Musikabend mit sinnlichem Charme

Konzert: Ensemble »Cello 'n' Coffee« mit klassischen Kompositionen und Musik aus Spielfilmen der 1930er Jahre

Lohr
2 Min.

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»Cello 'n' Coffee« aus Würzburg gastierte mit einem Mix aus klassischer Musik und Kaffeehausmusik im alten Lohrer Rathaussaal (von links): Tomo Rozman, Ruben Jeyasundaram, Tilmann Wehle und Ivan Turkalj.
Foto: Ulf Kampfmeier
Rich­ti­gen Kon­zert­cha­rak­ter sind die vier Mu­si­ker nicht ge­wohnt, wenn sie als »Cel­lo 'n' Cof­fee« auf­spie­len. Dann wer­den sie meist von der Mu­sik­s­tif­tung »Li­ve Mu­sic Now«, die der be­rühm­te Gei­ger Ye­hu­di Men­u­hin 1977 grün­de­te, in ka­ri­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen ge­schickt, um vor Men­schen auf­zu­t­re­ten, die Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen nicht mehr sel­ber be­su­chen kön­nen - al­so kommt die Mu­sik zu ih­nen.
So fördert die Musikstiftung nebenbei auch junge Talente, deren musikalische Karriere gerade erst begonnen hat. Bei »Cello 'n' Coffee« aus Würzburg sind das lauter Cellisten, die Ruben Jeyasundaram um sich versammelt hat.
Beim Konzertauftritt im alten Lohrer Rathaussaal auf Einladung des Kunst- und Kulturvereins hatten die vier Cellisten ein 90-köpfiges Publikum vor sich, das sich auch für die ungewöhnliche Besetzung interessierte. Das hing auch mit dem ungewöhnlichen Namen des Nachwuchsensembles zusammen.
Neben klassischen Kompositionen unter anderem von Telemann, Mozart oder Debussy, die zumeist gar nicht für Cellisten geschrieben wurden, kamen in der zweiten Konzerthälfte Stücke aus deutschen Spielfilmen der 1930er und 1950er Jahre zum Vorschein, die eine Art von Kaffeehausatmosphäre herbei zauberten. In der Pause meinte eine Zuhörerin zu den Musikern, es sei »wunderschön, dass ich sie heute abend erleben kann«.
Die Filmmusik ist gut geschrieben, erläuterte Ivan Turkalj, was für die vier Cellisten selber eine Überraschung war, als sie sich damit zu befassen begannen. Außerdem bereitet die Schlagermusik auch dem Publikum Vergnügen. Zum Repertoire gehören Stücke wie »Bei Dir war es immer so schön« und »Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da« von Theo Mackeben und Hans Fritz Beckmann oder auch »Kann denn Liebe Sünde sein« von Bruno Balz und Lothar Brühne, das durch die Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander berühmt wurde.
Gespielt auf vier Celli mit gezupfter Basslinie bekam »Kann denn Liebe Sünde sein« einen sinnlichen Charme, wie er auch dem damaligen Kinostar eigen war. »Bei Dir war es immer so schön« versackt so richtig schön im zeittypischen Geigenschmalz, das die Celli gut hinbekommen. Der Tonumfang dieses Instrumentes gibt das durchaus noch her.
Ruben Jeyasundaram sagte zur Gründung von »Cello 'n' Coffee«, »Unterhaltungsmusik wollten wir uns selber drauf schaffen«, weil sie im Ausbildungsalltag nicht vorkommt. Außerdem macht solche Musik, die sich zum Tanzen eignet, auch den Musikern selber Spaß.
Vor dreieinhalb Jahren lernten sich die vier Cellisten in Würzburg kennen, soweit sich sich nicht schon vorher begegnet waren. So waren sich Ruben Jeyasundaram und Tilmann Wehle schon als Kinder bei ihrem ersten Cellolehrer über den Weg gelaufen. Das Muster lautet zwei mal zwei auf einem Instrument, wie Ivan Turkalj sagte, der wie Tomo Rozman aus Kroatien kommt.
Die klassischen Stücke im ersten Konzertteil suchte sich »Cello 'n' Coffee« eher nach äußeren Kriterien heraus, um so überhaupt spielen zu können. So griffen sie zum »Konzert für vier Violinen D-Dur« von Georg Philipp Telemann und zum »Divertimento C-Dur« für vierhändiges Klavier von Wolfgang Amadeus Mozart jeweils in Transkription für vier Violoncelli. Eine Komposition des Cellomeisters Julius Klengel (1859 bis 1933) für vier Celli passte perfekt zu »Cello 'n' Coffee«.
Durch überaus warmen Applaus konnte das Publikum am Freitagabend vier Zugaben aushandeln, darunter ein kroatisches Tanzlied. Den Abschluss bildete »Ein Walzer für dich und mich« zum Pfeifen auf dem Nachhauseweg, so Ruben Jeyasundaram. Zufrieden meinte Jürgen Baerwind vom Lohrer Kunst- und Kulturverein, dies sei ein »sympathischer Abend« gewesen.
Ulf Kampfmeier
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