Mehr Selbstbestimmung und Teilhabe

Behinderungen: Das Bundesteilhabegesetz beginnt gerade erst seine Umsetzung - SPD-Abgeordnete im Dialog

MAIN-SPESSART
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Vor zehn Jahren hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und ratifiziert. Mehr Selbstbestimmung und Teilhabe für Menschen mit Behinderung - das ist seit 2016 Ziel des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Wie es umgesetzt wird, war Thema einer Dialogveranstaltung des SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel.

Rund 20 Interessierte kamen dazu im Gasthof »Zum letzten Hieb« in Langenprozelten am Donnerstag zusammen. »Behinderungen können jeden treffen - und das jederzeit«, erklärte der SPD-Politiker.

Meist erst im Lauf des Lebens

Lediglich zehn Prozent aller Behinderungen seien angeboren, die restlichen 90 Prozent werden im Lauf des Lebens erworben. Umso wichtiger sei es, dass Menschen mit Behinderungen trotzdem am Leben selbstbestimmt teilhaben können.

Als »lernendes Gesetz« bezeichnete Angelika Glöckner, die behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion das BTHG. Es sei zwar gemacht, fange aber jetzt erst an. Der Kern des Gesetzes ist mehr Selbstbestimmung und Teilhabe für Menschen mit Behinderung. Es sei personenzentriert und solle ermöglichen, Menschen mit der Leistung zu unterstützen, die sie gerade benötigen.

Verbesserung in Werkstätten

Neu ist auch eine ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB), bei der Menschen mit Behinderungen andere Behinderte beraten. Ein weiterer großer Punkt sei zudem die Verbesserung der Werkstätten. Dazu wurden unter anderem das Budget für Ausbildungen erhöht und ein Rückkehrrecht erwirkt.

Dieter Körber, Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, berichtete von seinen Erfahrungen: »Wir finden es gut!«. Gerade in den Werkstätten habe es deutliche Verbesserungen gegeben. Herausforderungen sah Körber im Vereinen von Wohnen und Arbeiten. Die Fachberaterin der EUTB in Gemünden, Silvia Glassen, erläuterte die Beratung, die mehr Orientierung biete, da nicht mehr verschiedene Anlaufstellen aufgesucht werden müssten.

Nicht immer möglich

Auch Wilhelm Singer-Lutz, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe Main-Spessart, lobte das Gesetz. Er äußerte allerdings seine Sorge, dass Menschen mit geistiger Behinderung hierbei auf der Strecke bleiben könnten. Gerade in Wohngruppen wie bei der Lebenshilfe sei es nicht immer möglich selbstbestimmt zu leben, da nicht immer auf alle Individualwünsche Rücksicht genommen werden könne.

In der Diskussion mit den fünf Rednern, kam immer wieder die Problematik des ersten Arbeitsmarktes zur Sprache. So unterstützt das Bundesteilhabegesetz zwar behinderte Menschen bei der Inklusion, allerdings sei eine Rückkehr in die Werkstätten oftmals mit Problemen verbunden.

Außerdem gebe es Schwierigkeiten, das Gesetz auf alle Behinderungen gleichermaßen anzuwenden, wandte ein Mann ein. Körperliche Behinderungen seien oftmals nicht mit psychischen gleichzusetzen.

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