Masterplan ist kein Friedensvertrag

Klinikum: Debatte und Abstimmung im Kreistag zeigten, dass Positionen teilweise weit auseinander liegen

MAIN-SPESSART
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Klinikreferent René A. Bostelaar ist überzeugt, dass der unter seiner Regie erarbeitete Masterplan 2025 dem Klinikum Main-Spessart den Weg in eine gute Zukunft weist. Die Mehrheit der Kreisräte sieht das ähnlich. Doch in der jüngsten Sitzung des Kreistags gab es aus verschiedenen Fraktionen auch deutlich kritische Stimmen. Archivfoto: Ungemach
Foto: Johannes Ungemach
Mit gro­ßer Mehr­heit hat der Kreis­tag am Frei­tag die Um­set­zung des Mas­ter­plans be­sch­los­sen. Doch das Pa­pier ist kein Frie­dens­ver­trag. Zu weit lie­gen die Po­si­tio­nen beim Kli­ni­kum au­s­ein­an­der, wie in den Stel­lung­nah­men der Frak­tio­nen deut­lich wur­de. Au­ßer­dem sind noch vie­le Fra­gen of­fen.

In der Debatte sind die Rollen erkennbar neu verteilt. Die Grünen, einst Mahner und kritische Fragensteller vom Dienst beim Klinikum, scheinen durch den Masterplan besänftigt. Lautsprecher geworden ist die Fraktion Unabhängig-Gemeinsam für Main-Spessart (UGM), die erst mit dem »Plan B« beim Klinikneubau für Schlagzeilen sorgte und jetzt nicht gerade zimperlich mit dem Masterplan umgeht.

Namens der UGM zerpflückte Achim Müller das 80-seitige Papier. Die Nachnutzung des Krankenhauses Marktheidenfeld und die Altenpflege würden darin »nur sehr oberflächlich« behandelt. Hier seien reine Wunschvorstellungen formuliert, die nicht greifbar seien. Es dränge sich die Frage auf, ob diese Themen halbherzig angegangen oder bereits jetzt als unbezahlbar abgetan würden.

»Von Visionen kann sich niemand etwas kaufen«, so Müller weiter. Realität sei hingegen, dass Tag für Tag hochqualifiziertes Personal abwandere. In der Bevölkerung und der Belegschaft des Klinikums werde das Szenario so beschrieben: »Wenn wir genügend Personal verloren haben, dann müssen wir den Standort Marktheidenfeld nicht mehr hochfahren und können die Immobilie verkaufen.«

Müller: Karten auf den Tisch

Dazu passe, dass kürzlich wohl eine Bewertung der Immobilie vorgenommen worden sei. Hier müssten Landrätin und Klinikreferent »die Karten auf den Tisch legen«. Das Personal sei eingeschüchtert und verängstigt, sagte der UGM-Sprecher.

Zu einer ganz anderen Bewertung kam die CSU-Fraktion, deren Vorsitzender Walter Höfling »politische Rückendeckung« für den Klinikneubau forderte. Mit Baubeginn werde hier die Zustimmung der Bevölkerung steigen. Den Masterplan bezeichnete Höfling als epochal und fundiert, den Kreistag bat er um ein deutliches Votum als Signal an die Belegschaft des Klinikums und die Bevölkerung. Insgesamt begleite die CSU-Fraktion die Entwicklung mit »kritischem Vertrauen«. An einen Verkauf der Krankenhausgebäude in Marktheidenfeld sei nicht zu denken.

»Der Masterplan ist gut geworden«, befand Freie-Wähler-Sprecherin Brigitte Riedmann. Es seien jedoch Fragen offen geblieben oder neu aufgetaucht, die vor der Beschlussfassung hätten beantwortet werden müssen. Das habe zu Irritationen geführt, weshalb ihre Fraktion nicht geschlossen für den Masterplan stimme.

Gerhard Kraft (Grüne) sagte, das Masterplan-Projekt hätte 2015 beginnen müssen, als die Zentralisierung des Klinikums beschlossen wurde. Diese Entscheidung sei »ohne zu wissen, wo es hingeht« getroffen worden. Der Masterplan biete jetzt Orientierung, Rahmen und Ziele. Für Marktheidenfeld brauche man eine zukunftsfähige Lösung; Klinikum und Senioreneinrichtungen sollten in kommunaler Hand bleiben.

»Der ganze Prozess ist dynamisch«, das werde gerade in Marktheidenfeld deutlich, sagte Sven Gottschalk für die SPD-Fraktion. Die Ausarbeitung des Klinikums habe die Bezeichnung Masterplan verdient. Die SPD stehe dafür, bei Gesundheit und Pflege die bestmögliche Versorgung der Menschen in der Region zu erreichen.

Von den Freien Bürgern stimmte Hubert Fröhlich dem Masterplan nicht zu; er möchte, dass die Pflegeschule vom Klinikum abgetrennt und künftig vom Landkreis betrieben wird. Kurt Schreck begründete die Ablehnung seitens der AfD damit, dass es nichts zu beschließen gebe, weil es hauptsächlich um Visionen gehe und man die Verbindlichkeit vermisse.

Landrätin Sabine Sitter bekräftigte vor der Abstimmung, das Klinikum sei bei ihr Chefinnensache. Sie werde ihre ganze Kraft da hineinlegen.

Schließlich beschloss der Kreistag mit 45 Ja- und zehn Gegenstimmen, dass der Klinikreferent mit der Umsetzung des Masterplans beauftragt wird. Von der anwesenden Führungsriege des Klinikums wurde die Entscheidung positiv aufgenommen. In der Debatte hatten viele Rednerinnen und Redner dem Personal des Klinikums für seinen Einsatz gedankt.

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