Kurzer Höhenflug der Eisenproduktion

Heimatgeschichte: Spessart verfügt über viele, aber nur kleine Lagerstätten - Vortrag von Joachim Lorenz

Lohr a.Main
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Einer der Eisenerzfunde aus der Volkersbrunner Grabung, der für eine Analyse zerschnitten wurde.
Foto: Alfons Opolka
Joachim Lorenz (links) und einige Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins Aschaffenburg im vorigen Winter bei den Ausgrabungen in einer Eisenerzpinge bei Volkersbrunn im Spessart. Fotos: (Archiv): Alfons Opolka
Foto: Alfons Opolka

»Ich erzähle heute Abend nichts von Rexroth, das kennen sie alles schon.« Diese Ankündigung hat Joachim Lorenz (Dettingen) in seinem Vortrag über Eisen und Eisenverhüttung im Spessart am Dienstag in der Alten Turnhalle wahr gemacht. Ihm ging es vor allem um die Grundlagen der Eisenproduktion in der Region.

Beide Veranstalter zeigten sich erleichtert, dass die Veranstaltung zustande gekommen war. Sie sei froh, dass die Vortragsreihe der Volkshochschule wieder beginne, meinte die hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterin Silvia Brey. 2. Vorsitzender Josef Harth erinnerte daran, dass der Geschichts- und Museumsverein eine Reihe von Vorträgen wegen der Corona-Krise absagen musste.

Häufigstes Schwermetall

Angemeldet hatten sich 21 Interessenten, gekommen waren einige mehr. Brey kündigte an, auch künftig neben den angemeldeten noch Spontanbesucher zuzulassen, wenn noch Plätze nach dem Hygienekonzept frei seien.

Eisen ist nach Angaben von Joachim Lorenz das häufigste Schwermetall. Auch der Spessart sei in dieser Beziehung »reich«, jedoch an »armen« Lagerstätten mit geringen Mengen. So seien am Standort Bieber rund 1,5 Millionen Tonnen Eisenerz gewonnen worden, im nationalen und internationalen Vergleich recht wenig.

Das Schwermetall komme im Spessart nur als Eisenoxid vor, das verarbeitet werden müsse - kein einfaches Unterfangen, denn Eisen habe einen Schmelzpunkt von 1538 Grad. Diese Temperatur könne in einem einfachen Ofen nicht erreicht werden. Lorenz stellte eine Reihe von Öfen vor, die diese Aufgabe bewältigen können.

Dabei gelte der Grundsatz: Größere Öfen ergeben besseres Eisen. Eisenerzeugung und -verarbeitung seien im Spessart erst seit dem Mittelalter gesichert nachweisbar. Wirtschaftliche Bedeutung hätten die Vorkommen vor allem im westlichen Spessart erlangt.

Zahlreiche Hammerwerke haben laut Lorenz im 18. Jahrhundert zu einem Aufschwung geführt. 18 von ihnen habe es in der Region gegeben. Doch der Spessart sei unter anderem vom Ruhrgebiet überflügelt worden, so dass nur wenige Betriebe als Gießereistandorte bis ins 20. Jahrhundert überlebt hätten (Laufach, Lohr, Weilbach, Hasloch).

Kreisheimatpfleger Theodor Ruf wollte wissen, ob der Bedarf an Eisen in der Region im Hochmittelalter etwa für Rüstungen, Nägel und Bleche aus der hiesigen Produktion zu decken gewesen sei oder Eisen habe importiert werden müssen. Er glaube angesichts der vergleichsweise geringen Zahl an Produktionsstätten und -mengen nicht an eine Selbstversorgung, meinte Lorenz.

Importwege unklar

Woher das Eisen importiert worden sei, sei wegen der Beschaffenheit des Schwermetalls nicht einfach zu klären, antwortete er auf eine weitere Frage Rufs. So bilde Eisen keine Isotope wie andere Elemente. Eine Möglichkeit sei die Untersuchung der Beimischungen. So habe das Eisenerz aus Bieber einen sehr hohen Arsengehalt.

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