Malen bedeutet, Aussagen zu treffen

Ehrenamt: Die Lohrer Künstlerin Anja Jung hat das Cover der zweiten Integranz-CD gestaltet und spielt darauf auch mit

Lohr a.Main
3 Min.

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Die Künstlerin Anja Jung in ihrem Atelier an der Friedensstraße in Gemünden.
Foto: Luisa Wagenhöfer
Die Loh­rer Künst­le­rin An­ja Jung (34) ist ei­gent­lich nur durch Zu­fall da­zu ge­kom­men, das Co­ver der neu­en In­te­granz-CD zu ge­stal­ten. Das Ak­kor­de­onor­ches­ter, in dem sie mit­spielt, ar­bei­tet mit der Rock-Band Crash Kidz zu­sam­men, in der Alex Schuck Mit­g­lied ist. Er ist der Ver­ant­wort­li­che für den Sam­p­ler, der mit in­ter­na­tio­na­ler Mu­sik für To­le­ranz und In­te­g­ra­ti­on wer­ben soll.
Schuck hörte, dass Jung auch malerisch tätig ist und bat sie, das Cover zu gestalten.
Die Grafikerin stimmte sofort zu. »Solche Projekte sind wichtig. Es muss Leute geben, die andere mitziehen.« Das Ergebnis sei eine typische Arbeit von ihr, obwohl es durch Austausch mit anderen entstand. »Ich bin da sehr perfektionistisch und habe eine Idee sofort ausgeschlossen, weil sie nicht so gewirkt hat, wie ich das wollte. Wir haben uns in der Mitte getroffen. Das Bild ist wie eine Collage in Linien und Punkten, sie soll Eindrücke vermitteln, vor allem fremdländischer Kulturen durch die vielen Ornamente.«
»Augen immer offen«
Die Künstlerin hat für dieses Bild mit Tusche und Feder gearbeitet. Diese Technik hat sie vorher schon häufig verwendet. Bei ihr gebe es zwei Schienen: Einmal die Schwarz-Weiß- Arbeiten aus Tusche, wo es viele flächige, lineare Elemente gibt. Das ist die grafische Ebene. Daneben arbeitet sie auf der malerischen Ebene mit vielen Farben und Strukturen, die übereinander liegen. Also in Schichten, mit denen sie experimentiert. Diese beiden Stile laufen bei ihr parallel. Wenn sie weiß, dass zu einem Termin oder einer Ausstellung ein Thema vorgegeben ist, richtet sie sich nach diesen Vorgaben. Sonst holt sie sich ihre Inspirationen von überall.
»Ich habe die Augen immer offen, sehe etwas, das mir gefällt, Personen, Beziehungen, Gesichter oder eben Strukturen, Muster und Farben. Man sieht einfach Dinge, speichert so manches ab, um das dann wiederzugeben. Manchmal mache ich das zeitnah, manchmal brauche ich eine Weile.« Ihr Lieblingsmotiv ist der menschliche Akt. Ihr gefällt daran, dass man Haltungen darstellen kann, ohne von der Kleidung abgelenkt zu sein. Malen bedeutet für sie vor allem, Aussagen zu treffen. Die Gestaltung des Samplers hat sie ehrenamtlich übernommen. Gekannt hat sie das Projekt zwar vorher nicht, es war aber nicht schwer gewesen, sie davon zu überzeugen. Jung hat ihr Talent schließlich schon einmal bei einer Malperformance ehrenamtlich zur Verfügung gestellt. Damals hat sie live ein Bild für den Kinderschutzbund gemalt, das anschließend versteigert wurde. Für das Integranz-Projekt wünscht sie sich, dass viele Leute darauf aufmerksam werden und die CD viel Anklang findet.
Persönlich hat sie mit Integration die Erfahrung gemacht, dass man alleine viel an sich arbeiten kann, es aber genauso wichtig ist, dass andere mitmachen. Deshalb ist das Integranz-Projekt für sie eine gute Idee. Toleranz hält die 34-Jährige für eine innere Einstellung. Aufgrund ihrer Arbeit hat sie mit Menschen aus anderen Nationen Freundschaften geschlossen und nie schlechte Erfahrungen gemacht.
Musik aus aller Welt
Anja Jung ist bei dem Sampler auch musikalisch durch ihr Akkordeonorchester in Zusammenarbeit mit der Band Crash Kidz von Alex Schuck vertreten. Die Musik des Samplers hat der Künstlerin, die am liebsten Rock und Klassik aber auch Akkordeonspezifisches hört, sehr gut gefallen.
Der Sampler des Integranz-Projekts enthält 19 Stücke aus aller Welt. Die Bandbreite reicht von klassischen Stücken und volkstümlicher Musik über Kinderlieder, bis zu Metal und Kirchenliedern. Gesungen oder gesprochen werden sie unter anderem auf Deutsch, Russisch, Spanisch, Tamil und Türkisch. Auch ein Knopfakkordeon ist dabei. Die Aufnahmen zur CD erfolgten in Tel Aviv, in einer türkischen Moschee, in Kroatien, Wertheim und oftmals auch bei den Künstlern zu Hause im Wohnzimmer. Von März bis August wurde an der CD gearbeitet. Die Auflage beträgt zunächst 100 Stück, bei Bedarf kann nachgelegt werden. Sie wird gegen eine Spende abgegeben.
Das ganze Werk sei eine CD, die man nicht nebenbei anhören könne. Sie verlangt aktives Zuhören, sagt Alex Schuck, der die Idee für dieses Projekt hatte. Luisa WagenhÃfer
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