach dem Abitur mit 20 Jahren in die Wirren der ungarischen Revolution 1956. Als Aktivistin bei Demonstrationen lehnte sie sich gegen die Regierung der kommunistischen Partei und der sowjetischen Besatzungsmacht auf. Sie stand auf der Fahndungsliste der Staatsschutzbehörde AVH. So blieb ihr nur die Flucht über die Grenze in das österreichische Traiskirchen. Von dort ging es weiter nach Chur im Schweizer Graubünden.

An ihrer Seite hatte sie Zsolt Fejèr. Dieser war ein erfolgreicher und berühmter Schwimmer im Schmetterlingsstil. Er war für Ungarn für die Olympiade in Melbourne 1956 nominiert, was ja nun nicht mehr ging. Er wechselte zum Schweizer Verband in das Nationalteam. Um nicht getrennt zu werden, heiratete das junge Paar schnell. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Nach zehn Jahren ließen sich die Eheleute scheiden.

Eva Fejèr nahm ihr Leben selbst in die Hand. Sie erfuhr von der Berlin-Förderung und zog nach Westberlin. Dort studierte sie erfolgreich in der staatlichen Technikerschule Kartographie. Nach einer Anstellung in Hannover kam sie über ihren guten Kontakt zu Professor Klitsch an die Technische Universität in Berlin. Dort begleitete sie 28 Jahre lang als Kartographin die Forschungsarbeiten des Professors, ehe sie in Rente ging. 1978 nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Liebe zum Chanson

»Neben dem seriösen Beruf war ich aber auch eine Rampensau«, sagt Eva Fejèr mit einem Schmunzeln im Gesicht. Sie entdeckte schon früh ihre Liebe zum Chanson und widmete sich erfolgreich auf zahlreichen Bühnen diesem zweiten Standbein. Der Freitag- und Samstagabend gehörte den »Brettern, die die Welt bedeuten«. Schnell hatte sie sich in der Kabarettszene einen guten Namen gemacht und bekam viele Engagements. Sie präsentierte gekonnt Chansons, Couplets, Lieder und Gassenhauer aus den goldenen 20er-Jahren. Dabei lernte sie unter anderem auch Udo Lindenberg kennen und wirkte im Hintergrund in einigen seiner Musikvideos mit.

»Dabei habe ich meine Küchenkasse gut aufgebessert und konnte meine beiden Kinder bei deren Studium finanziell unterstützen«, sagt Eva Fejèr. Sie bekennt freimütig: »Ich habe keine besonders gute Stimme, aber ich kann mich gut verkaufen, kann tanzen und gut sprechen.« Auch in Frammersbach verzückte sie durch ihre Auftritte bis vor Kurzem das Publikum. Der Erlös aus den Veranstaltungen kommt stets der Kinderkrebsstation in Würzburg zugute.

Vom Kudamm in den Spessart

In die Spessartgemeinde kam sie durch ihren Sohn Zsolt Peter Fejèr. Dieser fand eine Anstellung bei der Firma WM-Küchen in Frammersbach. »Da ich nicht allein am Kudamm sitzen wollte, bin ich meinem Sohn in den Spessart gefolgt. Wunder geschehen, inzwischen bin ich eine Frammersbacherin geworden und fühle mich hier sauwohl. Die Marktgemeinde ist meine neue Heimat.« Sie ist beliebt im Ort und hat viele Freundschaften geknüpft.

Eva Fejèr liebt den Wald und genießt gerne kommunikativ ein Bierchen in Gesellschaft in der Waldschlossbrauerei. Auch lädt sie gerne Gäste zum gemeinsamen Kochen in ihre gemütliche Wohnung ein. Gefragt, was sie noch gerne machen würde, nennt sie eine Reise nach Tibet. »Zwar komm ich nicht mehr auf den Himalaja rauf, aber das Land würde ich mir gerne anschauen.«

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